Weltsensation in Duisburg

Das dürfte Delfinariumsgegner überall auf der Welt ganz schön aus dem Konzept bringen: Im Duisburger Zoo gibt es eine denkwürdige Premiere. Dort erblickten innerhalb von drei Wochen drei Delfinbabys das Licht der Welt. In Deutschland hat es so etwas noch niemals vorher gegeben. Die drei Kälber sind laut Angaben des Zoos gesund. Sie durften allerdings bisher nicht fotografiert werden. Heute fand eine Pressekonferenz statt, bei der auch Fotografen anwesend waren. Dabei entstand u. a. dieses Foto, das Delfinkuh Delphi und ihre Tochter Dörte zeigt.

Irgendwie finde ich es verwunderlich: Stirbt ein Delfin in einem Delfinarium, werden wir in den Zeitungsredaktionen mit Meldungen der verschiedenen Presseagenturen regelrecht überschwemmt. Von diesem Erfolg in der Delfinhaltung habe ich zumindest bis heute keine Zeile gefunden – sonst hätte ich ja hier im Blog darüber geschrieben. Gut, ich war vor kurzem einige Tage im Urlaub – vielleicht ist mir da auch etwas entgangen. Die folgenden Informationen habe ich – mangels Agenturmeldungen – dem online-Portal „Der Westen“ der WAZ-Mediengruppe entnommen.

Die drei Jungtiere sind keine Drillinge, sondern haben drei verschiedene Mütter – aber denselben Vater. Für den Duisburger Zoo, der ähnlich wie der Tiergarten Nürnberg wegen der Delfinhaltung unter Dauerbeschuss steht, ist das Ganze natürlich ein Triumph. Die Zooleitung spricht von einer „sehr erfolgreichen Entwicklung der Delfinhaltung“.  Die Tümmlerbabys wurden bereits am 20. August, 27. August und 5. September geboren. Mit ihnen ist die Zahl der Großen Tümmler in Duisburg auf neun angestiegen, sieben davon sind in Duisburg geboren. Zwei der drei Mütter waren ebenfalls schon in dem nordrheinwestfälischen Zoo zur Welt gekommen, zwei von ihnen haben außerdem bereits Erfahrung mit dem „Kinderkriegen“.

Nach Angaben des Zoos werden alle drei Jungtiere von ihren Müttern bisher gut versorgt; die Kinderstube befindet sich wegen des noch nicht ausgebildeten Immunsystem der Kleinen im Quarantänebereich des Delfinariums. Eine Delfinmutter mit Kind ist aber von der Besuchertribüne aus schon zu sehen.

So, jetzt bin ich mal gespannt, was die Nachrichtenagenturen aus der für heute in Duisburg angesetzten Pressekonferenz machen – und natürlich, wie die Delfinariumsgegner reagieren.

4 Kommentare in “Weltsensation in Duisburg

  1. Ich freue mich riesig mit den Duisburger Zooleuten, allen voran Dr. Achim Winkler, der sich von den ständig „Artgerecht ist nur das Meer“-brabbelnden „Delfinariumsgegnern“ um WDSF und ProWal nicht beirren lies. Große Gratulation! Große Gratulation auch dafür, dass ihr die Delfingeburten so lange geheim gehalten habt!

    Jedenfalls hat Duisburg gezeigt, dass Deutsche Delfinarien keine Wildfänge aus Taiji brauchen, was sowohl WDSF als auch ProWal immer wieder und wohl wissend, dass diese Behauptungen falsch sind, in die Welt streuen und wegen Taiji zum Boykott deutscher Delfinarien aufrufen.

    Jetzt bin ich mal gespannt, was Ortmüller und Morlok nun zu sagen haben. Sicher kommt jetzt irgendwas wie „Blutverlust bei Delfingeburt“ oder „Sextäter Ivo schwängert inhaftierte Delfin-Damen“ oder irgendeine andere reißerische Schlagzeile.

    Dass die Medien (außer der Zeitschrift „Der Westen“) bisher nichts veröffentlichen, wundert mich auch schon sehr.

  2. Ja, das ist wirklich eine Sensation und ich hoffe, die drei Kleinen werden das erste kritische Jahr genauso gut überstehen wie ihre beiden Geschwister, die vor vier Jahren als Doppelpack (auch wie im aktuellen Fall von verschiedenen Müttern) in Duisburg auf die Welt gekommen sind.

    Ich hoffe außerdem, dass die „Kommentarfreudigkeit“ der Leute, die die deutschen Delfinarien vehement ablehnen, deshalb abgenommen hat, weil sie sich (endlich) dort um den Delfinschutz kümmern, wo er dringend notwendig ist: im offenen Meer (Stichworte Fischernetze, Lärm, Öl und andere Verschmutzung), in Taiji (hier wurden seit September bereits wieder viele Delfine getötet) und auf den Färöer Inseln (hier wurden nach dem Abzug von Sea Shepherd auch wieder viele Grindwale getötet).

  3. Ich bin da etwas anderer Meinung und muss dazu noch sagen, dass ich schon öfters Delfine in Freiheit gesehen, gespürt und bewundert habe. Stellen Sie sich vor, Ihr Kind wird im Gefängnis geboren, muss dort aufwachsen und auch sterben. Würde Ihnen das gefallen? Dass die Delfine nicht alle gleich sterben im Zoo, ist für mich noch lange kein Beweis, dass es ihnen gut geht. Jedes Lebewesen hat einen Ueberlebenstrieb – so auch die Delfine. Im Gefängnis sterben ja auch nicht alle Menschen sofort.
    Ich bin heute davon überzeugt, dass die Delfine nicht aus Spass „arbeiten“ im Delfinarium, sondern weil man sie zwingt. Im Meer spielen sie auch mit uns, wenn wir uns nähern, aber ganz anders. Manchmal haben sie aber überhaupt keine Lust zum spielen und das sollte man auch akzeptieren, wenn man sie in freier Wildbahn besucht. Sie wollen KEINEN Körperkontakt, da bin ich mir auch ganz sicher. Alle, die jetzt sagen, sie wollen aber die Delfine ihren Kindern mal zeigen, rate ich, es mit einem Ferienaufenthalt zu verbinden, zB wie ich in Aegypten. Ich war mit SimSim Reisen auf Delfintour und das 3x in meinem letzten Urlaub (Nähe Hurghada). Das ist eine Schwimmen mit Delfinen-Tour, die den Tieren auch nicht schadet. Ich bin mir sicher, dass fast ausnahmslos diese Leute – die so eine Tour in der freien Wildbahn gemacht haben – verstehen, was ich meine mit „Gefängnis“. Das Meer ist so gross und so abwechslungsreich und die Delfine dort sind so frei, wie sie in keinem einzigen Delfinarium auf der Welt frei sein können. Es gibt keine artgerechte Delfinhaltung, es ist ganz einfach ein brutales Gefängnis und mir tun auch diese drei Delfine leid, die ihr Leben in Gefangenschaft verbringen werden. Es ist einfach nur traurig……

    • @Gaby Bühler, da ich auch schon sehr oft Delfine (und Wale) in freier Wildbahn beobachtet habe, kann ich Ihnen nur beipflichten: Es sind große Emotionen, die sich einstellen, wenn eine Delfin-Schule das Boot begleitet oder ein Wal zum Atmen auftaucht.
      Mit SimSim war ich im letzten Jahr auf Delfintour. Samir, den Leiter von SimSim, kenne ich persönlich. Er macht seine Sache sehr gut und versucht, die Tiere nicht zu bedrängen. Allerdings hatte ich auch andere Whale-Watching-Boote beobachtet, die zeitgleich unterwegs waren. Und da musste ich leider mit ansehen, dass manche Kapitäne den Delfinen sehr nah auf die Pelle gerückt sind und sie regelrecht umzingelt haben. Also, es ist nicht alles Gold, was glänzt, auch nicht unter den Delfin-Beobachtungs-Unternehmen. Deshalb sollte man sich bereits im Vorfeld genau darüber informieren, w e r fährt und ob derjenige bestimmte Vorsichtsmaßnahmen einhält. Samir (SimSim) kann ich da uneingeschränkt empfehlen, wie Sie auch in meinem Bericht „Im Land der Pharaonen und Delfine“ (http://www.meeresakrobaten.de/2010/05/im-land-der-pharaonen-und-delfine-bericht/) lesen können.
      Delfinhaltung mit Menschen im Knast zu vergleichen, finde ich sehr übertrieben und nicht haltbar. Man sollte Delfine nicht zu sehr vermenschlichen. Es sind intelligente Raubtiere. Das dürfen wir nicht vergessen. Ohne Beschäftigung im Delfinarium würde es ihnen schnell langweilig werden. Außerdem machen die Tiere sehr gerne mit bei ihrem Fitnessprogramm (das kann ich aus eigener Erfahrung berichten) und erfinden sogar selbst immer wieder neue Kunststücke.
      Heute wird in Deutschland kein Delfin gezwungen, beim Training mitzumachen. Das gab es vielleicht einmal in der Anfangszeit der Delfinarien (in den 1960er-Jahren).Doch man trainiert schon lange nach dem Prinzip der „positiven Verstärkung“. Bestrafung gibt es gar keine.
      Delfinen im Meer sollte man nicht zu nahe kommen und sie vor allem nicht versuchen zu streicheln, da gebe ich Ihnen recht. (Sehen Sie dazu meinen aktuellen Beitrag „Schwimmen mit Delfinen kann gefährlich sein“ – http://www.meeresakrobaten.de/2011/10/schwimmen-mit-delfinen-kann-gefaehrlich-sein/) Doch die Delfine in Delfinarien sind – wie andere Zootiere auch – an den Menschen gewöhnt und lieben Körperkontakt bzw. Streicheleinheiten. Viele Tiere im Zoo sehen den Menschen sogar als einen Artgenossen an, dem sie blind vertrauen.
      Es bleibt jedem überlassen, ob er Zootierhaltung akzeptiert oder ablehnt. Für beides gibt es Gründe. Deshalb kann ich es gut verstehen, dass sie Delfinarien ablehnen. Auch ich bin alles andere als ein Delfinariumsfan. Aber ich mache Unterschiede. Meiner Meinung nach sind die Delfinarien in Duisburg und Nürnberg (letzteres kenne ich persönlich) akzeptabel und die Tiere dort werden sehr gut betreut, was man leider von vielen anderen Einrichtungen im Ausland nicht sagen kann. Vor allem dort, wo der Tierschutz einen viel geringeren Stellenwert hat als in Deutschland, werden die Delfine tatsächlich ausgebeutet und nicht gut gehalten.

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