Verneigung vor einem kleinen Helden

Ich liebe ihn. Schon als ich klein war, habe ich mich stundenlang vorher gefreut, wenn er für die „Kinderstunde“ im Fernsehen angekündigt war. War der Maulwurf zu sehen, fühlte ich mich sozusagen wie „im siebten Himmel“ (so der Titel eines der Bücher über die Abenteuer des kleinen Maulwurfs). Jetzt ist der „Vater“ des Maulwurfs tot: Zdenek Miler, der Mann, der diese Zeichentrickfigur vor über 50 Jahren erfunden hat, starb im Alter von 90 Jahren.

Der Maulwurf ist so ganz anders als andere Zeichentrickhelden. Sein herausragendstes Merkmal: Er ist praktisch stumm; nur ganz am Anfang durfte er für kurze Zeit sprechen. Doch schon bald hat er nur noch diese süßen, kleinen, irgendwie undefinierbaren Laute ausgestoßen, die sich anhörten wie „challo!“ oder, staunend, „ooohhh“ oder auch mal „oj“. Und wenn er in sein glucksendes kleines Lachen verfällt, muss man einfach mitlachen. Wie ich jetzt in einer Meldung der Deutschen Presseagentur gelesen habe, hat Miler dafür Laute seine kleinen Töchter auf Tonband aufgenommen. In seinem Heimatland heißt der Maulwurf übrigens „Krtek“ oder „Krtecek“. Und angeblich hat ein Silvesterspaziergang, bei dem Miler über einen Maulwurfhügel stolperte, ihn auf den Maulwurf gebracht.

Zdenek Miler ist so etwas wie der Walt Disney der Tschechoslowakei. Ja, ich sage bewusst nicht Tschechien oder Tschechische Republik. Denn als der Maulwurf Karriere machte, gab es noch den Eiserenen Vorhang, und unser Nachbarland war nicht schnell mal in ein paar Autostunden zu erreichen. Man musste die Einreise beantragen, jeden Tag einen bestimmten Betrag an tschechischen Kronen zwangsumtauschen, an der Grenze bösartige Kontrollen der Beamten über sich ergehen lassen usw.

Und dann diese liebenswürdige Zeichentrickfigur. Auch ein Wort, das ich sonst nicht verwenden würde. Aber auf den Maulwurf passt es. Im Gegensatz zu anderen Zeichentrickfiguren wird er nie, wirklich niemals, aggressiv. Er ist und  bleibt kindlich-naiv, betrachtet die Welt immer mit großen, staunenden Augen. Dabei ist er durchaus wagemutig, erlebt furchtlos ein Abenteuer nach dem anderen. Sogar in einer Rakete fliegt er.

Das muss für Zdenek Miler wohl auch ein großer Traum gewesen sein. Wenigstens ein Stück davon hat sich im vergangenen Sommer erfüllt. Da nahm der amerikanische Astronaut Andrew Feustel zwei Plüsch-Maulwürfe mit an Bord der Raumfähre Endeavour. Später schenkte er einen der beiden Miler bei einem Besuch in Tschechien. Da hat sich der Vater des Maulwurfs sicher auch gefühlt wie im siebten Himmel. Und dort hat er nun für alle Zeiten seinen Platz gefunden.

 

 

1 Kommentar in “Verneigung vor einem kleinen Helden

  1. Ich liebe ihn auch, das glucksende Lachen, das meist fröhliche Leben mit seinen Freunden in der geliebten Natur. Einfach wurde erklärt, was gut oder schlecht ist, die Geschichten hatten immer einen Sinn.

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