Hände weg von den "sanften Riesen"!

Von wegen „sanfte Riesen“: Elefanten sind viel gefährlicher, als es den Anschein hat. Jedes Jahr kommen Zoo-Tierpfleger durch Angriffe von Elefanten zu Tode oder werden schwer verletzt. Der Verein Elefanten-Schutz Europa hat eine Aufklärungskampagne gestartet, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, und spricht von einem „vertuschten Skandal in deutschen Zoos“.

Das Problem der Übergriffe von Elefanten ist nicht neu. Die Dickhäuter werden leicht aggressiv und drücken ihre Pfleger dann meist an die Wand. Die Statistik, die der Verein Elefanten-Schutz Europa aufmacht, liest sich verheerend: Seit dem Jahr 2000 sind in europäischen und US-amerikanischen Zoos 12 Elefantenpfleger bei solchen Vorfällen gestorben. Insgesamt hat man in US-amerikanischen Zoos bereits 22 tote und 204 verletzte Elefantenpfleger verbuchen müssen, in deutschen Zoos 12 Tote und 51 Verletzte. In 15 deutschen Zoos hat man seit 1990 mindestens einen, zum Teil mehrere schwere Zwischenfällen mit Elefanten registriert. Der Verein geht außerdem von einer hohen Dunkelziffer an Unfällen aus, bei denen die Verletzungen nicht tödlich ausgehen, und die deshalb verharmlost werden.

Der springende Punkt ist die Art der Elefantenhaltung: Man unterscheidet dabei „Direkten Kontakt“ bzw. „Hands on“, wobei Pfleger und Elefanten ohne trennenden Schutz miteinander in Kontakt treten, und „Geschützten Kontakt“ bzw. „Hands off“: Hier sind Mensch und Tier durch schützende Gitter, Zäune, Pfähle oder ähnliches voneinander getrennt. Die Intensität der Pflege beeinträchtigen solche Schutzvorrichtungen nicht, die Elefanten können entsprechend umgewöhnt werden.

Doch in der überwiegenden Mehrzahl deutscher Zoos, in denen Elefanten gehalten werden, beharrt man immer noch auf dem „Direkten Kontakt“, während die Zoos in ganz Europa schon weiter sind und zu 70 Prozent auf „Geschützten Kontakt“ umgestellt haben, um die Sicherheit ihrer Pfleger zu gewährleisten. In Deutschland sind nur Zoos, die erwachsene Bullen halten, zu „Geschütztem Kontakt“ verpflichtet – wohl weil man davon ausgeht, dass männliche Dickhäuter gefährlicher sind. Doch es ist erwiesen, dass rund 80 Prozent der Unfälle mit Elefantenkühen passieren.

Aus der verpflichtenden Umstellung auf „Geschützten Kontakt“ wurde bei uns möglicherweise auch deshalb noch nichts, weil eine ganze Reihe von Pflegern den „Direkten Kontakt“ wollen, in der (leider manchmal irrigen) Meinung, sie würden ihre Tiere genau kennen und könnten einschätzen, wie gutmütig sie sind. Außerdem kostet es natürlich, wenn man entsprechende Schutzmaßnahmen einbaut – und kein Zoo der Welt wird für so etwas gern Geld ausgeben, wenn es ihm an allen anderen Ecken und Enden fehlt.

 

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