Taiwan lässt die Sau raus

Ich kaufe bewusst keine Produkte mit dem Vermerk „Made in Taiwan“. Allerdings bin ich nicht so naiv, zu glauben, dass man mich als Kunden tatsächlich immer darauf hingeweist, wenn etwas dort hergestellt wurde. Sehenden Auges aber lasse ich jedenfalls die Finger von Waren aus Taiwan.

Ich boykottiere diese Produkte also sowieso schon. Täte ich das nicht, würde ich jetzt damit beginnen, nachdem ich eine dpa-Meldung vom Wochenende gelesen habe. In Taiwan wird immer noch eine etwa 200 Jahre alte Tradition hochgehalten, die ich für Tierquälerei der unmenschlichsten Art halte: Der Wettbewerb um das dickste Schwein, das dann für einen Gottheit geschlachtet und geopfert wird. In diesem Jahr sind neun Schweine in die Endrunde um den bei ihren Züchtern begehrten Titel gekommen. Gewonnen hat ein Borstenvieh, das über eine Tonne auf die Waage brachte. Es konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, so fett war es. Früher sollte der Brauch dem Besitzer Glück bringen, und das Fleisch wurde unter den Bewohnern eines Dorfes geteilt Heute erkaufen sich Großbauern Anerkennung mit dem Mästen der Tiere. Dabei schrecken sie nicht vor den grausamsten Mitteln zurück: Auf Video ist zum Beispiel dokumentiert, wie ein Schwein mit einem Schlauch zwangsernährt wird.

Über 100 000 Menschen haben am Wochenende bei dem Opferfest in Xinbei mitgefeiert. Dort steht der letzte Tempel in Taiwan, wo das Spektakel noch über die Bühne gehen darf. Das Ritual sieht so aus: Erst werden die Schweine bemalt, dann mit Früchten und Schmuck herausgeputzt, damit sie der Gottheit auch wirklich gefallen, wenn man sie opfert.

Taiwanesische Tier- und Umweltschützer versuchen zwar, etwas gegen den grausamen Brauch zu unternehmen, aber die Besucher wollen unbedingt an dieser Tradition festhalten.

15 Kommentare in “Taiwan lässt die Sau raus

  1. Diese Mästung ist in der Tat abscheulich!

    Eine Frage habe ich allerdings, nämlich warum boykottieren Sie Taiwan generell?

    • @tpe113,
      weil ich keine Billigware aus Ländern kaufe, deren Arbeitskräfte oft für einen Hungerlohn arbeiten.

      • @uwo, Ihnen ist schon klar, dass in Taiwan keine Hungerlöhne gezahlt werden und das Durchschnittseinkommen bei jährlich 16,000 US$ liegt?
        Wissen Sie auch, dass es in Taiwan eine Bürgerversicherung und ein gesetzliches Rentensystem sowie freie Parlaments- und Präsidentschaftswahlen gibt?

        Ich fürchte fast, dass Sie Taiwan mit anderen Ländern verwechseln…

  2. Vorausgesetzt, dass Sie das alles wissen, ist Ihr Taiwan-Boykott aber wirklich nicht nachvollziehbar. In welchen Industriezweigen sehen Sie denn die Arbeiter durch Hungerlöhne ausgebeutet bzw. welche Produkte boykottieren Sie denn spezifisch?

    Boykottieren Sie auch Produkte aus Griechenland, Polen oder der Slowakei – die haben nämlich allesamt niedrigere Durchschnittseinkommen als Taiwan.

    Oder ist Ihr hier geäußerter Taiwan-Boykott am Ende (bitte nicht persönlich nehmen!) nur ein Kind nachlässiger Recherche? Das kann schließlich jedem einmal passieren…

  3. Wenn Sie Ware aus Taiwan boykottieren wollen, dann bitte das Blog sofort schließen und jeden Computer, den Sie haben, zum Fenster herausschmeißen. Nämlich fast alles, was in Rechnern drin ist, ist Made in Taiwan.

    • @MKL, ganz richtig! Mir scheint die ganze Veranstaltung hier eher auf Unwissenheit und Ignoranz zu basieren, als auf tatsächlichem Wissen. Insbesondere, da die Autorin sich nicht zu den genauen Gründen ihres Boykotts trotz des hohen Lohnniveaus Taiwans geäußert hatte.

    • @MKL,
      ich hatte ja am Anfang meines Texts geschrieben, dass ich nach Möglichkeit auf diese Waren verzichte und weiß, dass das nicht immer geht.

      • @uwo, aber warum? Warum verzichten Sie auf Produkte aus Taiwan? Dort gibt es einen Mindestlohn von brutto umgerechnet 5,25 Euro… welche Produkte boykottieren Sie denn genau? Vielleicht habe ich da all die Jahre etwas nicht mitbekommen in Taiwan…

  4. Liebe Redakteurin der Nürnberger Zeitung, ich kann Ihnen nur aus ganzem Herzen zustimmen. Aber bitte denken Sie auch den nötigen Boykott sämtlicher italienischer Waren. Italien hat 800.000 Tonnen falsch deklarierte Bio-Lebensmittel in den europäischen Ländern verkauft. Igitt! Und französische Waren! In Frankreich werden niedliche deutschstämmige Singvögel gefangen und als Delikatesse gehandelt. Widerlich! Außerdem sind deutsche Waren strikt abzulehnen. In Deutschland werden Millionen Hühner in grausamster Weise nur zu dem Zweck gefüttert, um sie dann zu essen. Schließlich sind auch amerikanische Waren nicht länger akzeptabel. Dort werden in großem Maßstab Maispflanzen mit Fremdgenen gequält und, sobald sie sich mit letzter Kraft fortpflanzen wollen, gnadenlos niedergemäht. Mit Maschinen, die eigens für diesen Massenmord gebaut wurden! Furchtbar!!
    Sie stimmen sicher zu, daß die einzigen Lichtblicke in der Warenhölle, Produkte, die ein bewußt lebender Mensch kaufen kann, ohne seine Ideale zu verraten, aus der DDR stammen. Dort gibt es seit zwanzig Jahren keinerlei Tierquälerei mehr. Ach, wenn es doch mehr solch‘ vorbildlichen Länder gebe.
    Nicht war?!

  5. @ uwo

    Was Sie grundsätzlich gegen Produkte gerade aus Taiwan haben würde mich auch interessieren. Ich sehe da keine besonderen Verfehlungen der Taiwanesen etwa im Umwelt- und Arbeitsbereich, die man in anderen süd- und südostasiatischen Ländern nicht auch und in viele höherem Masse sehen und finden kann. Oder hat es etwas mit China zu tun?

    • @Wolferl, bis heute hat Frau Wolf das kein einziges mal begründet – sie wird es auch nicht wirklich können. Wenn man erst einmal durch mangelhafte (oder gänzlich fehlende?) Recherche seine Unwissenheit zur Schau gestellt hat und mittlerweile schon auf deutsch- und chinesischsprachigen Blogs mit Taiwanbezug damit aufgezogen wird, ist es wohl kein Wunder, wenn man sich jetzt bedeckt hält. Wäre mir auch schwer peinlich, wenn ich z.B. Südkorea mit Nordkorea verwechselt hätte…

  6. Hier ist aber auch ein kleines Lob angebracht, nämlich die Diskussion im Blog stehen zu lassen.

    Ansonsten kann man sich auch an Tierschützer in Taiwan wenden, wenn man was verändern will. Etwa http://www.spca.org.tw/

    Taiwan als „Little China“ (wenn man so will) ist hier viel besser als das große China und kein Billiglohnland, das ist klar.

    Ludigel

    Taipei

    • @Ludigel,
      Sie sprechen hier ein Phänomen an, das ich auch für bedenklich halte: Bei Blogs oder auch bei Kommentaren in online-Ausgaben von Zeitungen werden immer öfter Beiträge, die den Machern irgendwie nicht ins Konzept passen, entweder gleich ausgesiebt oder später gelöscht.
      Ich halte das nicht für vereinbar mit unserem Recht auf Meinungsfreiheit. Ich selbst lösche Kommentare nur dann, wenn sie wirklich persönlich beleidigend werden – und vor allem, wenn nicht ich selbst davon betroffen bin, sondern andere Kommentatoren.

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