Sushi am Stiel

Ab und zu lohnt es sich ja,  hier im Blog einen Film zu empfehlen. Das möchte ich nach längerer Zeit heute mal wieder tun, auch wenn es sich nicht um einen Tierfilm im herkömmlichen Sinn handelt.

Aus der Tradition der japanischen Küche heraus hat Sushi die Welt erobert. Der Siegeszug der ebenso schmackhaften wie gesunden Häppchen mit rohem Fisch und Reis ist nicht mehr zu stoppen. Doch was steckt hinter dem globalen Sushi-Boom? Dieser Frage geht Mark S. Hall in seinem Dokumentarfilm „Sushi – the Global Catch“ nach, der am 7. Juni in den deutschen Kinos startet (nebenstehendes Foto: Neue Visionen Filmverleih).

Japanische Köche zelebrierten die Zubereitung von Sushi und Sashimi einst als Kunst. Sie schufen Kreationen, bei denen Fisch und Reis eine Einheit bildeten. Die Ausbildung zum Sushi-Chef dauerte Jahre, und der Fisch, den sie verwendeten, zeichnete sich durch höchste Qualität aus. So läuft das heute nur noch in Restaurants der Spitzenklasse. Mittlerweile hat sich weltweit ein Industriezweig entwickelt, der Sushi zu Massenware gemacht hat: Sushi zum Mitnehmen, Sushi am Stiel, Sushi als Fastfood oder in Klarsichtfolie abgepackt im Supermarkt.

Spätestens seit in Ländern wie Indien und China die Nachfrage nach Sushi unaufhaltsam steigt, gibt es ein globales Problem, dessen Folgen noch gar nicht richtig absehbar sind: Der Bestand der großen Thunfischarten ist seit den 1950er Jahren um 90 Prozent geschrumpft. Vor allem die verschiedenen Arten des Blauflossenthunfischs sind vom Aussterben bedroht. Auf dem berühmten Tsukiji-Fischmarkt in Tokio wurde ein einziger Fisch bereits zum Preis von 700 000 US-Dollar versteigert. Wissenschaftler sagen voraus, dass die Weltmeere in 35 Jahren leergefischt sein werden und ihr ökologisches Gleichgewicht zerstört sein wird.

Kann der einzelne Verbraucher etwas dagegen tun, wenn ganze Regierungen dieser katastrophalen Entwicklung offenbar machtlos zusehen? Mark S. Hall holt in seinem Dokumentarfilm (Originalfassung mit Untertiteln) Restaurantbesitzer vor die Kamera, Meeresbiologen, Forscher, Vertreter von Umweltschutzorganisationen und Fischer. Er lässt einen Restaurant-Chef zu Wort kommen, der in San Francisco Sushi mit alternativen Fischarten anbietet und damit einen Riesenerfolg bei den Gästen gelandet hat. Er stellt Listen verschiedener Verbände vor, die den Konsumenten informieren, welche Fische er bedenkenlos essen kann und auf welche er lieber verzichten sollte.

Thunfischfarmen an der australischen Küste könnten eine Alternative zum Thunfisch-Wildfang bilden: Junge Thunfische werden aus dem Meer gefangen und gemästet. Der aus Deutschland stammende, in Australien lebende, Hagen Stehr betreibt ein Institut, in dem er Blauflossenthunfische zum Laichen bringt. Er versucht nun, die Fische an Futter aus Getreide und Pflanzenöl zu gewöhnen, um die Population der Beutefische nicht zu gefährden. Auch solche Hoffnungsschimmer beleuchtet der Film. Er besticht insgesamt durch seine nüchterne Bestandsaufnahme, die umso deutlicher vor Augen führt, dass etwas geschehen muss, wenn wir das Leben in den Ozeanen der Welt retten wollen.