Die Krise hat auch ihr Gutes!

Manchmal läuft im Leben alles ganz anders, als man gedacht hätte. So zum Beispiel in Spanien. Seit Jahrzehnten treten Tierschützer dort für ein Verbot des Stierkampfs ein – ohne Erfolg. Aber nun droht ihm das Ende aus einem ganz anderen Grund: Die Wirtschaftskrise scheint ihm langsam den Garaus zu machen. In den letzten fünf Jahren ging die Zahl der Kämpfe beinahe um die Hälfte auf weniger als 1200 im Jahr zurück. Wenn die Krise nun auch noch den Rest schaffen sollte, hätte sie doch endlich auch mal etwas Positives.

Vor allem in kleineren Arenen in der spanischen Provinz wird die „Fiesta“ gestrichen – die Gemeinden haben schlicht kein Geld mehr dafür. Hochburgen des Stierkampfs sind nach wie vor die großen Städte – allen voran Madrid, Sevilla und Pamplona. Allerdings interessieren sich auch dort hauptsächlich ältere Spanier für die grausamen Spektakel. Die jungen Leute lehnen Stierkampf mehrheitlich ab.

Die großen Verlierer der Entwicklung sind die Züchter von Kampfstieren. Sie können immer weniger Tiere für ihren ursprünglichen Zweck verkaufen. Stattdessen landen nun viele Stiere im Schlachthof. Das bedeutet für die Züchter einen riesigen Verlust, denn das Schlachten bringt ihnen nur etwa 600 Euro pro Tier, während sie bis zu 5000 Euro in die Aufzucht stecken. Und die Verbraucher sind vom Fleisch der Kampfstiere gar nicht begeistert, weil die Tiere älter als Mastrinder sind, deren Fleisch man sonst angeboten bekommt.

Obwohl der Stierkampf in Spanien also in mehr als einer Hinsicht in der Krise steckt, gibt es immer noch einflussreiche glühende Anhänger, die von einem Verbot nichts wissen wollen. Nur auf den Kanarischen Inseln wurde diese Tierquälerei in den neunziger Jahren abgeschafft, und in Katalonien gilt ein Verbot seit Beginn dieses Jahres. Doch das brachte in der Praxis beides nicht sehr viel, weil in diesen Regionen sowieso kaum noch Stierkämpfe stattfanden.