Tiger mutieren zu Nachttieren

Wir Menschen schaffen es tatsächlich, die Natur auf den Kopf zu stellen. So haben sich Tiger im Chitwan Nationalpark in Nepal zu Nachttieren entwickelt. – Warum das? Um den Menschen aus dem Weg zu gehen!

Das hat jetzt ein internationales Team von Forschern mit Hilfe von Fotofallen (Foto: Michigan State University/CSIS/Neil Carter) herausgefunden. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass Tiger und Menschen imstande sind, auf engem Lebensraum zusammenzuleben – und zwar so, dass beide nicht darunter leiden.

In dem 1000 Quadratkilometer großen Nationalpark leben 121 Tiger. Das Waldgebiet rund um den Park nutzen viele Menschen häufig zum Sammeln von Holz oder Tierfutter, und der Nationalpark selbst ist bei Touristen äußerst beliebt. Die Forscher haben die Aktivitäten von Menschen und Tigern über zwei Jahre lang regelmäßig untersucht und dazu Fotofallen an den Wegen im Park und in dessen Umgebung aufgestellt. Die Fotofallen lösten automatisch aus, wenn ein Lebewesen die Lichtschranke durchbrach.

Dabei zeigte es sich, dass die Tiger von Chitwan sich an die Menschen angepasst haben: Eigentlich jagen sie auch am Tag, aber um nicht mit Menschen in Kontakt zu kommen, verschoben sie ihre Jagd – vor allem  in der Nähe der Nationalparkgrenzen – auf die Nacht. Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass sich damit neue Chancen für das friedliche Zusammenleben von Menschen und Raubkatzen auf relativ engem Raum eröffnen. Wegen des Anwachsens der menschlichen Bevölkerung sei es immer schwieriger, die bisherige Praxis aufrechtzuerhalten, Schutzgebiete für die Raubkatzen weit weg von menschlichen Siedlungen einzurichten. Wenn sich die Tiere aber so arrangieren können wie im Chitwan Nationalpark, sehe die Zukunft für die bedrohten Tiger wohl nicht so schwarz aus wie bislang angenommen.

Allerdings reicht der Forschungszeitraum im Chitwan Nationalpark erst mal nur für kurzfristige Schlüsse aus der Verhaltensänderung der Raubkatzen. Langfristig muss zum Beispiel noch herausgefunden werden, ob die Tiger bei der nächtlichen Jagd genügend Beute erlegen oder ob sich die veränderte Jagdzeit für die Tiere nachteilig auswirkt.

Vielleicht sollte man das Ganze wirklich so positiv interpretieren wie diese Wissenschaftler. Ich persönllich habe trotzdem meine Zweifel, ob solche Veränderungen sich langfristig nicht doch negativ auf die Abläufe in der Natur auswirken.