Grashüpfer im Wettbewerb mit Autos

Wir haben es schon weit gebracht auf unserem Planeten. Vogelgezwitscher hat sich in lauter Umgebung bereits verändert, und nun haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Grashüpfer ihren Balzgesang dem Verkehrslärm anpassen, wenn sie an lauten Straßen zirpen. Zum ersten Mal konnte eine solche Anpassung bei einer Insektenart nachgewiesen werden.

Grashüpfer-Männchen locken Weibchen mit verführerischen Gesängen zur Paarung. Sie reiben dazu ihre Hinterbeine über eine aus dem Flügel hervorstehende Ader. So entstehen – zumindest für die Ohren der Weibchen – regelrechte Melodien aus tiefen und höheren Frequenzkomponenten. Doch Grashüpfer-Männchen an stark befahrenen Straßen kommen damit nicht gegen der Verkehrslärm an. Deshalb sind sie dazu übergegangen, die tieferen Teile ihres Gesangs, die sonst vom Krach verschluckt würden, höher zu zirpen.

Das hat ein Forscherteam um Ulrike Lampe an der Uni Bielefeld mit einer Studie belegt, für die fast 200 männliche Nachtigall-Grashüpfer (siehe Foto) eingefangen wurden – die eine Hälfte aus ruhigen Gegenden, die andere aus Grasstreifen an Straßen mit viel Verkehr. Der Vergleich von rund 1000 Gesangsaufnahmen hat die Anpassung des Balzgesangs an den Autolärm deutlich gezeigt. Nun fürchten die Wissenschaftler, dass sich zunehmender Verkehrslärm negativ auf das Paarungsverhalten der Grashüpfer auswirken könnte. Denn trotz des höheren Zirpens besteht die Gefahr, dass die Weibchen die Balzrufe nicht mehr richtig hören könnten. Durch den veränderten Gesang könnten die Weibchen außerdem die Attraktivität eines Männchens nicht mehr richtig einschätzen. Als nächstes wollen die Forscher noch herausfinden, ob das veränderte Gesangsverhalten bereits im Erbgut von Männchen in lauter Umgebung verankert ist.