Plage oder Segen?

In Deutschland breiten sich freilebende Schwanen- und Nilgänse immer weiter aus. Fachleute schätzen ihre Zahl mittlerweile auf 30 000 Tiere. Ursprünglich stammen sie aus Sibirien und Afrika, sie siedeln sich aber über den Umweg von Tiergärten auch in unseren Breiten immer häufiger an. Diese Vögel leben mit einem festen Partner zusammen und legen bis zu dreimal im Jahr Eier. Im Schnitt schlüpfen zwölf Küken, von denen jedes dritte überlebt.

Eines der „Ballungszentren“ von Schwanen- und Nilgänsen sind die Neckarwiesen bei Heidelberg. Ornitholgen gehen davon aus, dass dort etwa 300 Nilgänse leben. Das besonders milde Klima bekommt ihnen besonders gut, und Spaziergänger zeigen sich großzügig und bringen dem Federvieh regelmäßig Futter mit. Das spricht sich in Gänsekreisen herum: Vogelkundler haben herausgefunden, dass diese Tiere mit ihren Artgenossen so kommunizieren, dass sie sich untereinander über besonders günstige Aufenthaltsgebiete informieren.

Viele Menschen freuen sich über die vielen Nilgänse bei Heidelberg, manche beklagen aber auch die Anhäufung von Gänsekot auf den Wiesen. Außerdem besteht die Gefahr, dass einheimische Arten verdrängt werden. Der Jagdpächter vermittelt deshalb im Sommer immer wieder Schwanen- und Nilgänse an Zoologische Gärten, Freilichtmuseen oder Privatleute, die große Gartenteiche besitzen. Es gab auch schon Stimmen, die einen Abschuss überzähliger Gänse forderten. Doch die Jagd auf die Gänse ist in Heidelberg nicht möglich: Die Uferstreifen sind Sperrbezirke für Jäger. Nur außerhalb der Stadt Heidelberg dürfen Jagdpächter einen Antrag auf Jagderlaubnis stellen.