Schwangerschaft auf hoher See

Über Weiße Haie kursieren seit Steven Spielbergs Film und der Romanvorlage von Peter Benchley in den 1970er Jahren die wildesten Gerüchte. Als wahre Bestien wurden die Tiere seitdem immer wieder hingestellt, die gnadenlos auch Menschen jagen. Benchley hat später bedauert, dass sein Buch daran wesentlich mit schuld war. Der Autor startete, sozusagen zur Wiedergutmachung, verschiedene Aufklärungskampagnen über Haie, die natürlich längst nicht so spektakulär waren wie der Roman.

Noch immer arbeiten Forscher daran, mehr über die Lebensweise von Weißen Haien herauszufinden. Jetzt haben Wissenschaftler des „Marine Conservation Science Institute“, einer Organisation für den Schutz von Meerestieren in den USA, neue Erkenntnisse  über weibliche Weiße Haie während der Schwangerschaft veröffentlicht.

Die Forscher haben die Tiere mit Funk-Sendern ausgestattet, die an den Rückenflossen angebracht wurden. Dazu hat man die Haie eingefangen und auf ein speziell ausgerüstetes Forschungsschiff gebracht. Die Sender funken Signale zu einem Satelliten, wenn die Haie auftauchen. Die Forscher haben diese Bewegungen der Hai-Weibchen mehrere Jahre lang aufgezeichnet und analysiert.

Nun weiß man, dass die trächtigen Tiere die meiste Zeit der eineinhalb Jahre dauernden Schwangerschaft auf Wanderschaft weit draußen im Ozean verbringen. Die Paarung spielt sich noch in Küstennähe ab, dann schwimmen die Weibchen hinaus. Offenbar meiden sie die Männchen außerhalb der Paarungszeit, denn nicht einmal während fünf Prozent ihrer vielen Monate auf hoher See hielten sich die werdenden Mütter in der Nähe von männlichen Artgenossen auf. Um ihre Jungen zur Welt zu bringen, kehren die Weißen Haie dann aber wieder in die Küstenregionen zurück. Dort werden sie schon nach kurzer Zeit wieder schwanger und beginnen ihre Wanderschaft aufs Neue.