Vater des gitterlosen Zoos starb vor 100 Jahren

Wer kennt dieses Tier nicht: Walross Antje, das jahrzehntelang als Markenzeichen für den NDR im Einsatz war. Antje starb im Jahr 2003, aber in den Köpfen vieler Menschen ist sie unsterblich. Sie machte nicht nur den NDR berühmt, sondern auch den Zoo, in dem sie lebte: den Hamburger Tierpark Hagenbeck.

Dessen Gründer wiederum, Carl Hagenbeck, starb am 14. April 1913, also vor 100 Jahren. Doch seine Idee lebt in vielen Zoologischen Gärten auf der ganzen Welt fort: Hagenbeck gründete als erster einen Zoo, in dem die Besucher das Gefühl hatten, als würden sie Tiere in freier Wildbahn beobachten. Hagenbeck schaffte Gitterkäfige, die vorher Zoos und Menagerien geprägt hatten, weitgehend ab. Er wollte Tiere nicht in engen Käfigen zur Schau stellen. Vielmehr ließ er für seinen Zoo Kulissen bauen, die Tiere in einer der Natur nachempfundenen Landschaft präsentierten.

Im 1907 eröffneten Tierpark Hagenbeck gab es von Anfang an künstliche Gebirge für Steinböcke oder Wildschafe, Steppentiere auf freiem Gelände oder Raubtiere in Schluchten, die nur durch einen Graben von den Besuchern getrennt waren. Nach diesen Hagenbeckschen Vorstellungen wurde später, im Jahr 1939,  beispielsweise auch der Nürnberger Tiergarten am Schmausenbuck angelegt. Heute mag der gitterlose Zoo nichts Aufsehenerregendes mehr sein – zu Hagenbecks Zeit kam diese Idee aber einer Revolution gleich. Hagenbeck hat das selbst erkannt und sich seine Panorama-Idee für Tierparks patentieren lassen. Er hat Maßstäbe für die Zoowelt gesetzt, die immer noch gelten.

Carl Hagenbeck war übrigens der Sohn eines Tierhändlers und stieg selbst schon als Jugendlicher in dieses Geschäft ein. Er lieferte exotische Tiere an Zoos und veranstaltete selbst Tierschauen, etwa mit Löwen, Affen oder Giraffen in „C. Hagenbeck´s Handlungs-Menagerie“ auf St. Pauli. Auch als die sogenannten Völkerschauen zum Ende des 19. Jahrhunderts in Mode kamen, mischte Hagenbeck mit: Er präsentierte mit großem Erfolg einem sensationslüsternen Publikum zum Beispiel echte Lappländer oder Eskimos. An dieser Zurschaustellung exotischer Völker störte sich damals niemand – erst später geriet sie in die Kritik.

Der Tierpark Hagenbeck in Hamburg ist nach wie vor einer der beliebtesten Zoos in Deutschland mit durchschnittlich 1,6 Millionen Besuchern im Jahr. Hagenbecks Nachfahren führen den Zoo weiter. Sie streiten sich derzeit allerdings vor Gericht um die Geschäftsführerposten. Gut, dass Carl Hagenbeck das nicht mehr miterleben muss!