Was macht das Krokodil im Wasserwerk?

Wieder einmal bin ich auf eine nicht alltägliche Tiergeschichte gestoßen. Sie handelt von einem Krokodil, das in einem Wasserwerk lebt – mitten in Deutschland.

Und das kam so: 1974, also vor fast 40 Jahren, bauten Mitarbeiter des in der DDR noch volkseigenen Betriebs „Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Magdeburg“ ein Wasserwerk in Mali (Westafrika), und zwar in einer Stadt namens Kayes. Zum Dank revanchierte sich die afrikanische Stadt damals mit einem Nilkrokodil-Baby, das gerade einmal 22 Zentimeter lang war. Das Tier wurde auf den Namen Theophil getauft und in einem kleinen Terrarium in dem Magdeburger Wasserversorgungsbetrieb untergebracht. Aber Theophil wuchs und gedieh sehr schnell. Der Magdeburger Zoo fand keine Möglichkeit, das Tier aufzunehmen. Schließlich erbarmte sich das Wasserwerk Colbitz in der Nähe von Magdeburg.  Dort richtete man Theophil ein großes Terrarium ein.

Mittlerweile hat Theophil eine Größe von dreieinhalb Metern erreicht und bringt 280 Kilo auf die Waage. Nilkrokodile können sechs Meter lang und 100 Jahre alt werden. Als die Wende kam, befürchteten die Wasserwerks-Mitarbeiter schon, sie müssten Theophil hergeben. Doch nach einigen Hin und Her durfte das Tier bleiben, allerdings musste wegen der Artenschutzbestimmungen das Terrarium vergrößert und mit einem ausreichenden Wasserbecken und Fußbodenheizung ausgestattet werden. Nach der Wende begann man auch, Theophil für Werbezwecke einzusetzen und ließ zum Beispiel Tausende von Krokodil-Schlüsselanhängern verteilen. Das Wasserwerk Colbitz wurde berühmt. Einmal im Jahr gibt es einen Tag der offenen Tür, an dem die Öffentlichkeit das Krokodil besuchen kann.

Vor sechs Jahren sorgte Theophil für Verblüffung: Im Terrarium lagen plötzlich sechs unbefruchtete Krokodil-Eier. Das Geschenk aus Westafrika, das man über 30 Jahre für männlich gehalten hatte, war also ein Weibchen. Es wurde kurzerhand in Theophila umgetauft, lebt aber genau wie vorher im Wasserwerk weiter.