Und hier kommt die Spinne des Jahres 2013

Wer glaubt, eine Tapezierspinne sei ein Gerät für den Haushalt – wie die Wäschespinne etwa -, der irrt. Bei der Gemeinen Tapezierspinne (Atypus affinis) handelt es sich vielmehr wirklich um eine Spinne. Eine, die zu den Vogelspinnenartigen gehört. Und die ist jetzt noch dazu zur europäischen Spinne des Jahres 2013 gekürt worden (Foto: P. & M. Wouters-Horemans, ARABEL Image Bank).

Für Menschen ist diese Spinne trotz ihrer Giftklauen nicht gefährlich, wohl aber für ihre Beutetiere, zu denen Käfer, Ameisen oder auch Tausendfüßler gehören. Denn die Tapezierspinne hat eine richtig raffinierte Methode entwickelt, um diese Tierchen zu fangen. Die Spinne selbst lebt in unterirdischen Röhren, die ungefähr 30 Zentimeter lang sind. Deren Wände kleidet sie mit Spinnenseide aus, tapeziert sie regelrecht – daher der Name Tapezierspinne. Über der Röhre, also oberirdisch, baut sie eine Art Fangschlauch, der circa zehn Zentimeter lang ist und den sie geschickt mit Erdkrümeln tarnt. Um ihrer Beute aufzulauern, versteckt sich die Spinne in der Röhre und wartet ab, bis Insekten über den Fangschlauch krabbeln. In diesem Moment beißt sie von unten durch die Schlauchwand zu und zieht die Beute in ihre Röhre. Später wird der Riss im Schlauch wieder geflickt, und das nächste Opfer ist an der Reihe.

Klein aber oho, könnte man sagen. Denn Gemeine Tapezierspinnen gehören eher zu den kleineren Spinnen. Die schwarzen Männchen erreichen bis zu einen Zentimeter Größe, die dunkelbraunen Weibchen etwa eineinhalb Zentimeter. In Mitteleuropa kommen insgesamt drei Tapezierspinnen-Arten vor. Gemeine Tapezierspinnen leben vorzugsweise an trockenen, sandigen, warmen und sonnigen Standorten, häufig in Kiefernwäldern oder auf mageren Wiesen, und zwar meist zusammen mit Artgenossen in Kolonien.

Am ehesten beobachten lassen sich diese Tierchen im Herbst, aber für den Laien ist das äußerst schwierig. Zu sehen sind sie auf jeden Fall bei der Schau „Faszination Spinnen“ im Museum Natur und Mensch  im Schloss Nymphenburg (München), die noch bis 23. Juni dauert. Dort werden lebende Spinnen, Skorpione und Tausendfüßler gezeigt. Außerdem will man im Naturkundemuseum Karlsruhe ab Anfang Mai eine Sondervitrine einrichten, in der eine präparierte Gemeine Tapezierspinne mit Fangschlauch präsentiert wird.

Der Titel „Spinne des Jahres“ wird seit dem Jahr 2000 auf Initiative der Arachnologischen Gesellschaft vergeben. Sie will das Interesse auf Spinnen lenken und über die Welt dieser faszinierenden Tiere informieren – gerade weil sich so viele Menschen so sehr vor ihnen ekeln. Außerdem soll auf die Gefährdung vieler Spinnenarten hingewiesen und damit letztlich ein Beitrag zum Artenschutz geleistet werden.