Immer mehr Schweinswale in der Elbe

Immer mehr Schweinswale schwimmen die viel befahrene Elbe aufwärts bis in den Hamburger Hafen. Nun wollen Biologen der Uni Hamburg und der Gesellschaft zur Rettung der Delphine herausfinden, was die Meeressäuger dazu bringt, zwischen schweren Containerfrachtern und rasenden Motorbooten Fische zu jagen (Foto: Sophia Wenger).
Es liegt bestimmt nicht daran, dass die Schweinswale sich verirren, darin sind sich die Naturwissenschaftler einig. Vielmehr scheint es sich um eine Art Rückeroberung eines Lebensraumes zu handeln. Denn vor rund 100 Jahren war es nichts Besonderes, dass diese Tiere sich in den Flüssen Norddeutschlands aufhielten. Sie wagten sich in der Elbe bis nach Magdeburg hinauf oder in der Weser bis südlich von Bremen. Damals ging man davon aus, dass sie den Fischschwärmen folgten. Wissenschaftlich bewiesen wurde das aber nie.
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts litten die Flüsse immer stärker unter der Umweltverschmutzung, und auf die Schweinswale wurde Jagd gemacht. Die Tiere verschwanden nicht nur aus den Flüssen, sondern auch aus Teilen der Nordsee. Mittlerweile dürfen sie aber nicht mehr gejagt werden, und seit einiger Zeit hat sich die Wasserqualität deutlich verbessert. So kehrten viele Fischarten zurück, und damit lohnt es sich für die Schweinswale, in der Elbe auf Futtersuche zu gehen. Möglicherweise finden sie auch in der Nordsee zu bestimmten Zeiten nicht genügend Beute.
Der Druck ist offenbar groß genug, dass die Schweinswale die Gefahr auf sich nehmen, in der stark befahrenen Elbe von Schiffen angefahren zu werden. Normalerweise meiden sie auch Lärm – in den Flüssen müssen sie jedoch sehr viel Krach aushalten. Erstaunlich ist, dass die als scheu geltenden Tiere ganz nahe an Motorboote heranschwimmen.
Nun soll erforscht werden, wann und wo genau sich Schweinswale in der Elbe aufhalten, wie viele Tiere es sind, was sie machen, welche Fische sie jagen. Bei den Beobachtungen bekommen die Naturwissenschaftler Unterstützung von den Wasser- und Schifffahrtsämtern. Als Hilfsmittel werden Klick-Detektoren eingesetzt: Das sind Kunststoffrohre mit Ultraschall-Mikrofonen, die die Klick-Laute der Meeressäuger übertragen. An den Lauten lässt sich erkennen, ob sie von jagenden oder sich orientierenden Schweinswalen stammen.