Marienkäfer mit Killer-Potenzial

Ganze Schwärme von asiatischen Marienkäfern kann man bei uns in Deutschland seit einigen Jahren vor allem im Herbst beobachten. Dann sammeln sich diese Tiere oft zu Tausenden, um einen Platz zum Überwintern zu suchen. Immer wieder hört man auch, dass diese gelblichen bis fast schwarzen Käfer aus Asien den guten alten roten Marienkäfer mit den schwarzen Punkten, der bei uns heimisch ist, verdrängen würden. Dass da tatsächlich etwas dran ist, haben jetzt Wissenschaftler aus Jena und Gießen herausgefunden.

Seit den 1980er Jahren hat man die asiatischen Käfer, die wegen ihrer verschiedenen Farbvariationen von gelblich über rot bis fast schwarz und wegen der unterschiedlichen Punktezahl auch Harlekin-Käfer genannt werden, in Europa gezielt in Gewächshäusern eingesetzt. Die aggressiven Blattlausfresser sollten dort dem Ungeziefer zu Leibe rücken. Auf diese Art und Weise wollte man den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln vermeiden. Dass sich die Tiere danach auch in freier Natur verbreiten könnten, hat man wohl nicht ausreichend bedacht.

Die Forscher konnten nun nachweisen, dass die asiatischen Marienkäfer ihre europäischen Verwandten sozusagen mit Biowaffen angreifen, um sie zu verdrängen. Die Körperflüssigkeit der Harlekin-Käfer enthält nämlich Mikrosporidien – winzige, pilzähnliche Einzeller -, die Körperzellen ihres Wirts als Parasiten befallen und ihn dadurch schädigen. Die asiatischen Käfer selbst sind resistent gegen die Parasiten, doch wenn sie in den Körper der heimischen Käfer gelangen, können die daran sterben. Zur Infektion mit den Sporen kann es leicht kommen, weil die Käfer Larven und Eier ihrer Konkurrenten fressen.

Nun ist den Wissenschaftlern zwar gelungen nachzuweisen, wie der Verdrängungsprozess zwischen asiatischen und heimischen Marienkäfern abläuft. Aber wie die Eindringlinge erfolgreich bekämpft werden könnten, dafür haben sie auch kein Rezept. Eine flächendeckende Ausrottung der Parasiten halten sie kaum für möglich.