Luchskiller im Bayerischen Wald

So erfreulich die Neuigkeit vom Fledermaus-freundlichen Kloster Plankstetten war, so schrecklich ist eine Nachricht, die jetzt aus dem Nationalpark Bayerischer Wald kommt. Dort hatten Spaziergänger vor kurzem am Silberberg, in der Nähe von Bodenmais, einen toten Luchs entdeckt und das der Polizei gemeldet. Bei der Untersuchung des Kadavers hat sich nun herausgestellt, dass es sich um ein etwa zwei Jahre altes weibliches Tier handelte, das von einem Unbekannten durch einen Schuss in die Brust getötet wurde. Die Untersuchung hat außerdem ergeben, dass die Luchsin mit drei Föten trächtig war.

Damit ist im Nationalpark Bayerischer Wald nun schon zum zweiten Mal ein weiblicher Luchs unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen: Im letzten Jahr war ein Tier namens Tessa mit dem Insektizid Carbofuran vergiftet worden (Foto). Der Tod von Tessa hatte für viel Wirbel gesorgt. Sie war von Mitarbeitern des Nationalparks mit einem Halsband mit GPS und Minisender ausgerüstet worden, um die Streifzüge der Luchsin und ihre Wege durch den Nationalpark verfolgen zu können. Der Nationalpark berichtete regelmäßig über Tessa, die dadurch in der Öffentlichkeit eine gewisse Popularität erreichte. Die Staatsanwaltschaft nahm nach dem Tod von Tessa die Ermittlungen auf, musste sie aber im Herbst ohne Ergebnis einstellen.

Ich befürchte, dass bei den polizeilichen Ermittlungen in Sachen der jetzt erschossenen Luchsin auch nicht mehr herauskommt als bei damals bei Tessa. Ob es sich womöglich um denselben Täter handelt? Der Tod der beiden Tiere ist jedenfalls nicht nur traurig. Er bedeutet auch einen Rückschlag für die Population der Luchse. Denn diese größte heimische Wildkatze gilt in unseren Wäldern als vom Aussterben bedroht. In den 1980er Jahren waren auf tschechischer Seite des Böhmerwaldes 17 Luchse ausgewildert worden. Infolgedessen hatten Luchse sich langsam auch im Bayerischen Wald wieder angesiedelt. Der Nationalpark Bayerischer Wald hat einige Luchse mit Peilsendern ausgestattet, um Daten zu sammeln. Dabei handelte es sich um ein auf vier Jahre angelegtes Projekt, das Ende dieses Monats zu Ende geht. Die Ergebnisse sollen demnächst präsentiert werden. Und da wird ausgerechnet kurz vorher wieder ein Luchs getötet – ein eigenartiger Zufall!