Zikadenplage im Nordosten der USA

Alle 17 Jahre wieder passiert es: Teile der USA werden von einer Zikadenplage heimgesucht. In diesem Jahr sind mehrere Bundesstaaten an der amerikanischen Ostküste betroffen, Gebiete von Connecticut bis North Carolina. Die Zikaden sitzen in Bäumen, auf der Straße oder auf Gehwegen, schwirren um Menschen herum oder setzen sich bei ihnen sogar in die Haare. Manch einer hält sich, um den Insekten zu entgehen, am liebsten gar nicht mehr im Freien auf – oder nur noch dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Was steckt hinter diesem Phänomen? Bei den Tieren handelt es sich um Insekten mit dem wissenschaftlichen Namen Magcicada septendecem. Die Siebzehn steckt also schon im Namen drin, und zwar aus folgenden Grund: Nach 17 Jahren, das sie im Larvenstadium im Boden verbringen, erwachen die Tiere, um sich fortzupflanzen. Wenn sie sich gepaart haben, ritzen die Weibchen kleine Schnitte in die Zweige von Bäumen, um dort ihre Eier abzulegen. Ist die Fortpflanzung erledigt, sterben die Zikaden; es kommt dann zu einem regelrechten Massensterben. Die Tiere treten in unterschiedlichen Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunken auf – in ein und derselben Region aber immer im zeitlichen Abstand von 17 Jahren. Offenbar sagt ihnen ihre innere Uhr, wann sie aktiv werden sollen. Die Brut, die jetzt den Nordosten der USA heimsucht, stammt also aus dem Jahr 1996, und die Plage wird noch bis etwa Mitte Juni anhalten.

Die Zikaden sind im Lauf der vergangenen Wochen aus dem Boden gekrochen, als es draußen langsam warm wurde. Sie sind etwa zweieinhalb Zentimeter groß,  besitzen einen schwarzen Körper, rot leuchtende Augen und bronzefarben schimmernde, durchsichtige Flügel. Sie sind nicht giftig, stechen nicht und richten auch bei Pflanzen an der Oberfläche kaum Schaden an, weil sie sich noch im Boden von Wurzelsäften ernähren. Was die Zikaden so bedrohlich macht, ist einfach die Menge, in der sie auftreten. Experten schätzen, dass sich auf der Fläche eines halben Fußballfeldes bis zu eine Million dieser Tiere tummeln können.

Vor 17 Jahren hatte die Zikadenplage in den jetzt wieder befallenen Gegenden geradezu biblische Ausmaße, erinnern sich die Bewohner. In diesem Jahr ist es weniger schlimm, weil der Frühling lange Zeit sehr kühl war. Diese Zikadenart hat wegen der Unregelmäßigkeit der Abstände von 17 Jahren (17 ist eine Primzahl) den großen Vorteil, dass sie keine Feinde besitzen, die sich beim Fressen auf sie spezialisiert haben. Trotzdem sind sie natürlich alle 17 Jahre ein willkommenes Festmahl für andere Tiere wie Vögel, Fische oder Eichhörnchen, aber auch Haustiere wie Hunde und Katzen. Es gibt sogar Menschen, die die Zikaden verspeisen: als Belag auf einer Pizza oder Quiche oder als Einlage in der Suppe. Rezepte für solche Leckereien kursieren im Internet.