Verbeugung vor einem großen Forscher

Er gilt als einer der bedeutendsten und vor allem streitbarsten Verhaltensforscher unserer Zeit: Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Der einstige Schüler von Konrad Lorenz feiert am heutigen 15. Juni seinen 85. Geburtstag. Ein solches Ereignis kann man natürlich in einem Tierblog wie diesem nicht übergehen.

Nach der Tierwelt hat Eibl-Eibesfeldt auch das Verhalten der Menschen erforscht und im Jahr 1984 die Humanethologie als eigene Disziplin eingeführt. In diesem Zweig der Verhaltensbiologie ging Eibl-Eibesfeldt vor allem der Frage nach, welche menschlichen Verhaltensweisen angeboren und welche kulturell bedingt sind. Dabei hat er manche sehr umstrittene Thesen vertreten. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, dass man Eibl-Eibesfeldt wegen seiner Überzeugung, Fremdenscheu sei dem Menschen angeboren, Fremdenfeindlichkeit vorwarf.

Der Forscherdrang des gebürtigen Wieners, der jetzt am Starnberger See lebt, ist ungebrochen. Derzeit arbeitet er im Humanethologischen Filmarchiv in der Max-Planck-Gesellschaft Material aus Jahrzehnten auf. Als nächstes plant er wieder eine Entdeckungsreise auf den Galapagos-Archipel. Dort will er unbedingt ein weiteres Exemplar der „Testudo Fantastica“ finden – einer Riesenschildkröte, die auf der Insel Fernandina entdeckt wurde. Bisher konnte aber nur ein einziges Tier aufgespürt werden. Die Galapagos-Inseln waren der Dreh- und Angelpunkt im Forscherleben von Eibl-Eibesfeldt, mit seinen zoologischen Studien, die er dort betrieb, wurde er schnell berühmt. So beschrieb er zum Beispiel erstmals eine gut funktionierende Symbiose zwischen zwei dort lebenden Tierarten: Schildkröten, die sich von Grundfinken nach Zecken absuchen lassen. Eibl-Eibesfeldt fand etwa auch heraus, dass Meerechsen zum Tauchen kleine Steine schlucken, sich an Land mit der Zunge orientieren und Wassernebel aus der Nase sprühen.

Bis 1996 lehrte der Wissenschaftler, der sich immer wieder nachdrücklich für ethnische Vielfalt und den Schutz bedrohter Kulturen einsetzte,  an der Uni München. Zum Geburtstag wünscht sich Eibl-Eibesfeldt vor allem eines: Dass sein Fach weiter gepflegt wird, wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Aussichten dafür stehen nicht schlecht: An der Uni Frankfurt plant man einen Lehrstuhl für Humanethologie.