Hoffnungsschimmer für Haie

„Finning“ ist normalerweise ein Thema, von dem ich als Tierfreundin am liebsten gar nichts hören möchte. So abartig finde ich diese Praxis von Fischern, beim Haifischfang den Tieren die höchst begehrten Flossen abzutrennen und dann den oft noch lebenden Hai gleich im Meer zu entsorgen. Diese unmenschliche Tier-Verstümmelung ist zwar schon 2003 durch ein EU-Gesetz verboten worden, aber weil Kontrollen nur schwer möglich sind, wurde immer wieder dagegen verstoßen.

Nun stehen die Aussichten nicht schlecht, dass diesen Tierquälern wirklich das Handwerk gelegt wird. Die EU-Kommission hat nämlich zum Schutz der bedrohten Haibestände verschärfte Regeln beschlossen. Denn Haien droht schnell die Überfischung, weil sie nur langsam wachsen, spät geschlechtsreif werden und nur wenige Jungtiere als Nachwuchs haben. Trotzdem wächst die Nachfrage nach Haifischflossen ständig – besonders in Asien. In China glaubt man zum Beispiel, dass Haifischflossensuppe nicht nur innere Organe und die Lebenskraft stärkt, sondern auch die Potenz erhöht. Weil die Flossen so teuer sind, kommen sie außerdem immer häufiger nur aus Prestigegründen bei festlichen Anlässen auf den Tisch.

Bislang war es so, dass die Fischer Haiflossen auf dem Meer abtrennen durften, sie dann aber mit dem restlichen Fisch an Land bringen mussten. Bei Kontrollen haben Beamte dann versucht, anhand des Gewichtsverhältnisses von Flossen zu Fischkörpern zu berechnen, ob die Fischer verbotenerweise verstümmelte Haie ins Wasser zurückgeworfen hatten. Doch diese Methode ist aufwändig und kann natürlich nur annäherungsweise exakte Ergebnisse bringen.

Um dem grausamen Finning wirklich ein Ende zu machen, haben die EU-Minister daher folgendes beschlossen: Fischer, die unter EU-Flagge auf dem Meer unterwegs sind, dürfen nur noch Haie mit unversehrten Flossen an Land bringen. Sie können dadurch weniger Haie fangen, weil der Platz an Bord begrenzt ist. Diese Regelung gilt für Schiffe unter der Flagge europäischer Staaten, und zwar auf der ganzen Welt; außerdem für alle außereuropäischen Schiffe, die in EU-Gewässern unterwegs sind. Für viele bedrohte Haiarten könnte das wirklich ein Hoffnungsschimmer sein.