Tigerin Katinka und der Drang nach Freiheit

Tigerin Katinka, die seit Mai im Nürnberger Tiergarten lebt, hat am Wochenende einen weiteren Beweis für ihren ganz eigenen Charakter geliefert: Am Samstagmittag haben Zoobesucher Tiergartenmitarbeiter darüber informiert, dass die Sibirische Tigerin in der Freianlage aus dem Wasser springt und versucht, den Rand der Umfassungsmauer zu erreichen. Daraufhin haben Pfleger die Raubkatze ins Raubtierhaus gesperrt. Anschließend wurden Bilder der Überwachungskamera gesichtet, um den Ablauf des Ausbruchversuchs besser nachvollziehen zu können.

Die Pfleger fanden Kratzspuren an der Oberkante der Mauer. Das werteten sie als sicheres Anzeichen dafür, dass die Tigerin mit den Pranken diese Stelle erreicht hatte. Die Untersuchung erbrachte noch mehr: Die Raubkatze hat sich auf einem Rohr abgestützt, das unterhalb der Wasseroberfläche verläuft, um das Wasserbecken im Winter von Eis freizuhalten. Katinka ließ sich nicht dadurch stören, dass dieses Rohr mit Stacheldraht umwickelt ist – sie ist eben ziemlich hart im Nehmen.

In dem Freigehege am Raubtierhaus leben Tiger seit dem Jahr 1939; damals wurde der Tiergarten am Schmausenbuck eröffnet. Die Außenanlage ist seitdem baulich nicht verändert worden, während das Raubtierhaus innen vor ein paar Jahren mit einer hochmodernen Schließanlage und dicken Panzerglasscheiben nachgerüstet wurde. Das Rohr zur Eisfreihaltung hatte man vor rund 20 Jahren installiert. Bisher hat noch kein Tiger im Tiergarten Nürnberg einen Fluchtversuch unternommen. Aber die zweijährige Katinka ist ein ganz besonderes Tier – das haben nicht nur ihre Pfleger längst festgestellt, sondern auch Besucher, die häufig im Tiergarten sind. Die starke Tigerdame wurde nicht direkt im Moskauer Zoo geboren, sondern in einer Außenstelle des Zoos für gefährdete Tierarten, die  für Zoobesucher nicht zugänglich ist. Deshalb war die Raubkatze, als sie nach Nürnberg kam, zunächst sehr scheu. Aber sie ist auch wilder als andere Tiger, die aus Zoos stammen.

Die Tiergartenleitung nimmt die gezielten Fluchtversuche von Katinka sehr ernst. Deshalb soll nun das Rohr entfernt und die Mauer zusätzlich mit Elektrodraht gesichert werden. Katinka muss während dieser Arbeiten im Haus bleiben und darf erst wieder nach draußen, wenn alles fertig ist. Sie kann sich aber wenigstens damit trösten, dass sie bald – vorausichtlich im Oktober – einen männlichen Partner bekommt.

4 Kommentare in “Tigerin Katinka und der Drang nach Freiheit

  1. Warum eigentlich nicht auch mal nen Tiger hier in Deutschland auswildern? Bei Wölfen und Bären wird das ja auch gemacht. Und Killer Schildkröten sind ja auch schon unterwegs. DAS gäbe doch mal ne richtige Gaudi. 😉

  2. Ich finde es an der Stelle nicht richtig, immer von einem Ausbruchsversuch zu sprechen. Viel wahrscheinlicher – weil ich kaum nen Stück daneben stand am Sonnabend – ist, dass sie denjenigen, der sie zu triezen versuchte einen gehörigen Schrecken einjagen wollte…wer das knurren und fauchen einer Wildkatze nicht versteht und nicht lieber auf Abstand geht, macht was meiner Meinung nach verkehrt: Denn ich denke, so hoch wie sie aufgestiegen war, wäre dann auch nicht mehr viel zu überwinden gewesen um ganz herauszukommen…

    Mal ganz davon abgesehen, dass sie selber kaum freiwillig den Raum verlassen wollen wird, den sie so gerade eben als ihr Revier anerkannt hat: Dazu passt auch die Geschichte von Turbo und den Gepardenbaby, dass ausbüxte und deren Verhalten. Oder ganz einfach: Man nehme eine Hauskatze, die das draußen sein nicht gewöhnt ist…sie wird kaum zielsicher dahin stolzieren mit einen gewissen Freiheitsgefühl, sondern total verängstigt auf diese für sie bedrohende Situation reagieren.

    Sei es wie es sei und das ist unbestreitbar: Sicherheit geht vor! Beim nächsten Mal würde Katinka eventuell ernst machen und man hätte einen toten zu beklagen…und darauf will man es dann doch nicht ankommen lassen: Zu Recht!

    LG,

    Stephan Koch

    • @Stephan Koch,
      danke für den interessanten Hinweis. Wenn das mit der Provokation der Tigerin durch einen Besucher so war, würde das natürlich ein anderes Licht auf den Vorfall werfen. Wir als Journalisten hatten für unsere Berichterstattung keinen Augenzeugen, sondern nur eine Pressemitteilung des Presseamtes der Stadt Nürnberg – Augenzeugen melden sich leider meistens nicht bei den Medien. – Ich werde der Sache noch mal nachgehen. Aber es stimmt: Offenbar reichen die Sicherheitsvorkehrungen am Tiger-Freigehege nicht aus – und sei es nur deshalb, weil die Besucher sich nicht so verhalten, wie man es von vernünftigen Leuten erwarten müsste.

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