Besucher an Katinkas Beinahe-"Ausbruch" schuld?

Vor drei Tagen habe ich hier über den Ausbruchsversuch(?)/ Fluchtversuch (?) /Freiheitsdrang (?) von Tigerin Katinka im Tiergarten Nürnberg geschrieben. Der Raubkatze wäre es fast gelungen, vom Wassergraben aus die Mauer des Freigeheges zu erklimmen, nachdem sie sich auf einem unter Wasser verlaufenden Rohr abgestützt hate. – Zu diesem Beitrag hat sich Stephan Koch in einem Kommentar folgendermaßen geäußert:

Ich finde es an der Stelle nicht richtig, immer von einem Ausbruchsversuch zu sprechen. Viel wahrscheinlicher – weil ich kaum nen Stück daneben stand am Sonnabend – ist, dass sie denjenigen, der sie zu triezen versuchte einen gehörigen Schrecken einjagen wollte…

Ich bin für die „Nürnberger Zeitung“ der Sache nachgegangen und habe mich bei Zoochef Dag Encke erkundigt, ob an dieser Beobachtung etwas dran sein könnte. Hier seine Antwort:

Tatsächlich wurde sowohl vom Revierleiter an verschiedenen Tagen als auch von einer Besucherin an besagtem Samstag beobachtet, dass sich Besucher einen Spaß daraus gemacht hatten, die Tigerin zu provozieren, sobald sie ins Wasser ging. In einem Fall schlug ein Besucher mit der flachen Hand an die Innenseite (Tierseite) der Mauer, um sie zu sich zu lotsen und nahm dann eine Plastikflasche. Ziel schien es zu sein, sie gezielt anzulocken, um einen Film und/oder Fotos davon zu machen. Die Plastikflaschen fielen dann ins Wasser, wo sie heute noch schwimmen. Ein Besucher hat seinen Rucksack als Lockmittel benutzt, um die Tigerin direkt an die Mauer zu locken, indem er ihn an der Mauerinnenseite hin- und herschwang. Der Revierleiter bestätigte, dass er schon einen Tag vor dem Vorfall Besucher gebeten hatte, ihr Verhalten einzustellen und auch Kinder, die ohne sichernde Elternhand auf der Mauer saßen, von dort hat entfernen lassen. Insgesamt ist es den Menschen wohl nicht bewusst, welche Gefahren von Großkatzen ausgehen können. Nichts von alledem aber kann entschuldigen, dass die Tigerin  höher hinauslangen konnte,  als wir es je für möglich erachtet hatten. Das besagte Rohr wurde Anfang der 80-er Jahre installiert, und seither war dies der erste kritische Vorfall, der uns bekannt geworden ist. Keine Entschuldigung, aber vielleicht eine Erklärung, warum die Gehegeumwehrung von uns als sicher eingestuft wurde.

Ich möchte es meinen Lesern überlassen, sich einen Reim auf die Geschichte zu machen. Vielleicht sollte man künftig lieber Zoobesucher in Gehege stecken anstelle der Tiere? Wäre vielleicht eine Lösung, oder?

14 Kommentare in “Besucher an Katinkas Beinahe-"Ausbruch" schuld?

    • @Stephan Koch,
      vielen Dank zurück – schließlich hätte ich ohne den Kommentar ja gar nichts von der Sache gewusst!

  1. Danke, dass sie mit Herrn Encke gesprochen haben! Es macht mich so wütend, wenn ich im Tiergarten Besuchern begegne, die nicht einmal ein Minimum an Respekt für die Tiere aufbringen. Gerade während der Sommerferien kann man Szenen, wie die von Herrn Encke beschriebene immer wieder erleben. Mischt man sich ein, wird man im besten Fall beschimpft. Mir tun ganz einfach die Tiere leid.
    Ihr Vorschlag, gewisse Besucher in den Käfig zu sperren ist durchaus reizvoll und überlegenswert …

  2. Vielen vielen Dank für Ihre Recherchen und Ihr Gespräch mit Herrn Dr. Encke. Wir können die gemachten Aussagen nur bestätigen.

  3. Solche Besucher sollte man nicht „bitten“ ihr Verhalten einzustellen, sondern sofort aus dem Zoo werfen und ihnen für immer Hausverbot erteilen!

    • @Jakob Werner, ein Rauswurf dieser Personen wäre auch aus meiner Sicht die einzig richtige Konsequenz.

    • @Jakob Werner, ich stimme ihnen voll und ganz zu. Es kann doch nicht sein dass man die Tiere so quälen darf und dann auch noch ungeschoren davon kommt. Aber wenn der Zoo das macht,hat er finanzielle Einbußen, da somit die Besucheranzahl schrumpft. Deswegen vermute ich bleibt man lieber bei der sinnlosen Bitte so ein Verhalten zu unterlassen.

      • @Sheila S., ein Zoo hat mehr Probleme, wenn ein Tier (nochdazu ein Gefährliches) entkommt, ein Besucher verletzt oder getötet wird oder viele Zootiere durch falsches Futter sterben.

  4. @heidi z, Sie sprechen mir aus dem Herzen, MICH mach das auch wütend, sogar sehr wütend! Mich macht aber auch wütend, wenn man sich höflich an die Verursache/Störenfriede wendet und sie bittet doch die Provokationen oder Fütterungen (Eis mit Waffel für die Makaken) einzustellen, frech angemacht, verlacht oder gar auch schon mal angespuckt wird!!! Mich macht es nicht nur wütend, sondern auch traurig, wenn man sich an die Tierpfleger wendet, diese dann sagen:“Das Problem kennen wir, da können wir nix machen.“

    WIESO können die nix machen? Warum solche resignierende Antwort? Man sollte an JEDEM Gehege jemanden hinstellen um bei derartigen Vorfällen einzugreifen und bestenfalls solchen Leuten, welche die Tiere füttern oder sonstwie provozieren, HAUSVERBOT zu erteilen.

    • @Nina, ich verstehe die Aussagen der Tierpfleger auch nicht. Habe sowas auch schön des öfteren zu hören bekommen, wenn ich solche ähnlichen Fälle „gemeldet“ habe. Der Tiergarten hat eine Hausordnung und ein Hausrecht. Er ist meines Erachtens auch verpflichtet seine Tiere vor übergriffen zu schützen.

  5. Ich bekomme beim Lesen derartiger Vorkommnisse immer mehr das Gefühl, dass nicht das Tier für seinen natürlichen Freiheitsdrang bzw. natürliche Neugierde bestraft und eingesperrt werden sollte, sondern vielmehr diejenigen Menschen, welche in Dummheit nicht zu überbieten sind, vor ihrer eigenen Gefahr, sich selbst, wegzusperren ^^

  6. Gott sei Dank wird hier nur Partei für die Tigerin ergriffen, die sich ihrer Natur nach verhalten hat.
    Es spricht mir aus dem Herzen, den Leuten, die den Tieren im Zoo nicht genügend Respekt und Verständnis für ihre Natur entgegenbringen, Hausverbot zu erteilen.

    • @Monika, „….wird hier Partei für die Tigerin ergriffen…“, genau aus diesem Grund haben wir am Samstag Tierpfleger verständigt.

  7. Ich finde es auch unverantwortlich von den Eltern, bei Kindern so ein Verhalten zu dulden geschweige denn es vorzumachen. Ich habe schon oft in Zoos Kinder, Jugendliche und Erwachsene gesehen, die zum Fotografieren die Absperrungen überschreiten. Da beweisen doch die Menschen, daß sie kein Hirn haben und eigentlich auf der anderen Seite der Zäune stehen sollten. Ich kann mich noch an den Zwischenfall bei den Wölfen im Tiergarten erinnern…

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