Von Menschen und Fledermäusen

Was haben Menschen mit Fledermäusen gemeinsam? – Nein, Blutsauger sind Fledermäuse nicht, bei Menschen dagegen kommen solche Exemplare durchaus vor. Also vielleicht das: Fledermäuse sind Nachtschwärmer, und die gibt es bei Homo sapiens auch. Die Antwort, die ich gern hätte, lautet aber anders: Menschen und Fledermäuse verhalten sich ähnlich bei Meinungsunterschieden in der Gruppe. Das haben Forscher der Uni Greifswald in einer Studie herausgefunden.

Dafür simulierten die deutschen und schweizer Wissenschaftler Konfliktsituationen in wilden Kolonien von Bechsteinfledermäusen: Die Forscher sandten verschiedene Störsignale aus, wenn die Fledermäuse ihr nächstes Tagesquartier aussuchten. Auf diese Weise wurde den Tieren vermittelt, dass bestimmte Fledermauskästen sich für diesen Zweck nur schlecht eignen. Bei leichten Störsignalen konnten sich die Gruppenmitglieder noch einigen, bei starken Störungen entstand unter ihnen ein starker Interessenkonflikt. Den konnten die Tiere nur lösen, indem sich einzelne von der Gruppe trennten. So spaltete sich die Kolonie für einige Tage in unterschiedliche Lager auf. – Kommt mir irgendwie bekannt vor, das Ganze!

Folgenden Schluss ziehen die Wissenschaftler aus ihren Versuchen: Mit der Studie wurde erstmals an Säugetieren im Freiland nachgewiesen, dass das Resultat von Gruppenentscheidungen abhängig ist von der Stärke des Interessenkonflikts zwischen den Tieren. Je stärker der Konflikt, umso weniger sind einzelne Mitglieder der Kolonie zu Kompromissen bereit und trennen sich lieber. – Da wiederum können wir Menschen noch einiges von den Fledermäusen lernen!