Eine Seekuh weniger im Tiergarten

Leider gibt es schon wieder eine traurige Meldung aus dem Nürnberger Tiergarten: Seekuh Luna ist tot, sie starb am vergangenen Freitag, nur gut eine Woche vor ihrem zehnten Geburtstag. Kurz nach dem Tod von Gepardin Kelly ist das ein schwerer Schlag für den Zoo am Schmausenbuck. Nun sind noch drei Seekühe im Manatihaus übrig: Zorro, der künftige Zuchtbulle, Mara und ihr Sohn Herbert.
Luna kam am 5. November 2003 im Zoo Parc de Beauval (Frankreich) zur Welt. Im Juni vergangenen Jahres übersiedelte sie im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) nach Nürnberg. Der Tiergarten ist für die Koordination des EEP für alle Seekühe in Europa zuständig. Nachdem Luna in Beauval 2008 und 2011 Kälber zur Welt gebracht hatte, die nicht überlebensfähig waren, sollte sie es im Tiergarten mit Zorro, einem Bullen aus einer anderen Zuchtlinie, versuchen. Sie verstand sich auch gut mit ihren Mitbewohnern im Manatihaus.

Mitte Oktober fielen Tierpflegern Hautveränderungen bei Luna auf, die sich schnell ausbreiteten. Man entnahm ihr deshalb Hautproben, die aber keinen eindeutigen Befund ergaben. Lunas Zustand verschlechterte sich innerhalb weniger Tage. Schließlich trennte man sie von ihren Artgenossen; im medizinischen Becken des Manatihauses nahmen die Tierärzte weitere Untersuchungen vor und behandelten das Tier mit Antibiotika. Auch Ultraschalluntersuchungen wurden durchgeführt. Sie ergaben, dass Luna nicht trächtig war. Die Blutbefunde zeigten lediglich eine leichte Anämie.
Nun wartet der Tiergarten auf die Ergebnisse der pathologischen Untersuchung, mit denen allerdings frühestens in der nächsten Woche gerechnet wird.

P.S. Ob es sich bei Lunas Krankheit um eine ansteckende gehandelt hat, ist derzeit noch nicht bekannt. Laut Tiergartendirektor Dag Encke gibt es bei Zorro, Mara und Herbert derzeit keine Anzeichen dafür. „Sie sehen putzmunter aus“, hat er mir heute am Telefon gesagt. Erst wenn der Befund aus der Pathologie komme, könne er mehr dazu sagen.

Übrigens hatte der Tiergarten in der Vergangenheit, als die Manatis noch im alten Tropenhaus gehalten wurden, viele Jungtiere, die auch gesund großgezogen wurden. Der alte Zuchtbulle Abari wurde 27 Jahre alt und zeugte immerhin zehn Babys, die weibliche Seekuh Flora brachte 13 Jungtiere zur Welt. In früheren Zeiten lebten die Seekühe auf engstem Raum in einem verhältnismäßig kleinen Becken – und vermehrten sich fast ununterbrochen. Seekuh-Nachwuchs aus Nürnberg wurde an Zoos in ganz Europa abgegeben und hat dort häufig auch wieder für Nachwuchs gesorgt. Wegen dieses Erfolgs hat der Nürnberger Tiergarten die Koordination für das EEP für Manatis übertragen bekommen.

Innerhalb des EEP wurde der älteste Seekuh-Bulle bisher fast 40 Jahre alt, das älteste Weibchen 35 Jahre. Zurzeit ist das älteste noch lebende Männchen 32, die älteste Seekuh 27 Jahre alt.

4 Kommentare in “Eine Seekuh weniger im Tiergarten

  1. Das ist sehr traurig! Jetzt kann man nur hoffen, dass Lunas Todesursache nicht ansteckend ist. Was kann man tun, um die 3 anderen Seekühe zu schützen, bis der pathologische Befund dann endlich da ist?

    • @Rüdiger Hengl,
      es war auch meine Befürchtung, dass Lunas Krankheit ansteckend ist. Es tut mir sehr leid um Luna. Weiß jemand, wie alt Manatis in Gefangenschaft werden können?

      • @heidi z,
        Im EEP ist das derzeit lebende älteste männliche Tier 32 Jahre alt, das älteste Weibchen 27. Der Nürnberger Seekuh-Bulle Abari wurde 27 und zeugte zehn Jungtiere.

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