Schon wieder Australien!

Dass die Australier nicht zimperlich sind, wenn es um das Töten von Tieren geht, haben wir ja erst kürzlich gesehen, beim knallharten Abschießen von Kamelen. Nun ist in Down Under ein Streit darüber entbrannt, ob Haie umgebracht werden sollen – und zwar präventiv. Zu dieser Debatte ist es gekommen, weil sich die Hai-Angriffe in letzter Zeit häufen. Sowohl vor der Ost- als auch vor der Westküste des Kontinents kam in den vergangenen Wochen je ein junger Mann beim Surfen durch Haie ums Leben; einmal war es ein Tigerhai, einmal ein Weißer Hai.

In Australien sind der Weiße Hai und andere bedrohte Haiarten gesetzlich geschützt. Diese Regelung soll nach Meinung verschiedener Politiker und auch Teilen der Bevölkerung aufgehoben werden. Die Gegenseite vertritt die Ansicht, dass die Zahl der menschlichen Todesfälle durch Haie wesentlich geringer sei als die Zahl der Menschen, die ertrinken. Diese Seite macht folgende Rechnung auf: Seit 1962 ist pro Jahr ein Mensch durch einen Haiangriff gestorben, während jedes Jahr 300 Menschen durch Ertrinken ums Leben kommen. Selbst die Angehörigen und Freunde der beiden letzten Hai-Todesopfer sind übrigens nicht dafür, Jagd auf Haie zu machen. Schließlich nimmt man ein gewisses Risiko in Kauf, wenn man in diesen Meeresküsten ins Wasser geht.

Bei der Hatz auf Haie haben sich die menschlichen Jäger übrigens immer wieder nicht gerade rühmlich hervorgetan. Es gibt die Möglichkeit des „catch-and-kill-orders“, also des Befehls zum Fangen und Töten der Tiere, den die Ministerpräsidenten der einzelen australischen Bundesstaaten geben können, wenn es zu einem tödlichen Angriff gekommen ist. Doch diese Regelung ist zeitlich begrenzt – wenn der Hai nicht innerhalb von 24 Stunden gejagt ist, läuft die Frist aus. Und in diesem Zeitraaum kann ein Hai weit, weit weg schwimmen.

Und so reicht die Spannweite der aktuellen Diskussion in Australien von der Forderung nach „Ausmerzung“ von Haien bis zum Ruf nach Schutz bedrohter Arten. Vielleicht sollten die „Aussies“ mal in die USA schauen, wenn sie eine Entscheidungshilfe brauchen. Unsere amerikanischen Freunde haben natürlich auch in dieser Angelegenheit schon Erfahrung gesammelt – und was für eine: Immerhin 4700 Haie haben sie in 17 Jahren vor Hawaii umgebracht. Eine beeindruckende Zahl – nur: Die Zahl der Angriffe hat sich dadurch keinesfalls bedeutend verringert. Australische Wissenschaftler sind auch schon auf den Trichter gekommen, dass die Tötung von einzelnen Haien durchaus nicht zwangsläufig zum Erfolg führen muss. Sie haben außerdem erkannt, dass immer mehr Menschen an den australischen Küsten Wassersport betreiben und die Zahl der Angriffe möglicherweise auch deshalb steigt.

Dass jemand ein Schwimm- oder Surfverbot für Menschen fordert, davon habe ich bisher noch nichts gehört. Das würde ja auch dem Tourismus schaden, und bevor es da Einbrüche gibt, bringt man natürlich lieber Tiere um. Leider.