Von wegen "Wolfserwartungsland"!

Es ist schon ein Trauerspiel. Da gilt eine Tierart – in diesem Fall der Wolf – ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben, und wir haben das Glück, dass sie wiederkehrt. Und was machen wir daraus?  Wir fahren die wertvollen Tiere, über die wir uns freuen müssten, tot. 30 (!) von ihnen sind schon im Verkehr auf deutschen Straßen umgekommen, hat der Naturschutzbund NABU gezählt. Innerhalb nur einer Woche mussten jetzt drei Wölfe dran glauben: Einer wurde auf einer Bundesstraße im nördlichen Sachsen-Anhalt von einem Auto überfahren, einer auf dem Berliner Ring, und ein paar Tage vorher hat man einen in der Lausitz abgeschossen – unerlaubterweise. (Das Thema Wölfe hat ja auch der „Polizeiruf 110“ in der ARD am vergangenen Sonntag aufgegriffen – wie ich finde, ganz gut, auch wenn die gesamte Geschichte jetzt nicht so stringent war.) Dabei hatte es vor kurzem in Bayern noch geheißen, wir seien „Wolfserwartungsland“.

Ich weiß nicht – vielleicht liegt es ja an meinem Namen, dass mich das Schicksal von Wölfen besonders berührt. Aber selbst wenn man die Sache nüchterner betrachtet, muss man sich doch fragen: Wie intolerant und unachtsam sind wir Geschöpfen gegenüber geworden, die nicht in unser Schema vom braven oder süßen Haustier und vom scheuen Wild passen? Mag sein, dass der Wolf gefährlicher werden kann als andere Tiere, die bei uns in freier Wildbahn leben. Aber Jagd auf ihn zu machen, nur weil man argwöhnt, er könnte irgendwo ein Lamm reißen (für das es ja in der Regel eine Entschädigung gäbe)? Haben wir denn jeden Respekt vor einer seltenen Tierart verloren, bei der wir sozusagen noch einmal eine zweite Chance bekommen?

Vonseiten des NABU ist nach den Vorfällen der letzten Tage jedenfalls der Ruf nach einem „nationalen Wolf-Kompetenzzentrum“ laut geworden. Dort sollten deutschlandweit Daten zur Population der Wölfe bei uns erfasst und gesammelt sowie der Schutz der Tiere organisiert werden, fordern die Tierschützer. – Ich reagiere ja sonst auf das Wort „Kompetenz“ eher allergisch. Doch in diesem Fall ist es mir schnurzegal, wie das Ding heißt – Hauptsache, es bringt etwas!

2 Kommentare in “Von wegen "Wolfserwartungsland"!

  1. Es gibt jedoch – jetzt rein bezogen auf den Straßenverkehr – immer die eine Situation, in der man sich fragen muss, ob man ausweicht und am Baum/im Gegenverkehr landet oder ob man lieber draufhält und versucht so weit herunterzubremsen wie möglich.

    Aller Vorsicht zum Trotz und aller Aufmerksamkeit zum Trotz ist es mir bspw. auch schon mal passiert dass plötzlich aus dem Scheinwerferlicht ein Rehkadaver auftaucht auf der rechten Spur…bei Tempo 110 ist keine Zeit mehr zum reagieren und man kann nur noch draufhalten und bremsen…und das Auto ruhig halten, im Sinne aller Fahrer, die grade auf der selben Strecke unterwegs sind.

    Die Wahrscheinlichkeit, das es vielen wilden Tieren – darunter auch Wölfen – genauso dann ergeht und der Fahrer auch keine echte Chance mehr hat, das zu verhindern ist daher meiner Meinung nach nicht von der Hand zu sprechen.

    Anders, und da gebe ich Ihnen Recht, ist es wenn man das Tier ohne (!) triftigen Grund erschießt.

  2. Haben sie schon mitbekommen, was hier in Meißen jetzt abgeht?
    Unfall mit Pferden mit 9 toten Tieren und 2 schwerverletzten Autofahrern. Und laut „Gutachten“ der hiesigen Jäger sollen Wölfe Schuld sein.
    Da der Wolf in Sachsen ins Jagdrecht übernommen wurde, ist der Jägerschaft jedes Mittel Recht die Bejagung zu fordern. Auch wenn man dafür lügen muss.
    Der Unfall geschah selbstverschuldet durch den Pferdebesitzer und das „Gutachten“ ist völlig unseriös.

    http://www.sz-online.de/sachsen/drama-am-pferdehof-2729320.html
    http://www.sz-online.de/sachsen/handeln-sie-sofort-2737978.html?ShowAllComments=true#Comments

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