Warum wir neidisch auf München sind

Neid, Neid, Neid: München hat Eisbärenbays, wir in Nürnberg auch in diesem Jahr wieder nicht. Hier ein Video, das die niedlichen Kleinen mit ihrer Mutter Giovanna im Tierpark Hellabrunn zeigt:  YouTube Preview Image

Im Tiergarten Nürnberg  ist Eisbärin Vera  seit neuestem wieder im Freigehege des Aquaparks zu sehen. Ohne Nachwuchs, aber zusammen mit Felix, demVater ihrer früheren Babys Flocke, Gregor und Aleut. Anfang November hatte sich die Eisbärin in die Felshöhle ihres Geheges zurückgezogen und ihren Pflegern so signalisiert: Ich will meine Ruhe! Sie hat viel Zeit im Stall verbracht, geschlafen und wenig gefressen. Alles Anzeichen dafür, dass sie wieder trächtig ist. Schließlich hatte Eisbärenmann Felix sie im Frühjahr auch gedeckt. Also leitete man Vera in die Wurfhöhle und bereitete ihr ein Lager mit Stroh. Damit sie keinesfalls von außen gestört werden konnte, stopften die Pfleger die Gänge noch mit Stroh aus. Dann betrat kein Mensch mehr die Räume in den Sandsteinfelsen.
Seitdem lieferte die schon bei Veras früheren Würfen installierte Kamera Bilder vom aktuellen Stand in der Höhle; das Material wurde täglich ausgewertet. Doch seit November tat sich – nichts. Eisbärenmütter bringen ihre Jungen in den Wintermonaten zur Welt, bei Vera war das bisher jeweils im Dezember. Erfahrungsgemäß tun sie das immer fast zum gleichen Zeitpunkt. Aber weder im Dezember noch in den ersten Januarwochen rührte sich etwas auf den Aufnahmen: Von Eisbärenbabys weit und breit keine Spur. Stattdessen begann Vera in den letzten Tagen herumzulaufen und interessierte sich wieder für das Futter, das man ihr hinstellte.
Warum es mit dem erhofften Nachwuchs nicht geklappt hat, darüber lässt sich höchstens spekulieren. Hat Vera noch mal eine Babypause gemacht, war die Paarung nicht erfolgreich, hat sie den Embryo irgendwann abgestoßen?
Eisbärinnen können es selbst regeln, ob sich ein befruchtetes Ei einnistet und weiterentwickelt. Da der Embryo zu dem Zeitpunkt, an dem sich die werdenden Mütter eine Wurfhöhle suchen, nicht groß ist, sieht man es den Tieren nicht an, ob sie trächtig sind oder nicht. Die Babys sind auch nach der Geburt winzig. Eine Ultraschall-Untersuchung ist bei Eisbären – im Gegensatz etwa zu Delfinen – nicht möglich. Also tappen Pfleger und Tierärzte so lange im Dunkeln, bis die Babys geboren werden. – Im Tiergarten sind Vera (links) und Felix im Aquapark jetzt wieder beide im Freien zu sehen. Der Schieber zwischen ihren Gehegen ist offen. Wenn sie sich mal nicht vertragen, schließen ihn die Pfleger vorübergehend.

6 Kommentare in “Warum wir neidisch auf München sind

  1. Lebe Frau Wolf,

    da muss ich Ihnen widersprechen! „Wir“ sind nicht neidisch auf Münschen! Denn wird durften von März 2011 bis April 2013 beobachten, wie Supermama Vera die Zwerge Gregor und Aleut zu prächtigen Jungbären erzog, und das war ein einmaliges Erlebnis!

    Und dieses einmalige Erlebnis haben nun die Münchner und wir freuen uns mit ihnen; besonders weil Giovanna auch eine Supermama ist. Und ganz besonders freuen wir uns mit dem Zoo am Meer, wo Valeska ihr Jungtier zärtlich und liebevoll aufzieht!

    Und wir freuen uns, dass Vera und Felix wieder zusammen im Aquapark sind!

    • @heidi z,
      gut – dann bin vielleicht nur ich neidisch. Ich hätte mich wirklich über neue Eisbärenbabys gefreut. Und auch der Tiergarten hätte sie als Attraktion im Frühjahr gut gebrauchen können, das hätte bestimmt einige Besucher mehr gebracht!

  2. Liebe Frau Wolf,
    Nach Professor Montada (Lehrstuhl für Psychologie an er Universität Trier) gibt es zwei Voraussetzungen für NEID: „Konkurrenz und ein geringes Selbstwertgefühl“ !
    Eisbärinnen konkurrieren jedenfalls nicht und Eisbärenbabys werden auch nicht als eine „Attraktion“ geboren.
    Gönnen Sie doch Vera eine Zuchtpause und stellen Sie ihre eigenen Interessen (hier Freude) zurück. Freuen Sie sich einfach zum richtigen Zeitpunkt, wenn die Eisbärin entschieden hat, dass sie weiter züchten möchte.

    • @caren,
      dass Eisbärenbabys – und auch andere Tierbabys – nicht als Attraktion geboren werden, ist mir auch klar. Aber ein Zoo ist nun mal ein Unternehmen, das auch wirtschaftrlich denken muss – ob man das nun gut findet oder nicht. Und da locken Eisbärenbabys einfach mehr Besucher an. Nach dem letzten Rückgang der Besucherzahlen im Nürnberger Tiergarten wäre das wohl ganz gut gewesen.

      • @uwo, Ihre sachliche Argumentation kann ich sehr gut nachvollziehen und dagegen ist ja gar nichts einzuwenden. Insbesondere die Eisbärenhaltung bezahlt ein Zoo nicht gerade aus der Portokasse und ein unternehmerisches Denken seitens der Zoos ist auch völlig in Ordnung (return of investment)
        Nur – da muss man nicht von Neid sprechen, das halte ich nicht für angebracht. Und warum haben Sie denn Neidgefühle gerade dem TP Hellabrunn gegenüber? In Bremerhaven gibt es auch ein Eisbärchen, wie z.B. auch in Toronto und Tallinn (Felix‘ Zwillingsbruder ist da der Vater)!
        Natürlich befriedigt ein kleines weißes Bärchen das Kindchenschema, aber – ich finde es ebenso interessant, wenn nicht gar interessanter, die adulten Tiere zu beobachten. Die Interaktionen sind durchaus bemerkenswert. Vielleicht sollte man da die Besucher mal sensibilisieren; denn aus den weißen Knäueln werden in ein paar Jahren auch erwachsene Tiere.
        Legen Sie doch bitte Ihren NEID ab, der wird diesen edlen Tieren nämlich gar nicht gerecht und halten Sie Ihrem schönen TiGa Nürnberg die Treue. Nürnbergs TiGa ist immer einen Besuch wert – auch ohne Eisbärenbabys (zumal es da auch viele andere niedliche Tierkinder gibt) und als Blogbetreiberin können Sie doch dahingehend einen gewissen Einfluss ausüben.

        • @caren,
          Danke für Ihren Beitrag. – Eine Neid-Debatte sind nicht vorhandene (oder in anderen Zoos doch vorhandene) Eisbärenbabys aber denn doch nicht wert, finde ich 😉

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