Nürnberg liegt am Amazonas!

Zoos bieten immer öfter exklusive Führungen für ganz kleine Gruppen an, um diesen Gästen engen Kontakt mit bestimmten Tieren zu ermöglichen. Solche Angebote werden auch gern verschenkt und sind in der Regel sehr schnell ausgebucht. Auch der Nürnberger Tiergarten macht bei diesem Trend mit und weitet sein Exklusiv-Programm wie die stark nachgefragten „Besuche beim Lieblingstier“ oder die Tiergartenführungen am frühen Morgen und späten Abend  nun noch aus. Unter dem Motto „Begegnungen am Amazonas“ erleben die Teilnehmer im  Manatihaus aus nächster Nähe eine Vielfalt an Wasser- und Landtieren: 80 verschiedene Tierarten, dazu noch 100 Pflanzenarten. Zweieinhalb Stunden dauert diese „Begegnung“, Kostenpunkt: 65 Euro pro Person zuzüglich ermäßigter Tiergarteneintritt (11,50 Euro). Ein nicht ganz billiges Vergnügen also, aber eben etwas Besonderes.

Was kann man da erleben? – Zum Beispiel, von tropischen Blütenfledermäusen umschwirrt zu werden, die man mit Honig anlockt. Oder, nachdem man in eine Wathose geschlüpft ist und selbst im Wasserbecken des Manatihauses steht, wie einem Seekühe und Pacus bis ans Bein schwimmen. Oder wie einem ein Weißgesichtssaki die Mehlwürmer aus der Hand frisst. Oder wie ein Schmetterling schlüpft, seine wunderbar schillernden Flügel langsam entfaltet und dann auf seinem ersten Flug zwischen tropischen Blüten durch die Luft gaukelt. Das alles bei einer angenehmen Temperatur zwischen 28 und 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent – also unter klimatischen Bedingungen, die denen am Amazonas sehr nahekommen.

Informiert werden die Besucher außerdem über Artenschutzprogramme am Amazoans, an denen sich der Tiergarten beteiligt. Seine Schmetterlingspuppen bezieht der Zoo übrigens regelmäßig direkt aus Costa Rica, von Bauern, die sich mit ihren kleinen Schmetterlingsfarmen den Lebensunterhalt sichern können. Die neue Führung, die dann beginnt, wenn das Manatihaus für die Allgemeinheit geschlossen wird, ist auf vier Personen (Mindestalter: 17 Jahre) begrenzt. Für Kinder eignet sich diese Führung, bei der es vor allem auf Ruhe ankommt, nicht. Eine ausgebildete Zoobegleiterin versorgt die Teilnehmer mit spezieller Ausrüstung und Tierfutter und leitet die Gäste an, wie sie sich bei der direkten Begegnung mit den Tieren zu verhalten haben, damit die Bewohner des Manatihauses nicht beeinträchtigt werden.

Informationen über die „Begegnung am Amazonas“ und Anmeldung per E-Mail unter diezoobegleiter@gmx.de oder unter Telefon 0911/5454-854 montags, mittwochs, freitags und samstags von 11 bis 12 Uhr (sonst über Anrufbeantworter).

6 Kommentare in “Nürnberg liegt am Amazonas!

  1. Einige aufschlussreiche Informationen haben Sie in Ihrem Artikel leider vergessen, die man dagegen im ansonsten inhaltlich weitgehend deckungsgleichen Artikel in den NN erfährt. O-Ton einer Zoobegleiterin: „Seekühe sind eher scheu und konservativ,….sind Neuem gegenüber nicht besonders aufgeschlossen, was sicher daran liegt, dass sich in ihrer natürlichen Umgebung wenig verändert.“ Folgerichtig erfährt man: „Sie (die beiden Zoobegleiterinnen) mussten lange mit dem Manatis üben, um sie an die Situation mit den Gästen zu gewöhnen.“

    Da gewöhnt man also Tieren ihre natürliche Scheu ab, damit gut zahlende Tiergartenbesucher ein paar nette Stunden verbringen können, von der Gefahr der Keimübertragung durch den nahen Mensch-Tier-Kontakt ganz zu schweigen. Eine wirklich beindruckend tierschutzgerechte Art, Menschen Natur und Tierwelt näher zu bringen!

    • @Cornelia Schamicke,
      diese „aufschlussreeiche Information“ habe ich nicht „vergessen“. Wir Journalisten waren bei diesem Pressetermin im Manatihaus an verschiedenen Stationen verteilt, so dass nicht jeder alles identisch mitbekommen hat. Die grundsätzlichen Infos haben natürlich alle – auch in schriftlicher Form – erhalten, wie es bei jeder Presskonferenz der Fall ist. Deswegen ist es kein Wunder, dass die Artikel ähnlich sind – schlimm wäre es, wenn es nicht so wäre, denn dann hätte ein Journalist über den Pressetermin nicht korrekt berichtet.

      • @uwo, dass die Artikel ähnlich sind, habe ich nicht kritisiert und ich glaube, dass Sie das auch verstanden haben. Seltsam, dass man Ihnen eine so grundsätzliche Information vorenthalten hat. Aber auch ohne dieses Wissen könnte man sich als eingeladene Journalistin doch fragen, ob eine derartige Veranstaltung den Tieren und ob ein „Relax-Event“ (Ihre Worte bei Nordbayern online) dem Bildungsauftrag eines Zoos gerecht wird.
        Ich stimme Herrn Thielen voll und ganz zu: Hier werden erneut ausgetretene Pfade beschritten und unter dem Druck klammer Kassen einer Event-Kultur gefrönt, die nicht geeignet ist, ein Bewusstsein für Umwelt und Tiere zu schaffen. Die fachliche Kompetenz für andere und bessere Konzepte ist doch vorhanden, nur fehlt es offensichtlich an Mut und Weitblick.

  2. Der Zoo, so wie er heute ist, ist ein Auslaufmodell, was man an den allgemein rückgängigen Besucherzahlen sieht. Ich finde, das ist grundsätzlich auch gerecht so. Verständlich dass man da nach Möglichkeiten sucht, den Zoo attraktiver zu machen. Leider fällt den Verantwortlichen aber nix besseres ein als einen Streichelzoo der gehobenen Klasse mit ausgefallenen Tieren zu organisieren. Da hat man seine Hausaufgaben mal wieder nicht gemacht. Schade eigentlich. Wenn man den Mut hätte mal wirklich neue Wege zu gehen, könnte man einiges erreichen – vor allem für Tiere und Umwelt!

  3. In der Tat, was der Tiergarten in letzter Zeit an Event-Angeboten für teures Geld und abnehmenden Tierwohl so anbietet, ist schlicht und einfach beschämend, denn das ganze wirkt immer mehr wie ein Gemischt- bzw. Ramschladen! Von wegen Bildungsauftrag, Artenschutz etc.!

    Fehlt nur noch, dass die Besucher für 100 Euro mal locker ein Tänzchen mit einem ihrer Lieblingstiere vollführen dürfen. Zoos in der heutigen Form – Nbg. allen voran, ist alles andere als zeitgemäß!

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