Bärengalle ist out – und die Bären?

Auf den ersten Blick klingt diese Meldung ja ganz gut: Die Bären-Zucht in Südkorea steht vor dem Aus, weil die Nachfrage nach Bärengalle – seit Jahrtausenden ein wichtiger Bestandteil für Heilmittel in der asiatischen Medizin – sinkt. Da denkt man als Tierfreund doch: Prima, dann ist auch Schluss mit der tierquälerischen Haltung dieser Tiere in viel zu engen Käfigen!

Doch weit gefehlt. Kritische Beobachter befürchten nämlich, dass sich für die Bären (asiatische Schwarzbären, auf dem Foto ist ein Tier in Freiheit zu sehen) kaum etwas verbessern wird. Und das, obwohl die südkoreanische Regierung einen Haufen Geld für Anti-Zucht-Kampagnen ausgeben will, um die Bärengallen-Industrie zu beenden. Sie reagiert damit auf die internationalen Proteste gegen die grausame Bärenhaltung. Den Züchtern wurden 900 Euro pro Bär in Aussicht gestellt, wenn sie ihre Tiere sterilisieren lassen, 1000 Euro, wenn sie sie schlachten.

Seit einiger Zeit glauben die Kunden nicht mehr so recht an die Wirksamkeit der Bärengalle, die zum Beispiel bei Abszessen, Hämorrhoiden und Epilepsie helfen soll. Obendrein wird die Bärengalle seit einigen Jahren anderswo, etwa in China oder Vietnam, preisgünstiger angeboten. Deshalb haben die südkoreanischen Bärenfarmer Probleme, sie noch loszukriegen. Wenn sie aber nicht mehr viel einnehmen, können sie das Futter für ihre Tiere nicht bezahlen oder müssen sich verschulden. Aus diesem Grund hat sich die Regierung bereiterklärt, das Futter für die Bären mit rund 270 Euro pro Jahr subventionieren. Das reicht den Tierhaltern allerdings nicht – sie kündigen bereits öffentlichkeitswirksame Proteste vor dem Regierungsgebäude an: mit Bären, die in Käfigen auf engstem Raum zusammengepfercht sind und deshalb womöglich aufeinander losgehen. – Hoffentlich kommt es nicht so weit!