Wolf unter Verdacht

Wenn man Wolf heißt, ist man wohl bei jeder Meldung alarmiert, die man über diese Tierart aufschnappt. So geht es mir zumindest, und so ist es auch wieder bei diesem Vorfall: Im Inntal, südlich von Rosenheim, wurde eine Hirschkuh gerissen – und ein Wolf steht unter Verdacht, dafür verantwortlich zu sein. Der Nachweis dafür wurde bisher noch nicht erbracht, die DNA-Analyse soll erst in etwa zwei Wochen vorliegen. Am Kadaver deutet einiges darauf hin, dass es ein Wolf war; die Behörden können derzeit aber auch nicht ausschließen, dass ein streunender Hund der Bösewicht war. Die Hirschkuh war tot auf einer Wiese am Waldrand gefunden worden.

Die Bauern im Inntal fürchten, dass ein Wolf aus den Südwestalpen eingewandert ist und ihr Vieh bedroht. Ich halte das Ganze allerdings für Panikmache – denn selbst wenn sich wirklich ein Wolf länger in dem Gebiet aufhalten sollte, was wäre daran so schlimm? Ein einzelner Wolf ist kein Monster, und auch sein Appetit ist begrenzt. Und wenn er ein Tier reißt, dann greift das Wildtiermanagement, das für Verluste finanziell aufkommt, wenn Tierhalter trotz Vorsorgemaßnahmen (wie z.B. Elektrozäunen) Verluste erleiden. Dieses Managment tritt bei allen sogenannten großen Beutegreifern in Kraft; dazu zählen Bären, Wölfe und Luchse. Elektrozäune können die Bauern außerdem kostenlos ausleihen.

Es gibt einen Entschädigungsfonds, der hauptsächlich vom Freistaat Bayern finanziert wird. Darin sind die jeweiligen Summen für Nutztierverluste genau festgelegt, für ein getötetes Pferd etwa gibt es höchstens 5000 Euro. Die Behörden finanzieren auch Pilotprojekte wie die Anschaffung von Herdenschutzhunden. Für Almen bestehen eigene Schutzmöglichkeiten, beispielsweise die Behirtung, oder die Herden werden nachts eingepfercht. Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern beschäftigt eine eigene Wolfsbeauftragte, bei der sich die Bauern Informationen zum Wildtiermanagement holen können und die sie auch beim Kontakt mit den Behörden unterstützt.

Kein Grund zur Panik also. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder zu solchen Aufgeregtheiten kommt wie vor drei Jahren, als ein Wolf durch das Mangfallgebirge streunte. Dieses Tier hatte einiges Rotwild, ein paar Rehe und Schafe gerissen, bevor plötzlich Schluss damit war. Ob der Wolf an der Staupe verendete oder einem Wilderer zum Opfer fiel, konnte nicht geglärt werden. Auf jeden Fall fallen Wölfe in Bayern unter den strengen Artenschutz – das ist hoffentlich auch den Bauern und Almwirten im Inntal klar!