Löwentötung im Kreuzfeuer der Kritik

Der Zoo von Kopenhagen kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. Nachdem dort im Februar eine Giraffe namens Marius geschlachtet und vor den Augen von Besuchern an Löwen verfüttert worden war, woraufhin ein weltweiter Aufschrei im Internet folgte, ging es jetzt den Löwen selbst an den Kragen: Zwei erwachsene Löwen und deren Junge wurden eingeschläfert, um Platz für ein neues Zuchttier zu schaffen und Inzucht zu verhindern. Im Internet gab es auf der Homepage des Zoos einen Shitstorm, rund 100 000 Menschen haben eine Online-Petition unterzeichnet, und auch sonst reißen die Proteste nicht ab. Mittlerweile kritisieren auch deutsche Zoodirektoren das Vorgehen ihrer dänischen Kollegen.

Sie sind der Ansicht, dass man sich vor dem Züchten von Jungtieren genau überlegen müsse, wie bzw. wo der Nachwuchs später einmal untergebracht werden kann. Mit einer vorausschauenden Planung hätte man das Töten der Löwen vermeiden können, meint etwa der Frankfurter Zoochef Niekisch. Für Raubtiernachwuchs aus dem Frankfurter Zoo habe man bisher immer einen Platz in einem anderen Zoo gefunden. In der Stuttgarter Wilhelma teilt man diese Ansicht und betont, dass aus Gründen drohender Inzucht keine Tiere getötet werden dürften. Statt dessen solle man auf bestehende Verhütungsmethoden zurückgreifen.

Die Zooleitung in Kopenhagen dagegen wünscht sich eine sachliche Debatte über die Angelegenheit. Generell lehnt man dort die Verniedlichung der Natur ab – ebenso wie die Empfängnisverhütung bei Löwen. Letztere auch, weil deren Folgen nicht genügend bekannt seien. Da ist allerdings wirklich etwas dran: Im Nürnberger Tiergarten hat man die Erfahrung gemacht, dass „die Pille“ bei den Löwinnen zu Krebserkrankungen führen kann.