Das Kreuz mit dem Kreuz

Ich habe ja hier schon über die Feierlichkeiten anlässlich des bevorstehenden Osterfests in Bolsena geschrieben. Überall in der kleinen Stadt sind in der vergangenen Woche die Vorbereitungen zu spüren gewesen. Dabei geht es nicht um Ostereier, die hier praktisch keine Rolle spielen, und auch Osterhasen sind höchstens mal vereinzelt in der Süßwarenabteilung des Supermarktes zu finden. Nein – Ostern ist hier, zumal in der Nähe von Rom, vor allem ein kirchliches Fest.

Am Gründonnerstag fand bei der Abendmahlsfeier in der Basilika Santa Cristina die traditionelle Fußwaschung statt, und zwar mit den Erstkommunionkindern. Am Karfreitag abend dann war die große Karfreitagsprozession durch den Ort angesagt. Dabei stellen die Einwohner von Bolsena verschiedene Stationen der Passionsgeschichte in lebenden Bildern dar, mit Reitern der römischen Besatzer zu Lebzeiten Jesu und mit allen Figuren aus dem Neuen Testament, die bei der Passion eine wichtige Rolle spielen. Sie ziehen vom unteren Ortsteil hinauf zur Burg bzw. zur Kirche des Heiligen Salavtore. Schaulustige Einheimische, Touristen und Gläubige folgen dem Zug und verharren mucksmäuschenstill vor der Kirche, während drinnen eine Christusfigur abgenommen wird, die man anschließend in der Prozession mit durch den Ort trägt, ebenso wie eine Madonnenfigur. Dabei kommen die Träger zum Teil ziemlich ins Schwitzen, der eine oder andere muss auch abgelöst werden, weil er nicht mehr kann.

Dann zieht die Prozession durch die dunklen kleinen Gassen im Burgviertel, und überall schauen Menschen aus den Fenstern auf das Geschehen herab. Manche haben Kerzen in die Fenster gestellt, alle bekreuzigen sich, wenn „Jesus“ mit dem schweren Kreuz bei ihnen vorbeikommt und dabei manchmal – durchaus echt wirkend – ins Straucheln gerät. Weiter geht es über die Piazza San Giovanni, die Piazza Matteotti (den Hauptplatz von Bolsena) bis zur Basilika Santa Cristina. Vor dem Kirchenbau befindet sich ein großer freier, mit Mauern eingefasster Platz. Eine Seite grenzt direkt an einen Hügel an, auf dem drei Kreuze aufgebaut sind. Dort wird nun die Kreuzigungsszene nachgestellt. Zum „Todeszeitpunkt“ von Jesus erschüttern künstliche Donnerschläge die Umgebung, Blitze zucken über den Himmel, und die Erde bebt tatsächlich ein bisschen – die gewaltige Lautsprecheranlage leistet ganze Arbeit.

Am nächsten Tag in der Bar wird dann genau analysiert, ob die Veranstaltung sich von der im Vorjahr unterschieden hat, ob es die Organisatoren im letzten Jahr womöglich besser gemacht haben oder ob alles war wie immer. – Ich kann das nicht beurteilen, aber ich muss sagen: Es war ein beeindruckendes Spektakel, nicht nur aus touristischer Sicht, sondern weil man auch spürt, wie gläubig die Menschen hier sind und was ihnen Ostern bedeutet. In diesem Sinne: Buona Pasqua (Frohe Ostern)!

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