Faszinierende Jagdmethoden

Es sind fantastische Welten in den Tiefen der Meere, und das Leben dort ist zu großen Teilen noch unerforscht. Nun haben Wissenschaftler um Professor Jens Krause vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin vor der Küste Cancuns in Mexiko das Verhalten des Atlantischen Fächerfischs (Istiophorus albicans), auch Segelfisch genannt, mit Hilfe von Hochgeschwindigkeitskameras untersucht. Diese Fische sind mit Marlinen und Schwertfischen verwandt; sie alle haben eine verlängerte, schwertartige Schnauze und besitzen die Fähigkeit, extrem schnell zu schwimmen. Ein Kennzeichen der Fächerfische ist ihre übergroße Rückenflosse.

Die Forscher vom Leibniz-Institut haben errechnet, dass die Schnauze von Fächerfischen mit einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern auf ihre Beute – meist handelt es sich dabei um Sardinen –  treffen kann. Fächerfische bringen es nämlich auf eine mittlere Beschleunigung von 130 Metern pro Quadratsekunde. Bei einem Auto würde das bedeuten: in viereinhalb Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Während der Jagd reißen die Fächerfische außerdem ihren Kopf mit solcher Wucht hin und her, dass ihre Beute praktisch keine Chance hat.

Die Aufnahmen des Forscherteams zeigen, dass es die Sardinen im Schwarm nicht einmal bemerken, wenn sich ein Fächerfisch von hinten heranpirscht und seine Schnauze zwischen sie schiebt. Sobald der Jäger dann seinen Kopf hin und her schlägt, ist es für die Sardinen zu spät. Wenn sie angreifen, haben die Fächerfische zwei Strategien: Entweder konzentrieren sie sich auf eine Sardine, oder sie quirlen sozusagen das Wasser inmitten eines Schwarms. Dabei verletzten sie so viele Beutetiere wie möglich. Dass die Beute mit der Schnauze aufgespießt wird – was bei der schwertartigen Form aus menschlicher Sicht nahe läge -, haben die Forscher dagegen kein einziges Mal beobachtet. Bei allen Jagdszenen war es so, dass ein einzelner Fächerfisch die Sardinen angriff – auch wenn bis zu 40 Artgenossen den Schwarm belauerten. So vermeiden die Fächerfische offenbar während der rasanten Attacken Verletzungen untereinander.