Alles Gute zum Geburtstag, Tiergarten!

Vor zwei Jahren hat der Nürnberger Tiergarten sein 100-jähriges Bestehen gefeiert – ich habe hier darüber geschrieben. Und nun steht schon das nächste Zoo-Jubiläum an: Vor 75 Jahren musste der Tiergarten vom Luitpoldhain in den Lorenzer Reichswald am Schmausenbuck umziehen, weil die Nationalsozialisten die Fläche am Dutzendteich zum Ausbau ihres gigantischen Reichsparteitagsgeländes brauchten. In einer Rekordzeit von nur zwei Jahren war am Schmausenbuck auf einer mehr als doppelt so großen Fläche – etwa 67 Hektar – ein Landschaftszoo entstanden, der am 5. Mai 1939 feierlich eingeweiht wurde (siehe Foto).

Die Anlage war so geplant worden, dass sich Tierhäuser, Gehege und Wege möglichst harmonisch in den Wald und die Sandsteinbrüche am Schmausenbuck einfügten; die Nürnberger kannten dieses Gelände schon seit alters her als Naherholungegebiet. Der Baustil der Tierhäuser und Ställe lehnte sich an den von ländlichen Bauten in  Franken an, es wurde viel mit Holz gearbeitet, und die tief heruntergezogenen Dächer der Gebäude waren damals alle noch strohgedeckt. Der artenreiche, exotische Tierbestand des Alten Tiergartens im Luitpoldhain wurde übernommen. Denn obwohl die Nazis den Umzug des Zoos erforderlich gemacht hatten, ging ihr Einfluss doch nicht so weit, dass etwa nur heimische Tiere gezeigt wurden, wie es dem nationalsozialistischen Gedankengut entsprochen hätte. – Über die Frage, ob und wie die Anlage des Tiergartens am Schmausenbuck vom Nationalsozialismus beinflusst wurde, hält der Diplombiologe Mathias Orgeldinger am Donnerstag, 8. Mai, um 19.30 Uhr im Naturkundeshaus des Tiergartens einen Vortrag; ein Termin, den ich allen ans Herz legen möchte, die sich für Zoogeschichte interessieren!

Während des Zweiten Weltkriegs wurde nicht nur die Nürnberger Innenstadt Ziel zahlreicher Luftangriffe  – auch die meisten Gebäude und Gehege des Tiergartens wurden zerstört, viele Tiere kamen dabei um. Der Wiederaufbau der Tierhäuser war Ende der 1950er Jahre abgeschlossen.

Heute zählt der Tiergarten Nürnberg mit rund 2500 Tieren aus 270 verschiedenen Arten zu den größten Zoologischen Gärten Europas. Er ist an einer ganzen Reihe von  Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen beteiligt  – beispielsweise vnon Gorillas, Seekühe, Schabrackentapiren, Netzgiraffen oder Sibirischen Tigern, um nur einige zu nennen -, ebenso an einigen Wiederansiedlungsprojekten von Tieren in ihren ursprünglichen Lebensräumen, wie den Przewalski-Pferden oder den Uralkäuzen. Der Tiergarten arbeitet außerdem mit Organisationen zusammen, die für den Schutz bedrohter Tierarten eintreten. So engagiert sich etwa die 1992 im Tiergarten gegründete Gesellschaft Yaqu Pacha für den Schutz wasserlebender Säugetiere Südamerikas und die Erhaltung ihres Lebensraums.

Das Jubiläum feiert der Zoo nicht jetzt, genau 75 Jahre nach dem Tag der Eröffnung am 5. Mai 1939, sondern mit einem großen Sommerfest am 6. Juli. An diesem Tag wird der „Schmausen-Biergarten“ eröffnet, benannt nach Georg Schmausen, der im 17. Jahrhundert ein reicher Rotbierbrauer in Nürnberg war. Von ihm hat auch der Schmausenbuck seinen Namen: Georg Schmausen hatte im Jahr 1670 die Vogelherde im „Sandbühl“ – dem heutigen Schmausenbuck – erworben.

3 Kommentare in “Alles Gute zum Geburtstag, Tiergarten!

  1. Hallo Frau Wolf, erst einmal herzlichen Dank für Ihren interessanten Beitrag! Mit einem nicht unerheblichen Teil davon loben Sie die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme, diverse Wiederansiedlungsprojekte, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen, unter anderem auch Yaqu Pacha, sowie dem Schutz bedrohter Tierarten und deren natürliche Lebensräume durch Zoos und, in diesem speziellen Fall, durch den Nürnberger Tiergarten. In diesem Zusammenhang wäre es einmal interessant zu erfahren, wie viel der Tiergarten Nürnberg von seinen jährlichen Eintrittsgeldern für den Schutz und die Erhaltung der natürlichen Lebensräume bzw. deren tierischen Bewohnern zur Verfügung stellt.
    Und in Verbindung damit eine Gegenüberstellung dieses Betrages mit jenem, welcher jährlich für Werbemaßnahmen ausgegeben wird. Möglicherweise wäre dies ja einmal ein interessantes Thema für einen Ihrer Tiergarten-Blogs. Informationen diesbezüglich sind leider nur sehr spärlich gesät und kaum verfügbar, da die meisten zoologischen Einrichtungen hier ein bisschen mauern, wie man so schön sagt. Insofern bin ich hoffnungsfroh, dass Ihnen als Journalistin, welche dem Tiergarten offensichtlich überaus wohlgesonnen ist, eventuell etwas tiefer gehende Einblicke gewährt werden. Ich glaube, dies wäre ein Thema, welches bestimmt nicht nur mich, sondern auch viele andere sehr interessieren würde, geht es doch um die Effektivität und Effizienz zoologischer Einrichtungen in puncto Arten- und Naturschutz, also zwei der Kernanliegen, welche sich solche Einrichtungen, laut deren eigenen Angaben, verschrieben haben.

    Zum Vergleich ein paar Zahlen, welche mir bekannt sind: Laut Greenpeace (Magazin 4/2013) verwenden nur die Zoos in Münster und Landau ca. 5 bzw. 3 Prozent ihrer Einnahmen für Projekte vor Ort. Leipzig nur 1 %, von den restlichen Zoos (darunter auch Nürnberg) weiß man offenbar nichts und man schätzt ebenfalls ca. 1 % Spendenbereitschaft.

    Über die Werbeetats der einzelnen Zoos ist überhaupt nichts bekannt. Die zoologischen Einrichtungen werden hier aus gutem Grund keine Einsicht gewähren – es wäre ja auch zu peinlich, wenn man mehr für Werbung ausgibt als für den Schutz der Habitate vor Ort.

    Vertiefend hierzu: Stiftung Warentest untersuchte vor gar nicht allzu langer Zeit die Effektivität und Effizienz von verschiedenen Tier- und Umweltschutzorganisationen, wobei nach Auffassung von Stiftung Warentest Wirtschaftlichkeit dann gegeben ist, wenn sie für Verwaltung und Werbung höchstens 35 Prozent der Ausgaben eines Jahres einsetzt. Oder, anders ausgedrückt, von jedem eingenommenen Euro investiert die Organisation also am besten mindestens 65 Cent in Umweltschutzprojekte und 35 Cent in Personal und Infrastruktur. 20 der getesteten Organisationen, darunter beispielsweise Greenpeace, WWF Deutschland und der Deutsche Tierschutzbund hielten sich an diese 35-Prozent-Grenze und wurden somit als empfehlenswert erachtet. Wie man sieht eine Effizienz und Wirtschaftlichkeit, welche von Zoos und Vergnügungsparks bei weitem nicht erreicht wird. Besonders schlimm sieht es diesbezüglich bei SeaWorld aus, welches ja durch seine Orca-Haltung nicht aus den negativen Schlagzeilen herauskommt und schwer unter Beschuss steht. Aber dazu später mehr.

    Insofern sei es mir an dieser Stelle erlaubt zu hinterfragen, inwiefern Zoos und Vergnügungsparks zum Natur- und Artenschutz beitragen, wenn die finanziellen Mittel offenbar derart ineffizient eingesetzt werden und man die Tiere meist nicht mehr auswildern kann, weil Sie zu sehr an den Menschen gewöhnt sind und ihre natürlichen Instinkte verloren haben? Nicht zu vergessen, dass nach der aktuellen Roten Liste der weltweit bedrohten Tiere und Pflanzen, welche die Weltnaturschutzunion (IUCN) am 2. Juli 2013 vorstellte, ungefähr knapp ein Drittel aller 70.294 untersuchten Arten, nämlich 20.934, als gefährdet gelistet sind. Das sind rund 1100 Arten mehr als noch im Juni 2012. Da insgesamt jedoch nur ein Bruchteil der bereits bekannten Spezies bislang bewertet wurde, liegen die tatsächlichen Zahlen wohl weitaus höher. Von den erwähnten 20.934 Arten, welche als gefährdet gelistet sind, sind nur die wenigsten dieser Tier- und Pflanzenarten auch in Zoos heimisch. Darüber hinaus sind von den einigen hundert Tierarten (nach meinem gegenwärtigen Wissensstand 419, ich lasse mich aber gerne korrigieren), welche das EEP, also das Europäische Erhaltungszuchtprogramm, umfasst, wiederum nur ein sehr geringer Teil ( ich glaube es handelt sich um 19, auch hier bitte ich um eine Korrektur, falls meine Zahl nicht stimmt) tatsächlich für die Auswilderung vorgesehen.

    Wäre es da nicht viel sinnvoller und weitaus effektiver, Natur- und Tierschutz direkt vor Ort zu betreiben, indem man beispielsweise die natürlichen Habitate, also die Lebensräume der Tiere schützt? Organisationen wie beispielsweise die Born Free Foundation? oder das Whale and Dolphin Conservation? (hier gibt es beispielsweise eine Delfinpatenschaft ab 5,00 Euro im Monat) leisten diesbezüglich, meiner Ansicht nach, ganz hervorragende Arbeit und die zur Verfügung stehenden Gelder kommen auch in einem weit höheren Maße den Tieren und deren Lebensräumen zugute, da es nicht erforderlich ist, einen Großteil der Gelder für die Aufrechterhaltung der Gefangenschaft, für Neubauten, Personal, Verwaltung, Aktionäre usw. aufzuwenden. Beispiel Lagune in Nürnberg: Hier wurden 31 Millionen Euro ausgegeben, um Tiere in Gefangenschaft zu präsentieren, welche weder zu den bedrohten Arten zählen und auch kaum mehr ausgewildert werden können. Ein weiteres Negativbeispiel ist die bereits von mir erwähnte zoologische Einrichtung SeaWorld, welche lediglich lächerliche 0,0001 Prozent seiner Einkünfte dafür ausgibt, um Tieren in ihren angestammten Lebensräumen zu helfen.

    „In addition, according to its 2011-12 Annual Report, SeaWorld has given only $9 million dollars over the last decade toward conservation efforts. That means for every 100 dollars in revenue they bring in, they donate approximately 1 cent toward saving the animals in the wild whose captive counterparts they are exploiting. That’s .0001 percent of their income going to help animals in the wild. I think that might be the most telling point of all — that, in fact, SeaWorld is really nothing more than a money-making enterprise.“

    Letztendlich tragen Zoos, meiner Meinung nach, nur sehr wenig zum Arterhalt bei und vermitteln darüber hinaus uns Menschen die ethisch/moralisch überaus zweifelhafte Botschaft, dass es akzeptabel sei, Tiere in Gefangenschaft, weit weg von ihrer ursprünglichen Heimat, in einer künstlichen und durch Menschenhand erschaffenen Umgebung zu halten – welche natürlich nur eine ungefähre und räumlich sehr begrenzte Annäherung an die Natur sein kann – und sie dabei der Langeweile, Beengtheit, Einsamkeit, Stress und der Verarmung ihres natürlichen Verhaltens auszusetzen, teilweise, wenn nicht gar völlig gehindert am Wandern, am Fliegen, am Jagen, am Aufbau einer vielschichtigen, komplexen Sozialstruktur, oder gar an einer freiwilligen Suche des Partners.

    Und wie sollen Kinder (und auch Erwachsene) während eines Zoo-Besuches lernen, andere empfindsame Mitlebewesen zu respektieren, wenn das Gefangenhalten in einem artuntypischen Lebensraum und die Erniedrigung von Tieren zum Zwecke der menschlichen Unterhaltung und Zurschaustellung als angeblich lehrreich, schön und richtig vorgelebt wird?
    Meiner bescheidenen Meinung nach ein insgesamt äußerst fragwürdiger Bildungsauftrag, in der das Entreißen von Tieren aus ihren natürlichen Lebensräumen als Arten- und Tierschutz deklariert wird.
    Was mich anbelangt, bin ich jedenfalls der festen Überzeugung, dass vernünftiger, effizienter und ethisch/moralisch einwandfreier Natur- und Tierschutz nur vor Ort stattfinden kann.

    Nun sind meine Ausführungen, verehrte Frau Wolf, in meinem Eifer, ein wenig lang geraten – dafür bitte ich um Entschuldigung. Nichtsdestotrotz würde ich mich sehr freuen, wenn einige der von mir angesprochenen Themen und Problematiken möglicherweise in einem Ihrer nächsten Blogbeiträge einmal aufgegriffen und verarbeitet werden würden, sofern Sie glauben, dass diese von allgemeinem Interesse sein könnten.

    Quelle für das Zitat:

    http://www.seashepherd.org/news-and-media/2013/12/21/a-reply-to-sea-worlds-open-letter-1537

  2. @Hans-Peter Loescher
    Wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben, habe ich ein Sabbatjahr eingelegt und lebe derzeit in Italien, siehe dazu auch:
    http://blog.nz-online.de/tiergarten/2014/03/17/ich-bin-dann-mal-in-bolsena/
    Deshalb kann ich bis zum nächsten Jahr – ich arbeite ab März 2015 wieder für die NZ – diese sehr interessanten Fragen nicht recherchieren. Eines aber kann ich Ihnen auch so beantworten: Der Tiergarten Nürnberg hat keinen eigenen Werbe-Etat. Mit dem Geld, das er von der Stadt bekommt, und mit den Einnahmen, die er durch die Besucher erzielt, muss er wirtschaften. Dazu gehört auch, dass er den Kredit für Delfinlagune und Manatihaus abbezahlt, dazu gehören aber auch alle bauerhaltenden Maßnahmen im Tiergarten und der gesamte Unterhalt der Anlage, die Gehälter für das Personal etc. –
    Zu Ihren spezifischen Fragen kann ich im Augenblick nicht mehr sagen, werde das aber gerne nächstes Jahr nachholen.

  3. @Hans-Peter Loescher

    Selten habe ich einen so gut verpackten Zoogegnerkommentar gelesen. Gut verpackt, aber trotzdem von einem Zoo- und delfinhaltunggegner. Ich wäre erfreut wenn Ihre Mitstreiter ihre Kritiken auch so gut verpacken würden.

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