Nein – daraus wird kein Knoten!

Es ist immer wieder erstaunlich, womit Biologen sich befassen können. Manchmal gehen sie Fragen nach, die einem Normalsterblichen nicht einmal im Traum einfallen würden. Der Laie wundert sich zuerst, doch wenn man dann liest, zu welchen Ergebnissen die Wissenschaftler kommen, ist man fasziniert, auf welche Phänomene sie da wieder gestoßen sind.

So haben sich jetzt israelische Biologen mit dem Thema beschäftigt, warum Kraken sich nicht ständig selbst verknoten und verheddern. Schließlich befinden sich an jedem ihrer acht Arme Hunderte von Saugnäpfen. Normalerweise haften die bei Berührung sofort an jeder Oberfläche fest. Wenn sich ein Oktopus bewegt, streift er ständig seine eigenen Arme – da müsste er sich doch eigentlich an sich selbst festsaugen. Warum das nicht so ist, haben die Wissenschaftler nun erforscht. Das ist auch vor dem Hintergrund interessant, weil man weiß, dass sich die einzelnen Arme dieser Tiere voneinander unabhängig bewegen. Salopp ausgedrückt, weiß der Krake nicht, was jeder einzelne seiner acht Arme gerade tut.

Binyamin Hochner von der Hebrew University in Jerusalem und seine Mitarbeiter haben zur Lösung des Rätsels mit einzelnen, amputierten Armen von Kraken Experimente durchgeführt. Das ist möglich, weil sich die Extremitäten noch eine Stunde, nachdem sie abgetrennt wurden, weiter bewegen und sich an allem festsaugen, was ihnen in den Weg kommt. Bei den Versuchen blieben die Saugnäpfe aber nie an anderen Armen hängen. Nur wenn man den Armen die obere Haut entfernt hatte, taten sie es. Gegenständen, die von den Forschern mit Krakenhaut überzogen worden waren, wichen sie aus. Und sie blieben nur ganz schwach an Oberflächen hängen, die von den Biologen mit einem Extrakt aus den Krakenarmen behandelt worden waren. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Oktopusse in ihrer Haut chemische Stoffe herstellen, die den Haftmechanismus der Saugnäpfe stoppen. Allerdings ist es noch nicht gelungen herauszufinden, um welche Substanz es sich dabei genau handelt. – Aber wir können uns trösten: Mit dieser Frage werden sich diese Wissenschaftler bestimmt als nächstes befassen, und sicher finden sie auch darauf wieder eine erstaunliche Antwort.