Wie viele Tiere verschwinden noch?

2_09O5FPUErst verschwindet ein Schaf aus dem Nürnberger Tiergarten, nun ist eine zehnköpfige Gruppe von Präriehunden (siehe Foto) wie vom Erdboden verschluckt. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn die zur Unterfamilie der Erdhörnchen gehörenden Tiere, die im Freigehege beim alten Nilpferdhaus lebten, zogen sich im vergangenen Herbst in den Winterschlaf zurück und tauchten im Frühling nicht mehr aus ihrem weitverzweigten unterirdischen Höhlensystem auf. Warum, das weiß bisher niemand. Die Zoodirektion steht vor einem Rätsel und kann den Grund nur vermuten: Ursache könnte eine Krankheit ebenso sein wie der Iltis, der den aus Nordamerika stammenden Tieren den Garaus gemacht haben könnte.

Die Untersuchung des Präriehunde-Geheges mit einem kleinen Bagger, der die oberste Erdschicht abtrug, blieb erfolglos. Nun will man noch mit größerer Gerätschaft anrücken, um tiefer zu graben. Die Tunnels der Präriehunde können nämlich bis etwa fünf Meter tief unter der Oberfläche liegen. Damit das Gehege am Flusspferdhaus nicht verwaist bleibt, sind erst einmal Riesen-Kaninchen dort eingezogen.

Nachdem die beiden Meldungen über das verschwundene Schaf „Rosi“ und die untergetauchten Nager eher zufällig an die Öffentlichkeit kamen, stellt sich die Frage, ob die Informationspolitik der Tiergartenleitung geschickt ist. Auf meine Frage dazu meinte der stellvertretende Zoochef Helmut Mägdefrau, man gebe Informationen erst dann nach außen, wenn man geklärt habe, was dahinter steckt. Sonst würde man nur unnötig bei den Medien Spekulationen auslösen und könnte sich vor nachfragenden Journalisten nicht mehr retten. Ich bin da nicht ganz seiner Ansicht. Denn so, wie das jetzt gelaufen ist – erst berichtet die Presse über verschwundene Tiere, dann gibt der Tiergarten eine Stellungnahme dazu ab -, entsteht schnell der Eindruck, als würde man nicht offen mit solchen Vorkommnissen umgehen. Und das ist dann wieder Wasser auf die Mühlen der Zoo-Gegner.

8 Kommentare in “Wie viele Tiere verschwinden noch?

  1. Liebe Frau Wolf,
    bleiben Sie doch bitte einmal sachlich. Ihre „romantische Verklärung“ des Tiergarten Nürnberg ist nur noch lächerlich.

    „Die Zoodirektion steht vor einem Rätsel und kann den Grund nur vermuten: Ursache könnte eine Krankheit ebenso sein wie der Iltis, der den aus Nordamerika stammenden Tieren den Garaus gemacht haben könnte.“
    … und warum leben die wesentlich kleineren Ziesel noch im gesamten Tiergarten. Könnte vielleicht nicht auch austretendes Salzwasser die Ursache für das Sterben der Präriehunde sein?

    Dies schreibt Ihnen
    Heike M. Meyer, übrigens eine „Freundin der Tiere im Tiergarten Nürnberg“ und keine Zoogegnerin.

  2. An Heike Meyer:
    Mit ist neu, dass die Leichen der Präriehunde gefunden wurden. Wissen Sie da mehr? Bis jetzt war ja nur die Rede davon, dass die Tiere spurlos verschwunden wären.
    Und noch etwas in eigener Sache: Als „Freundin der Tiere im Tiergarten Nürnberg“ – wie Sie sich selbst nennen – bitte ich Sie, Ihre Fotolinse auch nur auf die Tiere zu richten und abzudrücken. Nicht auf Besucher. Leider musste ich im Januar nach einem Besuch des Tiergartens ein Foto, welches Sie heimlich (!!!) von mir gemacht hatten, in Facebook entdecken – mit recht hämischen Kommentaren darunter …

  3. Nunja, das Thema Informationspolitik: Man kann es eigentlich nur falsch machen:

    Sagt man nichts oder zu wenig: Ist die Aufregung groß, wenn was rauskommt.
    Ist man dann offen und gibt es raus: Ist die Aufregung dennoch groß und wundert sich, dass man ja noch keinerlei Erkenntnisse gewonnen hat.

    Das liegt vielleicht auch mit der Tatsache zusammen, dass sich viele Medien dann erstmal in „Vermutungen“ und „Es könnte ja sein, dass…“ suhlen. Erinnere dich dran: Als Katinka nach dem Spielzeug der Marke Rucksack schnappen wollte, war der erste Aufmacher erst der, dass es sich ja hier zweifelsohne (!) um einen Ausbruchsversuch gehandelt haben müsste. Dabei spreche ich jetzt noch nicht mal von Dir direkt, Deine Gegendarstellung ließ ja erfreulicherweise nicht lange auf sich warten. Andere Medien jedoch ritten das Thema weiter und von einem einfachen Griff zum Telefon haben die allerwenigsten wohl mal was gehört, sodass man vor allen spekuliert und behauptet: Das geht schnell und umso schneller ist der Artikel dann auch hergeschrieben, veröffentlicht und die ersten Likes und Klicks sowie ggf. Empörung sind auch gesammelt.

    Wenn die Presselandschaft sich an der Stelle wieder auf das konzentrieren würde, was wirklich wichtig ist: Informieren, aber mit Hintergrund und mit einer sauberen Recherche, würde sicher der Tiergarten auch offener werden, auch wenn der Tiergarten durch das Prädikat „Delfinhaltung“ sowieso immer eher im Rampenlicht steht.

    Sei es wie es sei: Ich halte es eher mit Dr. Mägdefrau: Man kann kommunizieren, wenn man sicher etwas weiß, gerade dann, wenn die Erfahrungen mit Pressearbeit überschaubar sind und dann ggf. noch nicht gute sind. Wenn einem das Thema schon früher interessiert stehen in der Regel Tiergarten Mitarbeiter dafür Rede und Antwort: Dass die Präriehunde verschwunden sind und das man sich nicht im klaren ist, wo das eigentlich herkommt: Das konnte man als interessierter und nicht auf Krawall gebürsteter Besucher schon seit März herausfinden, wenn man die Leute einfach mal fragt.

    In diesem Sinne!

    LG,

    Stephan

  4. Als ich anfang Mai den Tiergarten besuchte, konnte ich auch die Praerihunde bewundern- von „monate lang verschwunden“ kann ja wohl nicht die Rede sein. Sachliche Berichterstattung „ohne das forcieren von Emotionen“ scheint mir das gebot der Stunde. Die Tierpfleger machen ihre Arbeit auf jeden Fall sehr gut.

  5. @Ruesselschmerle
    Es kann nicht sein, dass Sie im Mai noch Präriehunde im Tiergarten gesehen haben. Die Zooleitung hat schon am 10. April einen Brief an die Tierpaten von Präriehunden verschickt, in dem sie über das Verschwinden und den wahrscheinlichen Tod der Präriehunde informiert. Dieser Brief liegt mir seit gestern vor. – Ich kritisiere auch in keinster Weise die Arbeit der Tierpfleger. Die hat mit dem Verschwinden bzw. Tod der Präriehunde doch überhaupt nichts zu tun.

  6. @Heike M. Meyer
    Wo bitte verkläre ich den Tiergarten in romantischer Art und Weise? Wenn ich über das Verschwinden oder den Tod von Präriehunden berichte? Der Zusammenhang leuchtet mir nicht ein. – Ihr Argument mit dem Salzwasser ist reine Vermutung bzw. Spekulation, passt aber natürlich gut in Ihre gesamte „tierfreundliche“ Einstellung, die Sie dem Tiergarten gegenüber haben.

  7. @Stephan
    Mit dem Problem der Informationspolitik des Tiergartens und der bedenklichen Entwicklung der Medien durch das Internet befasse ich mich in der heutigen (Donnerstags-)Ausgabe der „NZ“ in einem Kommentar. Dieser Hinweis nur, falls es Dich interessiert.

  8. Liebe Frau Wolf,
    eigentlich tendierte ich heute morgen dazu, Herrn Mägdefrau Recht zu geben. Allerdings stach mir jetzt beim Einkaufen eine Informationstafel der Bildzeitung ins Auge: Wieviel Tiere verschwinden noch? Da die genannte Zeitung ja durchaus an der Meinungsbildung in der Republik beteiligt ist, halte ich das Verhalten der Tiergartenleitung in Bezug auf Rosi und die Erdhörnchen nicht sehr glücklich.Obwohl man ehrlicherweise zugeben muss, dass in den letzten Monaten der Tiergarten durchaus Transparenz an den Tag gelegt hat, die manch andere Zoss vermissen lassen.

    Ich bin, im Gegensatz zu Heike M. eine „Freundin des Tiergartens Nürnberg und eine Tierfreundin sowieso“. Ich liebe nämlich Tiere ganz allgemein, nicht nur die im Tiergarten.
    Und Danke, dass sie die Spekulation mit dem Salzwasser dahin verwiesen haben, wo sie hingehört: ins Reich der Fabel nämlich. Und solche Spekulationen werden in die Welt gesetzt von Leuten, die vielleicht die Tiere im Tiergarten mögen – aber nicht den Tiergarten ganz allgeimein.

    Ich liebe meinen Heimattiergarten, aber ich bin mir durchaus bewusst, dass nicht alles perfekt ist und einiges verbesserungswürdig wäre. DAs ist so wie mit dem Glubb: „Ich bereue diese Liebe nicht“
    Freundliche Grüße

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