Wozu braucht Knuts Mutter eine Ethik-Kommission?

ARCHIV - Der kondensierende Atem der Eisbärin Tosca ist am 29.01.2011 im Zoologischen Garten in Berlin bei strahlendem Sonnenschein zu sehen. Foto: Kay Nietfeld/dpa (zu dpa "Mutter von Eisbär Knut soll eingeschläfert werden" vom 23.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++Tosca (siehe Foto), die Mutter des berühmten Eisbären Knut, ist eingeschläfert worden. Für diese Entscheidung wurde zum ersten Mal im Berliner Zoo eine Ethik-Kommission einberufen, bestehend aus Tierärzten, Tierschutzbeauftragten, Kuratoren und Pflegern. Diese Kommission hatte die Entscheidung, die fast 30 Jahre alte Eisbärin einzuschläfern, in den letzten Tagen getroffen. Tosca war mittlerweile blind, taub und hatte keinen Geruchssinn mehr. So konnte sie nicht einmal mehr selbstständig ihr Futter finden. Deshalb wollte man der Eisbären-Seniorin unnötiges Leid ersparen.

Eine Entscheidung, die in einem Zoo eigentlich zum Alltag gehört. Gut, Eisbären sind besondere – auch umstrittene – Zootiere, aber das mit der Ethik-Kommission halte ich doch für reichlich übertrieben. Warum muss man das so hoch hängen? Ist doch klar, dass Tierärzte, Pfleger und Direktion in so einem Fall gemeinsam beraten, was das Beste für das Tier ist – und entsprechend handelt man dann.

Der Medien-Hype um Toscas Sohn Knut mag die Zooleitung dazu bewogen haben, mit der Ethik-Kommission an die Medien zu gehen. Auch die Kritik am früheren Zoodirektor, der mit seinen oft herzlos wirkenden Statements über seine Zootiere und über Zoos im Allgemeinen ein schlechtes Bild abgab. Aber eine Ethik-Kommission für Tiere ist in meinen Augen zu viel der Ehre. Und ich bin wirklich eine große Tierfreundin!

Tosca soll nun in das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gebracht werden, wo Pathologen den Grund ihrer Krankheit untersuchen sollen.  Da frage ich mich auch: Was soll schon der Grund gewesen sein – Tosca war einfach altersschwach! In freier Wildbahn werden Eisbärenweibchen 25 bis 30 Jahre, also hatte sie ein stolzes Alter erreicht. Tosca wurde 1986 in Kanada geboren, gehörte später zum Staatszirkus der DDR und kam 1998 in den Berliner Zoo. Dort lebt jetzt nur noch eine Eisbärin, ebenfalls eine „alte Dame“: die 30-jährige Katjuscha. Da Eisbären Einzelgänger sind, kann sie ihren Lebensabend gut allein im Zoo verbringen – vielleicht sogar besser, als wenn es manchmal zu Streit zwischen den Tieren kommt. Das war in der Vergangenheit manchmal der Fall gewesen.

Knut ist seit vergangenem Jahr übrigens auch wieder in Berlin: Im Naturkundemuseum in der Invalidenstraße kann man ihn als Präparat bewundern.

5 Kommentare in “Wozu braucht Knuts Mutter eine Ethik-Kommission?

  1. Wie sicher weißt Du eigentlich um die Mitglieder der sog. Kommission? Denn eigentlich ist der Umfang schon fast Zooalltag, wobei ich meine, dass sonst die Empfehlung vom gerade verfügbaren Veterinär der Marke „Lass uns ihr einen Gefallen tun und die Dosis erhöhen!“ gereicht hat, damit man (Revierleiter, afair) dann entscheiden konnte, ob es in diesem Augenblick grad sinnvoll sei, dann das Tier zu erlösen.

    Tatsächlich finde ich jedoch den Begriff einer Ethikkommission wirklich übertrieben. Jedoch die Untersuchung, ob es nun wirklich Altersschwäche war, woran sie starb finde ich überaus sinnvoll: Kann ja auch eine lange Krankheit dann gewesen sein, sodass man dann an der Stelle auch wieder die Haltung optimieren könnte…und so. Neue Erkenntnisse, wenn denn verfügbar, sind da sicher Gold wert.

    Nichts destotrotz: 30 Jahre! Ein strammes Alter…nun hat sie ihren Frieden und ist wieder mit ihrem Sohn vereint: Sie möge daher in Frieden ruhen.

  2. Ich kenne nicht die Namen der Kommissionsmitglieder. Aber die Zusammensetzung, und die ist so, wie in meinem Beitrag beschrieben.

  3. Heute wird so ein „Ankertier“ in der Regel doch nur noch eingeschläfert wenn sich die Zuständigen darüber ausgetauscht haben. Dabei sind dann Pfleger, Kuratoren und Tierärzte, evtl. fachliche Unterstützung von Externen. Das ist auch in Berlin schon häufiger geschehen. Bestimmt auch in Nürnberg

    Das ist nicht neu. Neu ist doch nur der Name dieser Zusammenkunft und die mediale Verbreitung.

  4. @Brummbär
    Genau das meine ich ja. Was soll dieses Gerede von „Ethik-Kommission“? Nur weil es sich für die Medien gut anhört?

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