Wie macht der Siebenschläfer das bloß?

SiebenschlaeferOh je! Schon mal aus dem Fenster geschaut heute? Und? Genau! Das ist mal wieder so überhaupt nicht das, was man sich vorsstellt, wenn man an einen Sommertag Ende Juni denkt. Was erschwerend hinzukommt: Heute ist der 27. Juni, also der Siebenschläfertag. Nach einer alten Bauernregel soll das Wetter an diesem Tag richtungweisend für die nächsten Wochen sein: „Regnet es am Siebenschläfer-Tag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag.“ Und nun ist wettermäßig – zumindest bei uns hier in Mittelfranken – das Schlimmste eingetroffen: „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.“

Dabei ist der Siebenschläfer so ein nett ausehendes, mit seinen großen Knopfaugen richtig süßes Tier, oder? Auf dem Foto macht er auf mich jedenfalls einen richtig sympathischen Eindruck, der kleine, gerade mal 100 Gramm schwere Wicht. Doch Bauernregel hin oder her: Den drolligen Zeitgenossen interessiert das Wetter eigentlich überhaupt nicht. Und er taugt auch nicht als Wetterprophet. Wie sein Name schon sagt, hat er eine Lieblingsbeschäftigung: schlafen. Von allen bei uns vorkommenden Wildtieren ist es das verschlafenste. Erst vor wenigen Wochen ist er aus dem Winterschlaf erwacht. Und seitdem denkt er nur an das Eine: Sex! Naja, das ist jetzt vielleicht eher die menschliche Sichtweise. Sagen wir es biologisch korrekt: Er muss jetzt unbedingt für Nachwuchs sorgen. Und da er ja die meiste Zeit seines Lebens verschläft, muss er sich nun ziemlich ranhalten. Ranhalten heißt bei ihm auch, für ausreichend Nahrung zu sorgen, damit die Jungen, wenn sie erst mal das Licht der Welt erblickt haben, genügend zu fressen haben.

Auch wenn der Siebenschläfer wie gesagt nicht wirklich ein Wetterfrosch ist, hat er doch sozusagen eine hellseherische Fähigkeit: Er weiß schon kurz nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf, ob dieses Jahr ein gutes Bucheckern-Jahr wird oder nicht. Denn diese Baumfrüchte sind seine Lieblingsspeise. Gibt es seinem Dafürhalten nach im kommenden Herbst viele, zeugt er viele Jungen, wenn nicht, hält sich die Anzahl der Nachkommen in Grenzen: Familienplanung, die durch den Magen geht. Die Weibchen können nach einer Tragezeit von 30 Tagen zwischen einem und zehn Babys zur Welt bringen. Sind die geboren, beginnt das große Fressen, um sich so schnell wie möglich eine Speckschicht für den nächsten langen Schlaf zuzulegen. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Bucheckern, daneben auch Kastanien oder Eicheln.

Woher der Siebenschläfer weiß, wie die Bucheckern-Ernte ausfallen wird, ist wissenschaftlich noch nicht erforscht. Ebenso wenig ist bekannt, warum im Norden weniger von diesen mausähnlichen Tieren vorkommen als im Süden. Sicher ist nur eines: Schon Ende September wird der Siebenschläfer wieder müde. Er macht es sich in Asthöhlen oder Baumnestern gemütlich zurück und schlummert ein. Je tiefer der Schlaf, umso mehr nimmt seine Herzfrequenz ab: von etwa 300 Herzschlägen pro Minute auf nur noch fünf. Gleichzeitig sinkt seine Körpertemperatur auf fünf Grad. Und dann wacht er erst nach sieben bis acht Monaten auf.

So, jetzt kommt noch die klassische Erklärung für die Legende um den Siebenschläfertag (speziell für meinen Chefredakteur). Sie hängt mit den sieben Schläfern von Ephesus zusammen: Die sieben Brüder Johannes, Serapion, Martinianus, Dionysius, Constantinus, Maximus und Malchus sollen im Jahr 251 n. Chr. vor der Christenverfolgung durch Kaiser Decius in eine Höhle bei Ephesus geflohen sein. Dort wurden sie von ihren Verfolgern eingemauert und fielen daraufhin angeblich in einen tiefen Schlaf. Sie wachten erst wieder auf, als etwa 200 Jahre später die Höhle entdeckt wurde.