Schon wieder haltlose Vorwürfe

gorillafbZugegeben: Dieses Foto vom verletzten Fuß der Gorilladame Habibu im Tiergarten Nürnberg sieht schrecklich aus. Es wurde von der Tierrechtsorganisation Great Ape Project im Internet verbreitet, die dem Zoo eine mangelnde medizinische Versorgung des achtjährigen Gorillaweibchens vorwirft. Auf Facebook erschienen dazu die üblichen Kommentare, etwa „Dieser Zoo gehört angezeigt!“. In einem Beitrag wird behauptet, die Tierärzte seien untätig und würden wohl lieber in den Biergarten sitzen, statt etwas zu unternehmen.

Und das ist das, was mich genauso aufregt wie die Verantwortlichen im Tiergarten oder in anderen Zoos: Irgendwelche Behauptungen oder Unwahrheiten lassen sich kinderleicht über das Netz verbreiten. Die Zoos geraten jedesmal in Zugzwang und müssen sich verteidigen. Am Ende bleibt immer der Eindruck, dass wohl schon was dran sein wird an den Vorwürfen.

Dabei könnte man vieles durch einfaches Nachfragen klären. Das hat in diesem Fall eine Kommentatorin auf Facebook auch getan. Sie hat Antwort vom Tiergarten bekommen und diese ebenfalls gepostet. Doch manche interessiert die Antwort gar nicht. Sie werfen dieser Kommentatorin lieber Naivität und was weiß ich noch alles vor.

Ich habe für die „Nürnberger Zeitung“ bei Zootierärztin Katrin Baumgartner nachgefragt, was mit Habibu los ist. Die Veterinärin hat mir erzählt, dass die Fußverletzung schon einige Zeit her ist und ganz gut verheilt war, aber Habibu kratzt sie sich immer wieder auf. Weil das Tier auch immer wieder Magen- und Darmprobleme hat, wurde es vor kurzem für eine umfangreiche Untersuchung, bei der ein Humanmediziner und ein Zahnarzt hinzugezogen wurden, in Narkose gelegt. Es wurde eine Gastroskopie gemacht, außerdem Ultraschall, und Habibu wurde Blut abgenommen. Bisher konnte aber noch keine Ursache für die instabile Gesundheit des Gorillas gefunden werden. Derzeit wird Habibu mit Antibiotika behandelt.

6 Kommentare in “Schon wieder haltlose Vorwürfe

  1. Typische Meldung von Colin Goldner. Foto reicht, Informationen braucht man nicht um so eine Schlagzeile zu fabrizieren.

    Diese Vorgehensweise haben die Miniorganisationen GreatApeProj, ProWal, WDSF und ENDZoo und PETA gemeinsam. Zusammen bringen sie bestimmt keine 20 stimmberechtigte Mitglieder auf die Bühne, machen aber Wind wie die Großen.

  2. Vor allen…man stelle sich das mal vor: WIE sollen die Veterinäre denn da vorgehen? Ne Salbe drauf? Ist nach wenigen Schritten wieder runter…Verband? Ist beinahe nicht möglich bzw. dann nur unter Narkose und wenn dann wird der Verband wieder abgepuhlt…

    Je erfolgreicher der Tiergarten in seinem Wirken wird – und dabei sei es nun egal, ob man nun von Besucherzahlen oder Nachwuchs oder was auch immer – umso selten bescheuert werden ie Anschuldigungen, die ausgesprochen werden. DA hat man jetzt meiner Meinung nach eine neue Spitze erreicht, die absolut unnötig ist…und soviel Zeit und Material verschwendet.

  3. Liebe Frau Wolf,
    danke, dass Sie bei Frau Baumgartner wegen Habibiu nachgefragt haben.
    Ich finde es einfach unmöglich, ohne Rückversicherung bei den zuständigen Stellen solche hanebüchenen Postings in FB zu veröffentlichen.
    Und wenn man z.B. das Geschehen in Wuppertal bei den kranken Gorillas verfolgt hat, dann weiß man, dass ein Genesungsprozess sehr lange dauern kann!.
    Aber losmeckern ist natürlich viel einfacher!

  4. @Brummbär:
    1. Colin Goldner als Leiter der deutschen Sektion des Great Ape Project verfasst keine FB-Meldungen, also hat er auch nicht die Meldung zu HABIBU verfasst.
    2. Das Great Ape Project ist eine international tätige Tierrechtsorganisation, der namhafte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland angehören. Allein die deutsche Sektion verfügt über eine beträchtliche Mitgliederzahl.
    3. Sollten Sie weiterhin falsche Tatsachenbehauptungen über das Great Ape Project und/oder einzelne seiner MitarbeiterInnen verbreiten, werden wir rechtliche Schritte gegen Sie einleiten. Ihre Identität ist schnell geklärt.

  5. Es ist erstaunlich, wie aggressiv auf meinem Kommentar geantwortet wird. Dieses Vorgehen macht mich schlichtweg fassungslos. Es würde mich interessiere welche falschen Tatsachbehauptungen ich aufgestellt habe. Colin Goldner ist der Frontmann vom Great Ape Projekt und in der Öffentlichkeit das einzige bekannte Mitglied.. Warum sollte er keinen Facebookeintrag machen? Es ist richtig das GAP eine internationale Tierrechtsorganisation ist. Ich wage aber zu bezweifeln, das GAP eine beträchtliche Mitgliederzahl hat. Wie viele abstimmungsberechtigte Mitglieder hat denn das GAP, denn darauf kommt es an? Ich meine nicht die zahlenden Fördermitglieder oder die vielen Liker auf Facebook.Ich hätte vielleicht im ersten Kommentar diese Einschränkung machen sollen

  6. Selbst Heike M. Meyer, von der das Bild stammt, schrieb am 15.8.2015 auf Facebook, dass es Habibu von Woche zu Woche besser gehe und bedankt sich sogar beim ganzen Team des Gorillahauses und der tiermedizinischen Abteilung des TG Nürnberg.

    Am 21.8.2015 dann schreibt sie, dass sie im Ermittlungsverfahren (AZ 422 Js 46160/15) als Zeugin gehört werden soll.

    Würde mich echt interessieren, ob als „Zeugin der Anklage“ oder als eine Zeugin, welche die tiermedizinische Abteilung des TG und dessen Gorillahaus lobt.

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