Soll Robby den Zirkus verlassen?

BellyWieder einmal macht ein Zirkustier Furore: Diesmal ist es Schimpanse Robby, der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus. Seit fast 40 Jahren gehört er nun schon zum „Circus Belly“ und ist fast so etwas wie ein Familienmitglied der Truppe. Das soll sich jedoch bald ändern, denn der Amtstierarzt hat dem Zirkus die Genehmigung zur Haltung des Menschenaffen jetzt nicht mehr verlängert. Robby soll in eine Spezialeinrichtung zur Resozialisierung von Schimpansen, damit er künftig unter Artgenossen leben kann. Die jetztige Haltung im Zirkus sei nicht artgerecht.

Robby kam zum Circus Belly, als er drei Jahre alt war und wurde dort fast wie ein Menschenkind behandelt. Kein Wunder, dass der Zirkusdirektor nun auf die Barrikaden geht. Er will es nicht zulassen, dass Robby woanders eingesperrt wird und meint, das sei das sichere Ende des Schimpansen. Er verweist auch darauf, dass vor gar nicht langer Zeit Amtsveterinäre dem Zirkus bescheinigt hätten, dass es Robby gut gehe. Und laut einem Gutachten soll der Affe auch zu alt für eine Resozialisierung sein. Zu dem jetzt ausgesprochenen Verbot ist es nach Ansicht des Zirkusdirektors nur gekommen, weil sich der Tierarzt nicht länger mit den Tierrechtsaktivisten von Peta habe herumärgern wollen, die schon seit langem für die Freilassung von Robby eintreten.

Die niederländische Stiftung „Aap“ hat zugesagt, dass sie Robby zur Sozialisierung aufnehmen will. Dort soll er Schritt für Schritt lernen, in einer Gruppe Schimpansen zu leben. Nach Erfahrung der Einrichtung kann eine solche Wiedereingliederung unterschiedlich lang dauern.

Ich bezweifle eher, dass dieser Weg dazu führt, dass Robby glücklicher wird. Dass Schimpansen mittlerweile nicht mehr als Zirkustiere gehalten und präsentiert werden dürfen, finde ich zwar richtig. Aber in diesem Einzelfall, wo das Tier seit fast vier Jahrzehnten an seine Umgebung und „seine“ Menschen gewöhnt ist und auch schon ein beträchtliches Alter erreicht hat, halte ich es für falsch, es aus seinem vertrauten Leben herauszureißen. Soll Robby doch sein Leben als letzter Zirkusaffe Deutschlands beenden dürfen!

12 Kommentare in “Soll Robby den Zirkus verlassen?

  1. In diesem Fall wurde ich Robby lieber bei seine „Familie“ lassen, denn er kennt keine anderen Artgenossen und nach 40 Jahren wurde auch die vertraute Umgebung und die Menschen vermissen.

  2. Ich bin der gleichen Meinung. Ich hoffe, es findet sich ein vernünftiger Tierarzt, der es Robby erlaubt, bei seiner Menschenfamilie zu bleiben. Es ist doch ein Unding, ein relativ altes Tier in eine völlig andere Umgebung zu verpflanzen!

  3. Schön, dass sich die Zoo und Circus-Befürworter hier wieder einig sind.
    „Robby“ ist ein Schimpanse und kein Mensch, das scheinen die Damen und Herren hier zu vergessen.
    Ein Schimpanse ist viel lieber unter Schimpansen, als unter uns Menschen. Sie wollen keine sinnlosen Kunststücke vorführen. Von „Mutter Natur“ sind Schimpansen keine Weggefährten für uns Menschen.

    Sie alle werden nie verstehen, das Tiere ihre eigene Sprache sprechen und nicht die von uns Menschen.

    Im Circus oder auch zum Teil in Zoos müssen die Tiere nach unserer Pfeife tanzen. Schon mal sich überlegt, wie dieser „Schimpanse“ dazu gebracht wurde, Kunststücke aufzuführen. Nein, meine Damen und Herren? Dann will ich es Ihnen sagen und vor Augen führen. Nicht Liebe brachte den Affen dazu in Kostüme zu steigen oder auf einem Ball zu balancieren – … es war purer Egoismus des Menschen.

  4. @Heike M. Meyer
    Um das mal klarzustellen: Ich bin grundsätzlich nicht dafür, dass Schimpansen im Zirkus auftreten. Aber Robby hat das nun mal 40 Jahre lang gemacht und kennt nichts anderes. Die Frage war doch nicht, ob man für oder gegen Schimpansen in Zirkussen ist, sondern ob man den Affen in diesem Spezialfall nicht lieber in seiner gewohnten Umgebung lassen sollte. Weil er sich – leider! – wohl nicht mehr an Artgenossen gewöhnen kann.

  5. Frau Wolf, ich erzähle ihnen hier nun einmal eine „wahre“ Geschichte. In Afrika hat man einen Schimpansen, der jahrelang unter Menschen lebte wieder in den Wäldern Afrikas ausgesetzt. Jane Goodall war zugegen. Wissen sie, was der Schimpanse gemacht hat? – Er drehte sich um und umarmte Jane Goodall, als wolle er sich bei ihr bedanken für die Möglichkeit, endlich wieder in Freiheit zu sein.
    Klar ist es nicht einfach, aber ich bringe hier mal den Vergleich zu uns Menschen – wenn sie 40 Jahre lang ihre Verwandten nicht gesehen haben, mischt sich auch erst ein gewisser Respekt und Angst vor dem Wiedersehen. Aber letztendlich sind sie froh, wieder ihnen zu begegnen.

  6. Frau Meyer: ……Sie alle werden nie verstehen, das Tiere ihre eigene Sprache sprechen und nicht die von uns Menschen…..

    Heißt das, dass Sie die Affen auch nicht verstehen, oder heißt das, dass Sie die Affen verstehen können? Ich glaube das Zweite, denn offensichtlich wissen Sie was die Affen wollen. Irgendwo müssen Sie das ja her haben.

  7. @Heike M. Meyer
    Wenn die Geschichte tatsächlich so abgelaufen ist, dann interpretieren Sie menschliches Denken und sogar menschliche Gesten (die Umarmung) in ein Tier hinein. Tiere können aber nicht denken wie wir. Da könnte ich ja auch hergehen und sagen: Der Schimpanse hat Jane Goodall umarmt, weil er sie so gerne mochte und bei ihr bleiben wollte. So etwas ist aber komplett unwissenschaftlich.

  8. Da haben sie ausnahmsweise recht Herr Hengl,
    hier kann man nicht diskutieren.

    Vor allem nicht mit Leuten, denen die Tiere hinter Glasscheiben, Gittern & Co. völlig egal sind. Die nur ihr Vergnügen sehen oder sich durch die Tiere bereichern.

  9. Warum fragt ihr nicht mal Experten für die Resozialisierung von Schimpansen aus Pharmalaboren oder aus der Unterhaltungsindustrie (Zirkus/Zoo), bevor ihr hier hin- und herspekuliert, ob ein knapp 40jähriger Schimpanse aus einem Zirkus in einem geschützten Reservat mit anderen Schimpansen zusammengeführt werden kann oder nicht? Beispielsweise die langjährig erfahrenen Fachleute der Stichting AAP in Holland mit Refugium in Spanien, wohin ROBBY gebracht werden soll? Haben Sie, Herr Hengl oder Frau Wolf, irgendwelche primatologischen bzw. primatenresozialisierenden Kenntnisse? Oder ist Ihnen wenigstens ROBBY persönlich bekannt? Oder kennen Sie die Umstände, unter denen er im Circus Belly untergebracht ist bzw. in der Manege auftreten muß? Ich vermute mal: nein, nein und noachmal nein. Aber schlau dahergeredet muß werden…

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