Katzenmusik – oder doch lieber Bach?

KatzenmusikMusikalische Tiere? Gibt es so was? – Ich würde sagen: ja. Allerdings kann ich da nur aus der Erfahrung sprechen, die ich während der Wochen gesammelt habe, in denen ich über Jahre hinweg immer wieder einen Kater betreut habe, während seine Besitzer im Urlaub waren. Pino hieß der mittlerweile leider verstorbene, ganz normale Bauernkater (nicht die – auch sehr sympathische – Katze auf diesem dpa-Foto!), der Musik liebte. Vor allem bei klassischer Musik kam er vom entlegensten Winkel in der Wohnung sofort angerannt, sprang auf „seinen“ Hocker im Wohnzimmer, rollte sich ein – und lauschte. Seine besonders groß geratenen Ohren richteten sich deutlich sichtbar nach den Lautsprechern aus, und man konnte zusehen, wie er die Musik so richtig genoss. Bei den Instrumenten waren es vor allem Violine und Cello, die er liebte, und bei den Komponisten bevorzugte er eindeutig Johann Sebastian Bach.

Insofern lese ich die vor mir liegende Agenturmeldung zumindest mit einem leisen Zweifel: David Teie, Profi-Cellist und Mitglied des National Symphony Orchestra Washington, der außerdem an der Universität von Maryland Musik lehrt, komponiert nun Klänge speziell für Katzenohren. „Hohe Harfenläufe, die an zwitschernde Vögel erinnern, unterlegt mit einer Art computergeneriertem Katzenschnurren als Bass“, heißt es in der Agenturmeldung. Teies Werke heißen zum Beispiel „Rusty’s Ballad“ oder „Cozmo’s Air“, und sie klingen offenbar wie esoterisch angehauchte New Age-Musik auf Harfe, Cello oder Geige. Manchen Katzen sollen sie echte Entspannung bringen.

Das ist jedenfalls bei einer Studie herausgekommen, die im Fachjournal „Applied Animal Behaviour Science“ veröffentlicht wurde: 77 Prozent der Katzen zeigten positiv-erregte oder entspannte Reaktionen auf die Katzenmusik von Teie, aber nur 38 Prozent auf Musik, die wir Menschen als Meisterwerke empfinden, etwa wie Bachs „Air in G-Dur“. Es soll die erste Studie sein, die zeigt, dass Katzen überhaupt auf Musik reagieren. Teie hat mit einem Experten für Tierverhalten extra ein Musikprofil entwickelt, das zum Teil in Frequenzbereiche geht, die Katzen vertraut sind, von Menschen jedoch nicht gehört werden. In seine Katzenmusik hat er aber auch für Menschenohren erträgliche Frequenzen eingebaut.

Als Journalistin bin ich bei der Meldung gleich misstrauisch und denke mir: Da geht es doch bestimmt wieder nur ums Geld. Und tatsächlich: Ganz am Schluss der – langen – Meldung lese ich folgendes: „Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat Teie jetzt binnen gut eines Monats mehr als 240 000 US-Dollar von gut 10 000 Spendern gesammelt, um das Projekt voranzutreiben und sein Studio, bisher improvisiert im heimischen Badezimmer, zu professionalisieren. Was steht an? Die erste Katzenmusik-CD.“

3 Kommentare in “Katzenmusik – oder doch lieber Bach?

  1. Demnächst erfindet noch jemand Yogaübungen für Regenwürmer oder Meditationskurse
    für gestresste Zootiere.

  2. Da kann ich Frau Wolf nur recht geben. Auch ich hatte jahrelang eine „musikalische“ Katze, die sich bei klassischer Musik sichtlich wohl gefühlt hat.
    Wenn die Musik von Herrn Teie wirklich so entspannend auf Katzen wirkt, könnte man sie doch in Tierarztpraxen einsetzen. Erfahrungsgemäß finden Katzen die dortige Atmosphäre alles andere als entspannend. Vielleicht ließe sich das durch die „Sphärenklänge“ von Herrn Teie ändern oder zumindest etwas abmildern. Der Dank vieler gestresster Katzenbesitzer wäre ihm gewiß.

  3. Zunächst erst mal ist Geld verdienen, keine schlechte Sache. Aber es ist nun mal so, das im Bereich der Haustiere, das Geld bei den Menschen lockerer sitzt. Sie für ihren Liebling manchmal mehr ausgeben als für sich selber – was auch nicht schlimm wäre. Diese Tatsache ist auch manchen Leuten bewusst. Daher ist die Vermutung nicht abwegig, das es ein windiges Projekt ist.
    Im übrigen sehe ich aber nicht bei der heutigen Technik das ein Handlungsbedarf besteht.
    Wer eine gut gefüllte CD-Sammlung sein eigen nennt, kann die Lieblingsmusik seines Tieres leicht auf einen MP 3 hochladen und selber eine „Katzen“-Musik Sammlung erstellen und bei Bedarf oder Lust und Laune abspielen.
    Also das Rad wurde wohl nicht neu erfunden 🙂

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