Tiergarten-Bilanz Nummer zwei

CHoffmannFischkatzeTiergarten-Bilanz für 2015, Nummer zwei. Neben der erfreulichen Besucherstatistik war 2015 für den Tiergarten Nürnberg auch sonst ein gutes Jahr: Viele Tierbabys kamen zur Welt, und mit 3431 Tieren aus 286 verschiedenen Arten hatte der Zoo etwas mehr Bewohner als 2014. Erstmals können Besucher seit vergangenem Frühjahr Fischkatzen am Schmausenbuck sehen, ebenso neu sind Steppenmurmeltiere, die aber noch Winterschlaf halten. Fischkater Ratu hat seit Herbst eine Partnerin: Singha kam im November aus dem Katzenpark in Nesles (Frankreich). Beide sind drei Jahre alt, sie eher ein zartes Wesen, er von der Figur her ein Garfield. Noch hatten die beiden keinen direkten Kontakt. Im Tiergarten wartet man ab, bis sie rollig ist. Am Gitter oder durch die Glasscheibe des Gewächshauses in ihrem Gehege haben sie sich aber schon beschnuppert (wie auf diesem Foto, CHoffmann). Das Paar scheint sich wohlzufühlen in dem ehemaligen Brillenbärengehege, das für die Fischkatzen umgestaltet wurde. Von den 66.000 Euro Baukosten kamen 50.000 Euro an Zuschüssen vom Verein der Tiergartenfreunde.

Die Zoobesucher könnrn sich im Jahr 2016 auch auf die neue begehbare Bartgeiervoliere freuen, die um Ostern herum fertig werden soll. Dort haben dann auch die schon erwähnten Steppenmurmeltiere und Alpensteinhühner ihre „Wohnung“. Saniert wird in diesem Jahr die Innenanlage der Totenkopfäffchen. Die beliebten „Pippi-Langstrumpf“-Affen sind bereits in die Quarantänestation umgezogen und deshalb leider nicht zu sehen. Die Besucher müssen auch noch weiter ausharren, bis sie wieder ins Flusspferdhaus dürfen. Das wird umgebaut zu einem Wüstenhaus unter dem Motto „Ur-Amazonas“. Die Arbeiten können heuer beginnen, fertig wird das mit einer Million Euro veranschlagte Projekt jedoch nicht vor dem Sommer 2017. Im Mittelpunkt werden darin Mistkäfer stehen. Diese Insekten werden bis zu fünf Zentimeter groß und können fliegen. Zum Trost für alle, die lieber niedliche Tiere sehen: In dem Haus werden zum Beispiel auch Kurzohr-Rüsselspringer leben.

Noch eine neue, äußerst erfreuliche Nachricht: Panzernashorn-Dame Sofie aus dem britischen Zoo Bewdley, die im September 2015 mit der in Nürnberg geborenen Seto Paitala ausgetauscht wurde, könnte trächtig sein. Der Nürnberger Bulle Ropen deckte sie bereits. Der alte Gentleman hat sie im Sturm erobert.  In England war sie nie brünstig, in Nürnberg ging das sehr schnell. Ob die Paarung erfolgreich war, kann im Moment allerdings noch niemand sagen. Die Tragzeit bei dieser Art dauert 16 Monate.

Der Tiergarten hat im abgelaufenen Jahr auch einiges an Arbeit und Geld in Forschung und Artenschutz gesteckt: Ein Treffen des Konsortiums „Franciscana“ in San Francisco zur Erhaltung des stark bedrohten La Plata-Delfins wurde ebenso unterstützt wie die Geierforschung in Europa und Projekte zur Auswilderung von Uralkäuzen. Als Bildungseinrichtung war der Tiergarten äußerst rührig: Die Zoopädagogen betreuten rund 4600 Kinder, Jugendliche und Lehrer im Rahmen von Führungen, Übernachtungsangeboten und Zeltlagern, die Zoobegleiter fast 10.000 Teilnehmer. Kürzlich hatte schon der Nürnberger Bürgermeister und Tiergartenreferent Christian Vogel gefordert, dass der Tiergarten für seine Bildungsarbeit finanziell mehr Unterstützung verdiene. Diese Forderung wurde nun  von der Zooleitung bekräftigt.

3 Kommentare in “Tiergarten-Bilanz Nummer zwei

  1. Danke für die ausführliche Information!
    Besonders gefreut habe ich mich über die Nachricht, dass „Lady Sofie“ vielleicht trächtig ist. Auf den alten Herrn Ropen ist halt Verlass!
    Jetzt heißt es natürlich Daumen drücken!

  2. Der Fischkatzenkater wird als „Garfield“ bezeichnet.
    Ein Nashorn, dem beim Paarungsakt die Füße eitern und schmerzen als „Gentleman“.
    Was ist mit den Giraffen? Wann bekommen die endlich einen größeren Stall mit Auslauf?
    In die Lagune muss nun noch mehr Geld investiert werden, man spricht von weiteren Millionen. Geld, das beim „aktiven“ Artenschutz dringend von Nöten ist.

    Bildung im Tiergarten Nürnberg ist wichtig und das nicht nur bei Kindern.
    Vor allem bei Erwachsenen, die mit „Kleinen Pandabären“ am liebsten zu Hause kuscheln wollen oder jeden Affen mit Bananen vollstopfen würden.

    Die gering gestiegenen Besucherzahlen sind auch „keine positive Bilanz“ der Bildungseinrichtung Zoo, sondern ganz einfach zu erklären. Die vielen Jungtiere ziehen Besucher an. Viele besuchen den Zoo einfach mehrfach. Wirkliches Interesse besteht kaum oder selten an den Tieren. Der Spaß steht im Vordergrund. Die lieben Kleinen einfach mal beschäftigt wissen. Verwundert reibt man sich die Augen, was für Fotoausrüstungen durch die Zoos gekarrt werden. „Das“ Foto zählt! Unter den Fotografen wird sich über die Einstellungen der Kamera unterhalten. In den sozialen Netzwerken, Zeitungen oder Internetplattformen erhofft sich so mancher Fotograf Anerkennung. Man sucht Erholung vom Alltag oder Gleichgesinnte. In den Hintergrund rücken da eindeutig die Tiere.

    Zootiere sind beliebig austauschbar oder zu ersetzen. Sie begeben sich auf Liebesreisen per LKW oder Flugzeug. Ist ein Tier krank oder leidet unter den Bedingungen im Zoo, so bekommen die meisten Zoobesucher das gar nicht mit. Geschweige denn diejenigen, die ihre Kinder dann sofort weiter zerren oder den fadenscheinigen Erklärungen der Wissenschaftler Folge leisten. Wen interessiert es schon, wenn eine Gorilladame mit 8 Jahren totsterbenskrank ist. Schließlich kann man sich jederzeit wieder Ersatz über das EEP besorgen. Hier sind ganz klar Menschen gefragt, die davor nicht die Augen verschließen und dies auch ansprechen.

    Mit der Phrase „Artgerecht ist nur die Freiheit“ kann ich grundsätzlich nichts anfangen. Genauso wenig mit Tierrechtlern, die sich grundsätzlich der Einrichtung Zoo widersetzen. Damit ist keinem Tier geholfen! – Weder dem in der Natur, noch dem Tieren im Zoo!

    Die Stadt Nürnberg sollte mehr Menschen und Organisationen unterstützen, die sich aktiv dem Tier- oder Naturschutz widmen. Dort werden Gelder dringend gebraucht. Hätte der Tiergarten Nürnberg wirklich eine so große Lobby in der Bevölkerung, dann wäre Werbung in eigener Sache oder das Bittstellen bei der Stadt gar nicht nötig. Delfine, Menschenaffen, Raubtiere & Exoten bedürfen keiner „menschlichen Obhut“. Leider vergessen wir das immer.

    Nur wenn der Mensch seine eigenen Interessen in den Hintergrund rückt, wird sich das Artensterben verhindern lassen. Die „Einrichtung Zoo“ vermag das nicht. Finanzielle Unterstützung verdienen Menschen, die oft „unter Einsatz ihres Lebens“ sich für Tiere „bedingungslos“ einsetzen und sie so leben und sterben lassen, wie es die Natur für sie vorgesehen hat.

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