PETA hat wieder mal zugeschlagen!

Zwei Wochen war ich im Urlaub, beim Langlaufen in Ramsau am Dachstein. Der eine oder andere wird sich schon gewundert haben, warum nicht so häufig wie sonst neue Beiträge in meinem Blog erschienen sind.

Im Urlaub hat mich eine Überschrift der online-Ausgabe unserer Zeitung kurz aufgeschreckt: „Im Tiergarten Nürnberg mussten 60 Tiere getötet werden“. Oh Gott, dachte ich, was ist denn da passiert, gerade jetzt, wo ich nicht da bin? Der folgende Text erwies sich allerdings als wesentlich harmloser. Es handelte sich lediglich um einen Vortrag, den Zoodirektor Dag Encke gehalten hatte. Darin ging es um den Artenschutz, der manchmal nur durch die Tötung von Tieren zu gewährleisten sei. Das Populationsmanagement könne sich für einen Zoo manchmal als problematisch erweisen. PavianjungesIn Nürnberg gibt es zum Beispiel derzeit elf überzählige Paviane, die im zoo-eigenen Gut Mittelbüg untergebracht sind. Man hofft, sie an einen chinesischen Zoo vermitteln zu können, der die europäischen Anforderungen an die Haltung erfüllt. Der erste Vermittlungsversuch schlug allerdings fehl.

Heute, an meinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub, hat sich die Tierrechtsorganisation PETA zu dem Thema gemeldet und – wer PETA kennt, wird sich darüber kaum noch wundern – wieder mal eine Anzeige gegen den Tiergartendirektor erstattet. Grund: Das Töten gesunder „Überschusstiere“ im Rahmen des Populationsmanagements eines Zoos stelle „keinen vernünftigen Grund nach § 17 des Tierschutzgesetzes“ dar. Schon im Mai 2015 hatte PETA gegen Encke Anzeige erstattet, ebenfalls „wegen der Tötung eines gesunden Pavians ohne vernünftigen Grund“. Jetzt geht die Organsisation noch weiter und fordert, dass der Zoochef sofort entlassen wird, weil er „offenbar unbesonnen weiter strafrechtlich relevant Tiere tötet“, so PETA.

PETA hat den Tiergarten Nürnberg seit Jahren auf dem Kieker, hauptsächlich wegen der Eisbären- und Delfinhaltung und des vermeintlichen „Bauskandals um die Delfinlagune“. Die bisherigen Anzeigen der Tierschutzaktivisten gegen die Tiergartenleitung hatten keinen Erfolg – haben aber den Verantwortlichen im Zoo schon unendlich viel Zeit gestohlen, die sie für wichtigere Arbeit hätten verwenden können.

5 Kommentare in “PETA hat wieder mal zugeschlagen!

  1. Interessant in diesem Zusammenhang ist, das Peta selber gerne Tiere tötet.
    Erstaunlich das man dann mit Fingern gerne auf andere zeigt, bzw. verklagt.
    Naja, von Peta und Konsorten ist nix Konstruktives zu erwarten.
    Die bereichern sich bloß mit Spendengeldern und nerven Leute, die sich tatsächlich um Tiere kümmern und versorgen.

  2. Na, das Wort „Populationsmanagement“ ist doch alleine schon ein ziemlich deftiger Zynismus. Und eine Schönrednerei.

    Auch die folgende Logik erschließt sich mir auch erst dann, wenn ich einige krude logische Klimmzüge anwende:

    Ein „Artenschutz“, der genau die Tiere einer Art tötet, die er vorgibt zu schützen. An diesem „Populationsmanagement“ wird doch nur deutlich, dass die Tierhaltung in Zoos ein paar gewaltige Lücken in der Logik aufweist.

    Man sollte dann doch wenigstens ehrlich sein und die Dinge als das benennen, was sie sind: Die Tötung überschüssigen Tiermaterials, das einfach nicht in das Konzept passt.

  3. @ Nr. 10

    Zu erst einmal, wer es nötig hat, sich hinter einer Nr. zu verstecken, dessen Meinung hat für mich schon alleine deshalb nicht viel Gewicht, weil er nicht bereit ist, mit seinem Namen dafür zu stehen.

    Natürlich ist Populationsmanagement für den Artenschutz notwendig, nicht nur im Zoo, sondern auch in der Wildnis. Und manchmal gehört auch dazu, dass Tiere als letztes Mittel getötet werden müssen. Wer das leugnet, beweist nur, dass er sich nicht ausreichend und differenziert genug mit der Materie beschäftigt hat, mit Zynismus hat das nichts zu tun.

    Gerade der Tiergarten Nürnberg informiert über diese Notwendigkeit transparent und ehrlich.

    Ulrike Joerres

  4. Sehr geehrte Frau Joerres,

    liebe Grüße von Nürnberg an den Nordrand der Eiffel!

    Zum Thema „Populationsmanagement“ mehr weiter unten. Weil Sie das Thema auf eine persönliche Ebene gezogen haben, bitte erlauben Sie mir diese Vorbemerkung:

    Wo und wie Sie sich im Internet bewegen, weiß ich nicht, aber geschätzt über 90% der Kommentatoren im Netz treten nicht mit ihrem Klarnamen auf. Wenn Sie auf den Link neben meinem Kommentar klicken, sind Sie übrigens nur noch einen weiteren Klick davon entfernt, meinen vollen Namen zu erfahren. Genau so, wie ich das auch auf Ihrer Eisbärenseite kann.

    Dass ich hier als „Nr. 10“ auftrete hat also nichts damit zu tun, dass ich es nötig hätte, mich zu verstecken, sondern ist dem Wiedererkennungswert meines Logos geschuldet, unter dem mich einige Nürnberger Netznutzer kennen (darunter übrigens auch Nürnberger Zeitungsredakteure).

    Sie schreiben, dass Sie meiner Meinung kein Gewicht beimessen. Vielleicht schließe ich hier auf andere, aber wenn ich einer Meinung kein Gewicht beimesse, dann ignoriere ich sie. Alles andere ist Zeitverschwendung. Aus ihrer engagierten Antwort lese ich deshalb heraus, dass Sie meinen Ausführungen sehr wohl Gewicht beimessen.

    Ich stelle immer wieder fest, wenn es um das Thema Tiere geht, wird die Diskussion weniger sachlich, sondern sehr schnell auf persönlicher Ebene geführt. Das gilt übrigens für beide Seiten.

    Liebe Frau Joerres, und nun zurück zur Sache und noch mal zum Thema „Populationsmanagement“ und warum der Begriff meiner Ansicht nach zynisch und euphemistisch ist:

    In bester nebulöser Neusprechmanier verschleiert der Begriff „Populationsmanagement“, dass es sich bei der Tötung der Tiere um einzelne Individuen handelt. Der außenstehende Betrachter soll nur die Population in ihrer Gesamtheit an sich sehen, die irgendwie „gemanaged“ wird. Und wer will schon was gegen Management haben?

    Ihre guten Intentionen will ich Ihnen gar nicht absprechen. Aber hinter diesem Vorgang steht doch, dass Menschen sich eine Gruppe von Tieren in Abhängigkeit halten und dann eine Entscheidung treffen, welche Individuen der Gruppe weiterleben dürfen und welche getötet werden „müssen“. Die Ent-Individualisierung durch den Begriff „Populationsmanagement“ sorgt dafür, dass sich möglichst niemand mit dem Schicksal des einzelenen Individuums auseinandersetzen kann.

    Brechen wir es doch mal runter auf die von Ihnen so geliebten Eisbären. Hier in Nürnberg hatten wir eine riesige Euphorie um den Eisbären „Flocke“. Wenn es nun in Nürnberg „überzählige“ und unvermittelbare Eisbären gegeben hätte: Wären Sie auch dann der Meinung, dass man diese im Rahmen eines „Populationsmanagements“ hätte töten sollen? Dass das nun mal so sein „müsse“?

    „Flocke“ hatte PR und das Label „erwünscht“. Für uns war „Flocke“ ein Individuum. Da gab es Führungen, Fotos, Zeizungsberichte und Filmreportagen. Wir hätten hier in Nürnberg einen Aufstand gehabt, wenn jemand „Flocke“ an den Kragen gewollt hätte.

    Ganz andere Maßstäbe werden da an Tiere angelegt, die wir für „überzählig“ erachten. Sollten in Nürnberg bald Paviane getötet werden, wird man das nicht an die große Glocke hängen, geschweige denn den Vorgang dokumentieren oder öffentlich machen.

    Und genau diese zwei Maßstäbe verschleiert der Begriff „Populationsmanagement“. Uns genehme Tiere werden mit Namen versehen, gestreichelt und in die Öffentlichkeit gestellt. Unliebsame werden ohne großes Tamtam ausgesondert. Der Begriff „Populationsmanagement“ ist eine verschleiernde und entindividualisierende Schönrednerei. In den Ohren der getöteten Tiere müsste es wie Hohn klingen, wenn dann noch von „Artenschutz“ geredet wird.

    Aus diesen Gründen ist der Begriff „Populationsmanagement“ in meinen Augen ein blanker Zynismus.

    Liebe Frau Joerres, Sie müssen meine Meinung nicht teilen. Aber sie können sie ruhig ernst nehmen und darüber auf sachlicher Ebene diskutieren.

  5. @ Nr. 10
    Sie schreiben, dass es verschleiert werde, wenn in Nürnberg Paviane getötet werden müssten. Das stimmt so nicht – der Tiergartendirektor hat das Thema ja selbst in seinem Vortrag öffentlich zur Sprache gebracht.

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