WDSF – nur noch blamabel!

Wenn man sich zu sehr in etwas verrennt, kann es mitunter peinlich werden. Ein gutes Beispiel dafür lieferte in dieser Woche Jürgen Ortmüller. Der Steuerberater aus Hagen hat sich bekanntlich unter dem Label Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) den Stopp jeglicher Delfinhaltung auf die Fahnen geschrieben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. Mit seinen unzähligen Beschwerdebriefen und Androhungen, gerichtlich gegen den Nürnberger Tiergarten vorzugehen, könnte sich dessen Direktor inzwischen die Wände tapezieren.

Ortmüllers neuester Coup: Er hat festgestellt, dass sich im „Blauen Salon“ der Delfinlagune „die dort befindlichen Steckdosen unter Strom befinden“. Zum Beweis führt er ein Video mit Augenzeugenbericht an und das Foto eines Handyladegerätes, das an eine Steckdose im „Blauen Salon“ angeschlossen ist: Das Ding leuchtet auf dem Bild sichtbar hell auf. Wahnsinn, oder?

Was an Strom führenden Steckdosen verwerflich ist? Für Ortmüller ist die Antwort klar: So eine Steckdose stellt „eine Lebensgefährdung für Kinder“ dar. Das Foto eines Kindes, „das sich in dem Bereich von Steckdosen unmittelbar aufhält“, hat er auch an die Mail angehängt.

Meine Nachfrage beim Tiergarten ergab: Die Steckdosen funktionieren tatsächlich. Aber: Sie besitzen eine Kindersicherung, die allerdings von außen nicht sichtbar ist. Die Mail mit der „Gefahrensituation Tiergarten Nürnberg“ verschickte Ortmüller an alle möglichen Stellen, zum Beispiel ans bayerische Umweltministerium, ans Veterinäramt und ans Ordnungsamt der Stadt Nürnberg. Haben ja alle sonst nichts anderes zu tun, als sich um so etwas zu kümmern.

Die ganze Geschichte spielte sich übrigens am vergangenen Samstag ab, als Ortmüller mit einigen Getreuen vor dem Tiergarten eine Demo gegen die Lagune veranstaltete. Scheint eine ziemlich langweilige Angelegenheit gewesen zu sein, wenn er da die Zeit hatte, in den Zoo zu gehen und sich auf Steckdosensuche zu begeben. Aber vielleicht hat er ja einen seiner Helfershelfer losgeschickt und war gar nicht selbst in der Lagune.

Da fällt mir ein: Darf man das eigentlich, auf Kosten des Tiergartens ein Handy aufladen? Da maile ich doch gleich mal eine Beschwerde an den Stadtkämmerer, den Bürgermeister, die Polizei, die Staatsanwaltschaft …

22 Kommentare in “WDSF – nur noch blamabel!

  1. Würdest Du Deine Steuererklärung von einem Steuerberater machen lassen, der sich SO verhält?

  2. Stromführende Steckdosen im Tiergarten. Das ist genau so normal wie stromführende Steckdosen in Schulen, Sporthallen und auch bei mir zu Hause. Hat Herr Ortmüller keine stromführende Steckdose in seinem Haus?

    Das er aus dieser Selbstverständlichkeit wieder so eine Sache macht und das mit einem „Euroverteiler“ unter das Volk bringt, ist bei einem Fundamentalisten völlig normal. Hoffentlich sehen die entsprechenden Stellen jetzt endlich, dass Herr Ortmüller und sein Verein nichts weiter ist als ein Selbstdarstellungsverein ohne fachlichen Hintergrund.

  3. Wäre das eigentlich ein geldwerter Vorteil, den man bei Finanzamt nachversteuern muss, wenn man an einer öffentlichen Steckdose sein Handy auflädt oder mit einer elektrischen Zahnbürste die Zähne putzt?

  4. Es mag sein das sich hier Herr Ortmüller etwas weit aus dem Fenster gelehnt hat aber im Grunde sind mir solche Menschen lieber als die, die nichts tun und danach rumschreien wenn was passiert.Ihr Artikel versucht ihn zu diskreditieren was bei seinen Gegner was bringen wird aber nicht bei seinen Befürwortern 🙂

  5. Was will man von einer kommunal-abhängigen Zeitung an objektiver Berichterstattung schon erwarten über ein kommunal finanziertes Unternehmen wie den Tiergarten?

    Die Kommune muss (nach den Fehlsubventionen/-investitionen der Lagune) den Tiergarten am Leben halten um überhaupt was zu retten.

    Zu Herrn Ortmüller nur Eines: Völlig egal warum der Zoo geschlossen wird, wegen der umfassenden Aufklärung, weil er insolvent ist, wegen mangelnder technischer Sicherheit oder Salmonellen in der Kantine; Hauptsache es passiert!

    Weiter so!

  6. Offensichtlich ist Herr Ortmüller nicht mehr von dieser Welt. Das ist perfide. 9

  7. Wer glaubt das Herr Ortmüller aufklärt, glaubt auch, daß Dr. Sommer ein echter Doktor ist.

  8. Ich stimme tom zu. Mir ist es auch ziemlich egal wie Herr Ortmüller es schafft. Hauptsache der Tiergarten wird geschlossen! Für Leute, die einen Funken von Mitgefühl für die Tiere haben, vor allem die Delfine, versteht sich dieser Wunsch von selbst. Vielen Dank für die völlig objektive „Berichterstattung“ Frau Wolf!

  9. Ortmüllers konstruierte „Zusammenhänge“ tun schon weh! Wann gab es jemals einen Elektro-Unfall mit einem Kind in der Nürnberger Lagune?

  10. Da ich schon viele Zoos besucht habe und ihre Existenz befürworte, muss ich allerdings sagen, dass der Tiergarten Nürnberg bei den Pannen und Unfällen schon hervorsticht:
    http://www.nordbayern.de/freizeit/tiergarten/pannen-und-unfalle-tiergarten-nurnberg-unter-druck-1.4036157. Der Tiergarten wäre sicherlich auch schön ohne Delfine, denn bei dieser Haltung gehen die Meinungen wie bei keinem anderen Zootier weit auseinander. Den Beitrag hier finde ich schon etwas sehr polemisch, zumal Ute Wolf ja als Journalistin für die Nürnberger Zeitung schreibt und dies auch ein Blog der NZ ist. Da wäre etwas mehr Ausgewogeneheit schon alleine aus journalistischen Gründen sinnvoll – das täte auch dem Leser gut.

  11. @ Zoofan,

    Ute ist sehr wohl Journalistin bei einer Zeitung, aber das hier ist IHR Block, ihre private Meinung, die ich ganz teile.

    Ortmüller soll im echten Leben angeblich Steuerberater sein – ein ehrenwerter Beruf. Davon merkt man bei seinen Pressemitteilungen (z.B. http://motorzeitung.de/news.php?newsid=359170) allerdings nichts.

    Allein aus Gründen des fairem Umgangs miteinander wäre es sinnvoll, wenn ein Steuerberater nicht solchen an den Haaren herbeigezogenen Unsinn verbreitet.

  12. Dies ist eben kein „privater Blog“ von Ute Wolf wie die Rechtsabteilung der Nürnberger Zeitung bestätigt:

    Von: Inka R.
    Betreff: Gefahrensituation Tiergarten Nürnberg – Delinlagune (Blauer Salon)
    Datum: 19. Mai 2016 11:25:17 MESZ
    An: Jürgen Ortmüller

    Sehr geehrter Herr Ortmüller,

    Ihre E-Mail vom 16.05.2016 haben wir erhalten.

    Frau Wolf betreibt den Blog Achtung Wolf als Redakteurin der Nürnberger Zeitung und es handelt sich eindeutig und auch nach außen erkenntlich nicht um einen privaten Blog, sondern um einen Blog, den Sie als Redakteurin der Nürnberger Zeitung für diese führt. …

    Mit freundlichem Gruß,

    Inka R.
    Rechtsabteilung
    __________ _________________________ __

    NORDBAYERISCHE
    VERLAGSGESELLSCHAFT mbH

    Marienstraße 9
    90402 Nürnberg

  13. Ortmüllers Post zeigt doch nur, dass er sich nicht mehr „normal“ mit Menschen unterhalten kann, sondern immer gleich die Rechtsabteilungen beschäftigt. Für mich ein äußerst bedenkliches Verhalten.

  14. Es ist und bleibt doch die private Meinung der Frau Wolf und nicht die Meinung der Zeitung.

    Dies wurde schon mehrfach thematisiert. Was wollte Herr Ortmüller denn mit seiner Mail erreichen? Wollte er Frau Wolf mundtot machen? Wollte er übrigens die Zeitung Einfluss auf Frau Wolf nehmen?

    Dies scheint das DemokratieVerständnis des Herrn Ortmüller zu sein. Andere anklagen aber selbst dünnhäutig sein.

  15. Na wenigstens hat sich Herr Ortmüller auch mal selbst geäußert und sachlich den jounalistischen Hintergrund dieses Blog bewiesen. Aber zurück zum Thema: Ich habe selbst Kinder und mein Sohn hat mit sechs Jahren selbst mal eine unliebsame Erfahrungen mit einer Steckdose gemacht, indem er einfach mal einen Nagel reingesteckt hat. Das war nicht bei uns zu Hause. Wer Kinder hat, weiß, dass man sie nicht so sehr beaufsichtigen kann, dass sie in ihrer Neugierde irgendwelchen Blödsinn anstellen – selbst wenn man es ihnen tausend mal sagt.

    Auch Kindersicherungen verhindern nicht eine Gefahr, wenn Kinder dort zwei Nägel (oder dergl.) gleichzeitig reinstecken. Insofern finde ich die Aktion von Herrn Ortmüller durchaus dazu geeignet, auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Auch Kinderärzte warnen vor den Gefahren: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/erste-hilfe/sofortmassnahmen/elektrounfaelle/ – eben weil es für Kinder so faszinierend ist. Die Kinder sehen, dass wir etwas in die Steckdose stecken und ein Gerät funktioniert. Dabei kann es, wie die Ärzte warnen, zu Atem- und Herzstillstand kommen, wenn Kinder da rummfummeln. Wer möchte das seinem Kind antun? (http://www.kinderaerzte-im-netz.de/erste-hilfe/sofortmassnahmen/elektrounfaelle/)

    Ich verstehe nicht, warum in öffentlich zugänglichen Einrichtungen Steckdosen, selbst wenn sie Kindersicherungen haben, in Reichweite von kleinen Kindern angebracht werden müssen. Das gilt auch für den Tiergarten. Noch weniger kann ich verstehen, warum man sich über Warnhinweise, wie durch Herrn Ortmüller geschehen, so unerträglich und sarkastisch lustig machen kann, selbst wenn er sich gegen die Delfinhaltung auspricht und ja wohl einiges für sein Thema tut. Dazu ist das Thema mit den Steckdosen viel zu Ernst! Da scheint es einigen Kommentatoren und der Autorin wohl um andere Sachen zu gehen, die sie bei den Aktivitäten von Herrn Ortmüller und seinem WDSF erheblich stören.

    Jeder darf ja seine Meinung äußern, aber ein gewisser Respekt sollte dabei nicht verloren gehen.

  16. Nett, @ Zoofan

    „Mängel aufweisen können.“KÖNNEN steht da, nicht MÜSSEN!

    Und von welcher Firma sind die Steckdosen in Nürnberg? Können Sie belegen, dass jemals ein Kind wegen einer „Nürnberger“ Steckdose zu Schaden kam?

    Wenn Sie das KÖNNEN so überstrapazieren wollen, dürften Sie – ob der MÖGLICHEN Gefahren draußen – überhaut nicht mehr aus dem Haus gehen und im Bett bleiben – und selbst da kann der Lattenrost und folglich ihr Genick brechen.

    Sehen Sie Ortmüllers Aktion doch als das, was es ist: Ein billiger Versuch, dem Tiergarten schaden zu wollen, weil er auf sachlicher Tierschutz-Ebene keine Argumente hat – noch nie hatte.

  17. Wenn man nix in einem Zoo findet, mault man eben über Steckdosen rum.
    In meiner Schule gibt es überall Steckdosen und viele Kinder.
    Nicht mal die Eltern jammern rum, wie dieser Delfinfreund.
    Darf ich beim Nashorn mein Handy vollmachen?
    Warum machen die im Shopping Center überall Steckdosen?
    Haben die dort was gegen Kinder?

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