Wo es den Osterhasen an den Kragen geht

Während hierzulande der Osterhase vor allem in Form von Schokolade herumhoppelt und der eine oder andere Kleintierzüchterverein seine Hasenausstellungen mit Streicheltieren für Kinder veranstaltet, wird auf der Südinsel von Neuseeland zur Hasenjagd geblasen, und zwar – wie passend! – am Karfreitag. „Great Easterbunny Hunt“ heißt das Event, bei dem Hunderte von Jägern Tausenden von Hasen an den Kragen gehen. In der Region Otago ist das seit über 20 Jahren österliche Tradition. Am Karfreitag des vergangenen Jahres haben mehr als 300 Jäger über 10 000 Hasen abgeknallt.

Einerseits kann man die Neuseeländer ja verstehen. Für sie sind Hasen die reinste Plage. Die Tiere gelten als Futterkonkurrenten für die Schafe, die bekanntlich zu den wichtigsten Exportgütern Neuseelands gehören. Andererseits ist es so, dass Hasen, die es ursprünglich dort nicht gab, vom Menschen nach Neuseeland importiert wurden. Das war um 1830, als für die weißen Siedler nicht genügend Fleisch als Nahrung zur Verfügung stand. Die Hasen lebten in Neuseeland sozusagen wie Gott in Frankreich. Sie fanden ideale Bedingungen vor, vermehrten sich – das kennt man ja von der Redensart her – wie die Karnickel und nahmen schließlich überhand. Ein von Menschen verursachtes Problem, das wieder einmal Tiere ausbaden müssen – ich finde das zumindest fragwürdig.

Die Tierwelt Neuseelands, wo ursprünglich keine Landsäugetiere vorkamen, hat sich durch die Besiedlung des Inselreiches radikal verändert. Zuerst brachten die Maori in Booten die pazifische Ratte Kiore mit. Später führten europäische Siedler verschiedene Säugetiere ein, zum Beispiel Hunde, Katzen, Wiesel und Possums. Auch die hatten dort keine natürlichen Feinde, schafften es aber, einheimische Tierarten wie den Dodo zu verdrängen, bis er  schließlich ausgestorben war.

Nun wollen die Neuseeländer die heimische Tierwelt schützen. Die Regierung hat dazu die Parole „Raubtierfreies Neuseeland bis 2050“ ausgegeben und beabsichtigt, allen invasiven Raubtierarten den Garaus zu machen. Das wird Milliarden kosten, doch das Geld kann nach einem Vorschlag der neuseeländischen Grünen aufgebracht werden. Lob für das Vorhaben, nämlich die Ausrottung invasiver Arten, kommt von der internationalen Tierschutzorganisation IUCN.  Das Ganze wird auch mit Hilfe von Wissenschaftlern realisiert, die etwa neuartige Köder und Giftstoffe entwickeln und außerdem an genetischen Manipulationen bei der Fortpflanzung der betreffenden Tierarten arbeiten.

Der Kampf gegen invasive Arten hat weltweit begonnen und ist auf über 1000 Inseln schon erfolgreich geführt worden. Allerdings waren diese Inseln um ein Tausendfaches kleiner als Neuseeland. Die Wissenschaftler dort sind sich trotzdem sicher, dass auch bei ihnen die totale Ausrottung invasiver Raubtierarten gelingt. Hasen allerdings sind keine Raubtiere. Ob sich das bis zu den Jägern in Otago herumgesprochen hat, wage ich zu bezweifeln.

1 Kommentar in “Wo es den Osterhasen an den Kragen geht

  1. Ich bin ja sonst nicht gerade ein Fan der Jagd, aber das Ansinnen der Neuseeländer kann ich gut nachvollziehen. Ich war selbst in Begleitung eines einheimischen Ökologen dort und kenne daher die Probleme der Neuseeländer mit eingeschleppten Arten recht gut. Wenn man die einmalige, einheimische Vogelwelt (oder was davon noch übrig ist) mit teilweise flugunfähigen Vögeln wie dem Kiwi erhalten möchte, sind solche Schritte oft unverzichtbar.

    In wie weit konkret Hasen die endemische Fauna und Flora bedrohen, weiß ich nicht. Bei anderen Arten (besonders dem überaus gehassten australischen Possum oder eingeschleppten Algen) sind die Schäden bekannt und unübersehbar.

    Tatsächlich hat man es bereits geschafft, kleinere vorgelagerte Inseln (Vogelschutzgebiete) mit Fallen und Gift nagerfrei zu bekommen. Die Vogelpopulation, deren Eier nun nicht mehr Rattenfutter werden, dankt es.

    Zwiespältig ist aus meiner Sicht nur, dass einerseits endemische Arten als „Pest“ (Plage) angesehen werden, man aber gerade in Neuseeland riesige Schafs- und Hirschfarmen besitzt … und zunehmend leider wasserintensive Rinder-/Milchfarmen. Da ist das alte Schubladendenken mit „Nutztiere“ vs. „der Rest“ immer noch vorhanden.

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