Eine klassische Win-win-Situation

Vergesellschaftung heißt das Zauberwort, das in Zoologischen Gärten seit einiger Zeit an Bedeutung gewinnt. Auch im Tiergarten Nürnberg werden immer mehr Tierarten mit anderen, aus ihrem natürlichen Lebensraum stammenden, gemeinsam in einem Gehege gehalten. Die Idee dahinter ist u.a. auch, dass die Besucher einen bessere Vorstellung davon bekommen, wie die Tiere in freier Wildbahn zusammenleben und sich gegenseitig im oft schwierigen Kampf ums Überleben sogar unterstützen können. Natürlich funktioniert das in Zoos nur mit Tierarten, die sich vertragen. Und natürlich ist eine Vergesellschaftung von Arten, bei denen die eine zum Beuteschema der anderen gehört, ausgeschlossen. Daher setzt es sich immer mehr durch, Tieren bei der Haltung in Menschenobhut zumindest einen Teil ihres ursprünglichen Lebensraums auch in den Zoologischen Gärten zu bieten. Von der Vergesellschaftung profitieren also einerseits die Tiere, weil diese Haltung für sie eine Bereicherung ihres Alltags darstellt, andererseits auch die Besucher.

Im Nürnberger Tiergarten teilen sich neuerdings die Panzernashörner ihre Anlage mit einer Hirschziegenantilope (Foto: Tiergarten Nürnberg). Ich finde, es ist für die Besucher ein beeindruckendes Bild, wenn sie diese sehr feingliedrige, zerbrechlich wirkende Antilopenart zwischen den beiden mächtigen Nashörnern Sofie und ihrem Sohn Sanjai beobachten können.

Der 1939 am Schmausenbuck eröffnete Tiergarten Nürnberg war schon damals zum Teil unter dem Gesichtspunkt von Vergesellschaftung gepant werden: Seit Anfang an gibt es dort eine indische, eine amerikanische und eine afrikanische Steppe als Gemeinschaftsanlagen für die darauf lebenden Tiere. Eine Zoolandschaft mit Zebras, Straußen und Antilopen (früher: Gnus und Blessböcke, heute Elenantilopen) vermittelt den Besuchern viel besser den Eindruck einer afrikanischen Savanne, als dies bei einzeln gehaltenen Arten der Fall wäre.

Aus Tierperspektive fördert eine gute Vergesellschaftung positive Reize für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des zentralen Nervensystems von Zootieren. Vergesellschaftung ist auch als eine von verschiedenen Beschäftigungsmöglichkeiten zu verstehen. In einer Reihe von europäischen Zoos leben deshalb die Nashörner mit anderen Tierarten zusammen. Als Beispiel sei hier der Zoo von Nyiregyhaz (Ungarn) genannt: Dort lebte ein Takin-Bock mit seinem Bruder bei den Panzernashörnern.

Vergesellschaftung kann allerdings auch mal danebengehen. Ich erinnere nur an die Zeit in Nürnberg, als die Kleinen Pandas gemeinsam mit den Muntjaks gahalten wurden. In mehreren anderen Zoos klappt das bis heute – in Nürnberg aber kam es zu mysteriösen Todesfällen, über die ich damals in meinem Blog auch geschrieben habe.

1 Kommentar in “Eine klassische Win-win-Situation

  1. Ich finde diese Vergesellschaftung sehr gut, gratuliere dem Tiergarten und vor allen Dingen den Pflegern, die das Experiment“ gewagt haben., zu ihrem Erfolg.
    Und so lernt der kleine Sanjai gleich von seiner Mama, wie man mit anderen Tierarten umgehen muss.
    Bei dem Bild oben geht mir das Herz auf!

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