Wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“

Der Wolf ist zurück. Eine Tierart, die ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben galt. Die wir nur noch aus dem Märchen kannten, und zwar als „bösen Wolf“. Oder aus Zoologischen Gärten. Belesenen Zeitgenossen dürfte auch noch die Figur des Isegrim ein Begriff sein, ein Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs. Und dann haben die meisten von uns – zumindest hier in Bayern – auch schon mal die Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald gesehen. In freier Wildbahn hingegen, beispielsweise im „dunklen Wald“ (ebenso aus dem Märchen bekannt), da ist uns höchstens mal ein Fuchs begegnet.

Seit sich hierzulande die ersten Wölfe zögerlich in der Natur wieder angesiedelt haben, machen wir allerdings ein Riesenproblem daraus – ähnlich wie bei den Bären. Ich erinnere nur an den „Problembären“ Bruno. Der Wolf reiße Schafe, falle Touristen an, bedrohe die Existenz des Viehbestands von Bergbauern und sei überhaupt eine Gefahr für den Menschen. So liest und hört man es in den Medien. Und jetzt auch noch aus dem Nationalpark (bei Lindberg im Landkreis Regen) freigelassene Wölfe! Dass sich aus diesem Vorfall eine Tragödie entwickeln würde, war Tierfreunden wie mir von dem Augenblick an klar, als die Nachricht von der rätselhaften „Befreiungsaktion“ der sechs Tiere die Runde machte.

Gut eine Woche ist das nun her. Den sechs Wölfen ergeht es seitdem ähnlich wie den „zehn kleinen Negerlein“, die nach und nach immer weniger werden. Jetzt sind es nur noch drei von den ursprünglich sechs freigelassenen Exemplaren. Zwei  wurden erschossen, einer war bereits wenige Stunden nach Beginn seines „Freigangs“ von einem Zug überfahren worden. Nach den anderen dreien wird fieberhaft gesucht, bislang vergeblich. Suchtrupps mit Narkose- und scharfen Gewehren haben sich aufgemacht, die Tiere einzufangen oder abzuschießen – ohne Erfolg. Die „Ausreißer“ sollen auch schon im benachbarten Tschechien gesichtet worden sein. Möglicherweise ist das aber auch nur ein Gerücht.

Ich hoffe inständig, dass man die übrigen drei Tiere nicht findet. Warum überlässt man sie nicht einfach ihrem Schicksal? Die Streichelzoo-Fraktion wird nun einwenden, ich sei grausam. An menschliche Betreuung gewöhnte Wölfe könnten in freier Natur nicht überleben, weil sie dort nämlich verhungern würden. Das ist aber nicht hundertprozentig sicher. Es gab schon vereinzelt Fälle, dass in Menschenobhut aufgewachsene Wölfe in freier Wildbahn überlebt haben. Wahrscheinlich ist die Gefahr, dass die Tiere überfahren werden, weitaus größer als die, dass die an Hunger sterben.

Immerhin hat sich inzwischen das bayerische Umweltministerium eingeschaltet und eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, der die Wölfe freigelassen hat. Aber auch die Suche nach den vermutlich noch drei streunenden Wölfen geht weiter. Von rund 200 Mitarbeitern des Nationalparks sind etwa 50 mit den entlaufenen Wölfen befasst. Wahnsinn! Zumindest nach meiner Meinung. Es wäre besser für die übrigen im Nationalpark lebenden Tiere, wenn sich das Personal mit voller Kraft um sie kümmern könnte. Immerhin sind darunter auch noch drei Wölfe, die es trotz geöffneter Tür vorgezogen haben, im geschützten Gehege zu bleiben – „gute“ Wölfe eben.

2 Kommentare in “Wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“

  1. Moin Ute,

    natürlich kann man die Tiere auch weiter ihrer „Freiheit“ überlassen, würde damit jedoch denjenigen gehirnbefreiten, die das erst verursacht haben einen Persilschein dafür geben, dass das zwar eigentlich böse ist, aber man damit doch am Ende den Tieren die so gelobte „Freiheit“ schenkt. Was dann passiert kann man ja direkt sehen: Ein Tier direkt als erstes vom Zug erfasst, weil es den Zug als solches und bedrohliches Element nie kennengelernt hat.

    In der Frage stehe ich voll auf Seite des Nationalparks: Man hat eine Verantwortung für die Tiere und man muss sich auf die eine oder andere Art um sie kümmern. Wenn jemand so grenzdebil ist und Gehege aufbricht…ist es das falsche Signal, wenn man sagt „Ja, nun gut…jetzt sind sie frei!“. Damit würde man Wiederholungstätern Tür und Tor öffnen. Leider.

    LG,

    Stephan

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