WDSF und ProWal mal wieder!

Gestern habe ich über die Schweinswal-Rettungsaktion vor der mexikanischen Küste geschrieben (Foto: Vaquita CPR). Heute lag mal wieder eine sogenannte Pressemitteilung des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) auf meinem Schreibtisch, als ich in die Redaktion kam.

Die Aktion könnte die einzige und letzte Chance sein, um den Vaquita vor der Ausrottung zu bewahren. Mittlerweile ereignete sich ein trauriger Zwischenfall: Ein Delfinweibchen starb beim Einfangen. Das WDSF macht daraus folgende Schlagzeile und verschickt sie als „Pressemitteilung“ an die Medien: „Bedrohter Vaquita-Schweinswal bei Gefangennahme verstorben“. Hinter dem im Jahr 2007 gegründeten WDSF verbirgt sich hauptsächlich eine Person: Jürgen Ortmüller. Beruflich ist er als Steuerberater tätig, er besitzt keinerlei zoologische oder biologische Ausbildung. Er ist alleiniger Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer des WDSF. Dieses ließ er 2008 als „Körperschaft des privaten Rechts mit Sitz in Hagen/Westfalen“ registrieren. Es handelt sich dabei nicht um eine Mitglieder-Organisation – angeblich, „um insbesondere die Verwaltungskosten niedrig zu halten“, heißt es auf der WDSF-Homepage.

Vielleicht, um nicht als Ein-Mann-Organisation an die Medien heranzutreten, hat sich Ortmüller für seine Presse-Info „ProWal“ ins Boot geholt (2009 aus der Privatinitiative „Walschutzaktionen“ von Andreas Morlok hervorgegangen). Morlok hatte sich davor jahrelang für den Schutz von Delfinen und Walen sowie deren Lebensräumen eingesetzt.
„Tierschützer fordern Stopp der Aktion“, steht über der Mail an die Medien. Das suggeriert, eine größere Zahl von Engagierten würde diese Forderung erheben. Doch die angeführten „Tierschützer“ sind wohl im Prinzip diese zwei Personen: Ortmüller und Morlok. Die beiden „befürchten durch den Tod des Schweinswal-Weibchens einen möglichen Zusammenbruch der Fortpflanzung des verbleibenden geringen Bestands“. Sie sprechen von „einer waghalsigen und offenbar schlecht vorbereiteten Aktion, die … sofort gestoppt werden müsse“. Weder Ortmüller noch Morlok sind Fachleute, glauben aber, die Aktion beurteilen zu können, ohne dabei gewesen zu sein.

Ortmüller schreibt weiter: „Für uns sieht die Aktion mit Beteiligung des Tiergartens nach Greenwashing aus, um von den eigenen Problemen mit 17 verstorbenen Nachzuchten und Totgeburten abzulenken.“ Dabei leben im Tiergarten keine Vaquitas, sondern Große Tümmler (in den 1970ern auch Sotalia-Delfine). Tierschutz-Kollege Morlok wird von Ortmüller so zitiert: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass sich die Delfinarien-Industrie bei solchen Projekten überhaupt beteiligen darf. Diese hat schließlich bei freilebenden Meeressäuger-Populationen schon genug Schaden durch Entnahmen für Delfinarien angerichtet.“ Eine „Delfinarien-Industrie“ gibt es allerdings gar nicht in Deutschland. Und ein Schaden durch das Fangen von Tieren – wie es in der Anfangszeit von Delfinarien üblich war – ist auch nicht entstanden: Die genannten Delfinarten sind in der Natur nicht gefährdet.

Ursprünglich sollten bis Ende November so viele Vaquitas wie möglich eingefangen werden.
Lorenzo von Fersen, Kurator für Forschung und Artenschutz im Nürnberger Zoo und Erster Vorsitzender von Yaqu Pacha, sieht durchaus Probleme bei der Aktion, geht aber offen damit um: „Wir haben nur zwei Optionen: Entweder die Aktion gelingt, oder eine weitere Tierart verschwindet von unserem Planeten.“

7 Kommentare in “WDSF und ProWal mal wieder!

  1. Diesem Mann, der meiner Ansicht nach nichts für die Delfine tut, müsste die Gemeinnützigkeit entzogen werden. Was er macht, hat – so sehe ich das zumindest – mit Gemeinnützigkeit nichts zu tun.

  2. (WDSF/CBS News 8 – 09.11.2017) Wissenschaftler haben beschlossen, ihre Bemühungen zur Gefangennahme gefährdeter Vaquita-Schweinswale in Mexiko einzustellen.

    ProWal und WDSF hatten kritisch über die Aktion nach dem Tod eines gefangenen Vaquita berichtet und die sofortige Beendigung der waghalsigen und offenbar schlecht vorbereiteten Fangaktion, die das Überleben der bedrohten Walart gefährdet, gefordert.

    Die Ankündigung der Beendigung der Fangaktion folgte nach dem Tod eines erwachsenen weiblichen Vaquita nur wenige Stunden nachdem er am Samstagnachmittag vor San Felipe gefangen genommen worden war.

    Ein weiteres Vaquita-Kalb war am 18. Oktober gefangen genommen worden, musste aber am selben Tag wieder freigelassen werden, weil es Gefahr lief, an Stress zu sterben.

    „Seit dem 4. November gab es keine weiteren Versuche, einen Vaquita-Schweinswal zu retten, und es wird keine zukünftigen Versuche in der verbleibenden Zeit der Vaquita-CPR-Feldoperationen geben“, sagte Steve Walker, Kommunikationsberater bei der National Marine Mammal Foundation (NMMF).

    Die in San Diego ansässige gemeinnützige Organisation hat Spenden für die Rettungsaktion – genannt VaquitaCPR – gesammelt, die darauf abzielte, ein Zuchtprogramm in San Felipe zu etablieren.

    Der Tiergarten Nürnberg war ebenfalls an der Fangaktion beteiligt und wollte 300.000 Euro dafür sammeln. Die Artenschutzorganisation im Tiergarten Nürnberg, Yaqu Pacha, finanzierte den Einsatz des als „holländischen Schweinswalexperten“ bezeichneten Niels van Elk als leitenden Tierarzt der Vaquita-Fangaktion. Niels van Elk ist auch Zuchtbuchführer des EEP für Große Tümmler in Gefangenschaft.

    Weniger als 30 überlebende Vaquita bleiben nun in freier Wildbahn, die sich nur im nördlichen Meer von Cortez aufhalten.

    Wissenschaftler beschuldigen die illegale Kiemennetzfischerei für den Niedergang der Art. Die keinen Tümmler verfangen sich in den verlassenen „Geisternetzen“ und ertrinken.

    VaquitaCPR umfasste ein internationales Team von rund 60 Wissenschaftlern. Die Feldoperationen begannen am 12. Oktober und sollten ungefähr einen Monat dauern.

    „Wissenschaftler werden bis Freitag, den 10. November, weiterhin einzelne Vaquita-Schweinswale zu Naturschutzzwecken fotografieren und dokumentieren“, sagte Walker in einer E-Mail-Antwort auf CBS News 8.

    Das Team hat Rückenflossen von Vaquita in freier Wildbahn fotografiert, um eine genaue Zählung der verbleibenden Individuen zu erhalten.

    Tierschutzgruppen (wie auch ProWal und WDSF) hatten ein Ende der Operation gefordert, nachdem die weibliche Vaquita gestorben war, offenbar aus Stress, der mit ihrer Gefangennahme zusammenhing.

    „Der Schlüssel zum Schutz der Vaquita ist die Erhaltung der Vaquita-Zuflucht und das bedeutet, die Wilderer fernzuhalten und alle Netze zu entfernen“, sagte Capt. Paul Watson, Gründer der Sea Shepherd Conservation Society.

    http://www.cbs8.com/story/36795675/vaquita-porpoise-capture-operations-end-on-sea-of-cortez#.WgNPguVmm4I.facebook

  3. @Jürgen Ortmüller
    Es wäre gut, wenn Sie hier nicht falsche Behauptungen weiterverbreiten würden! Das Projekt ist nicht eingestellt, sondern lediglich unterbrochen worden. Das müssten sogar Sie wissen.
    Auch verbitte ich mir, über mich zu verbreiten, ich sei eine glühende Anhängerin von Delfinarien und dafür berühmt-berüchtigt. Wenn Sie mir weiterhin Unqualifiziertheit vorwerden, behalte ich mir rechtliche Schritte gegen Sie vor!

  4. Wie voreilig die WDSF-Meldung war, zeigt sich hier: Selbst die vom WDSF zitierte Quelle schreibt aktuell von „halt“ (Stopp, Pause, Unterbrechung) und nicht von „end“ (Ende. Abschluss).

  5. ICH ja, ICH fordere, dass in Augsburg morgen (10.11.2017) um 7:15 Uhr die Sonne aufgeht. Wehe, wenn nicht! Aber wenn, dann ´bin ich ein Held!!!

  6. @ uwo

    Zu deiner Frage: Wer ist mit „diesem Mann“ gemeint – Ortmüller oder Morlok?

    Ich würde mir wünschen, dass beiden „Einmann-Organisationen“ die Gemeinnützigkeit entzogen wird.

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