Kein schlechtes Wolfsjahr


Das Jahr geht zu Ende, und für die Wölfe in Deutschland (Foto: dpa, aufgenommen in einem Gehege des Biotopwildparks Anholter Schweiz) war es kein ganz schlechtes – was mich als Wolf natürlich besonders freut. Meine „Artgenossen“ haben sich heuer bei uns wieder ein wenig vermehren können.

Inzwischen sind hierzulande 60 Rudel nachgewiesen. Diese Zahl stammt vom Bundesamt für Naturschutz und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes. Dort geht man von 150 bis 160 erwachsenen Wölfen aus. Vor einem Jahr waren es 140. Die Zahlen werden in den Bundesländern erhoben und kommen durch überprüfbare Nachweise zustande: Zum Beispiel durch das Auswerten von Kot und anderen Spuren, die Wölfe hinterlassen. Auch Aufnahmen aus Fotofallen helfen bei der zahlenmäßigen Erfassung weiter. Amtlich werden Rudel, Paare und sesshafte Einzelwölfe erfasst, die für die Fortpflanzung eine Rolle spielen. Die eindeutige Erfassung der Welpen ist allerdings schwierig, weil sie oft früh sterben. Schließlich kann auch die Anzahl der Wölfe pro Rudel stark schwanken.

Die Wolfspopulation hat sich in einem Band von der Lausitz im Osten bis in den Nordwesten Deutschlands verdichtet. Trotzdem hat sich ihr Verbreitungsgebiet nicht so stark ausgeweitet, wie man es anhand der Rudelzahlen vermuten könnte. Das wundert auch die Experten. Die meisten Wölfe leben in Brandenburg und Sachsen, insgesamt sind sie jetzt in sieben Bundesländern anzutreffen– auch in Bayern.

Bisher stellen Straßen die größte Gefahr für die Wölfe dar: Seit dem Jahr 2000 waren bei 140 von rund 200 tot gefundenen Tieren Verkehrsunfälle die Todesursache. Außerdem wurden zwischen dem 1. Mai 2016 und dem 30. April 2017 fünf Wölfe illegal getötet. Damit ist die Zahl solcher Straftaten seit dem Jahr 2000 auf 26 gestiegen. Viele Nutztierhalter und Jäger wollen erreichen, dass Wölfe abgeschossen werden dürfen, weil sie dem Weidevieh gefährlich werden könnten. Umweltschützer fordern dagegen verstärkte Prävention, zum Beispiel durch Elektrozäune oder Herdenschutzhunde.

Bestimmte Interessengruppen schüren auch die Angst vor Wölfen bei der Bevölkerung. Dabei ist bisher kein einziger Angriff auf Menschen bekannt, seit sich diese wunderbaren Tiere wieder in Deutschland angesiedelt haben. Unsere Gesellschaft muss einfach lernen, Wölfe als selbstständige und freie Tiere zu respektieren. Es gibt aber auch einige Verrückte, die Wölfe für Fotos „anfüttern“. Dabei kann es wirklich gefährlich werden, wenn sich Wölfe erst mal an Menschen gewöhnen. Ich halte auch die Forderung einer Obergrenze für Wölfe in Deutschland für unsinnig (genauso unsinnig übrigens wie eine Obergrenze für Flüchtlinge). Deutschland ist groß – groß genug für noch mehr Wölfe!

Es gibt übrigens auch Neues über die vor über zwei Monaten im Bayerischen Wald entlaufenen Wölfe: Eines der beiden überlebenden Tiere zieht derzeit vermutlich durch Österreich, und zwar durch den Raum Linz, auch im Landkreis Passau wurde er bereits gesichtet. Über den Verbleib des zweiten noch lebenden Wolfes weiß man im Augenblick nichts. Ich hoffe, auch er hat es geschafft, sich irgendwie durchzuschlagen. Ursprünglich war ja behauptet worden, die Wölfe seien in Freiheit nicht überlebensfähig, weil sie im Nationalparkgehege immer gefüttert wurden. Wirklich bedauerlich finde ich, dass zwei der freigelassenen Wölfe erschossen wurden.