Freud´ und Leid bei Nürnberger Affen

Da habe ich gerade erst vor zwei Tagen noch geschrieben, derzeit komme eine gute Nachricht nach der anderen aus dem Tiergarten Nürnberg. Und jetzt das: Heute musste das 46-jährige Gorillaweibchen Bianca (Foto: Tiergarten Nünberg), die viertälteste von insgesamt 240 in Europa lebenden Gorilladamen, eingeschläfert werden. Und das wiederum wenige Tage, nachdem die Damengruppe am Schmausenbuck mit dem Silberrücken Thomas einen neuen Chef bekommen hat – was ja auch eine gute Nachricht war. Heute zeigte sich aber, wie nah beieinander Trauer und Freude in einem Zoo liegen können. Denn kurz bevor die Meldung über Biancas Tod die Runde machte, hatte es frohe Kunde aus diesem Zoologischen Garten gegeben: Bei den Weißgesichtssakis erblickte Anfang der Woche ein Junges das Licht der Welt.

Fangen wir ausnahmsweise mit der traurigen Nachricht an – schon um der verstorbenen Gorilladame die ihr gebührende Ehre zu erweisen. Ihr Zustand hatte sich in den vergangenen Tagen zusehends verschlechtert. Bianca war seit einigen Jahren immer wieder in tierärztlicher Behandlung, seit fast zwei Jahren bekam sie Schmerztherapien wegen der altersbedingten Veränderungen ihres Bewegungsapparats. Vor einem halben Jahr  musste sie sich wegen Zahnproblemen einer Röntgenuntersuchung unterziehen, danach war eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Zwei Tage vor der Ankunft des neuen Gorillamanns Thomas diagnostizierten die Tierärzte bei Bianca eine deutliche Verschlechterung. Sie weigerte sich außerdem, Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Deshalb wurde sie zunächst von der Gruppe getrennt, in Narkose gelegt und mit Ultraschall untersucht. Das gab allerdings auch keinen Aufschluss über weitere Erkrankungen.

Die 1972 geborene Bianca kam 1973 als Einjährige aus Afrika zur Handaufzucht in den Tierpark Berlin. Nach Zwischenstationen in Rotterdam und Amsterdam, wo die Zucht nicht funktionierte, wurde Bianca im November 1992 in den Loro Parque auf Teneriffa abgegeben. Eine Vergesellschaftung mit dem damals neunjährigen Yaounde klappte weder dort noch – nach dem Umzug der beiden im Jahr 1997 – in der neu gestalteten Gorillaanlage des Nürnberger Tiergartens. Während Yaounde ein Jahr später nach Romagne (Frankreich) abgegeben wurde  – dort wurde er übrigens mehrfach Vater -, wurde aus Bianca, ihrer Artgenossin Lena, dem Silberrücken Fritz und dessen damaliger Partnerin Delphi eine neue Gruppe zusammengestellt. Im Lauf der Zeit integrierten sich zwei jüngere Weibchen – Louna und Habibu – erfolgreich, Hakuna Matata dagegen musste den Harem um Fritz wieder verlassen, weil es ständig zu Auseinandersetzungen mit ihr kam.

Nun zum Nachwuchs der Weißgesichtssakis im Naturkundehaus des Tiergartens: Das Kleine kam am Montag zur Welt. Seine Mutter ist die fünfjährige Marilia, die sich vorbildlich um ihr Baby kümmert (Foto: Tiergarten Nürnberg). Sie hat darin Erfahrung, weil sie mit ihrem Partner Kwinti schon in Chester ein Jungtier hatte und es auch aufzog. Mit diesem Kleinen kam das Paar im März dieses Jahres nach Nürnberg. Der zehnjährige Kwinti wurde im Park „La Vallée des Singes“ in  Romagne geboren und zog 2012 nach Chester um.

9 Kommentare in “Freud´ und Leid bei Nürnberger Affen

  1. Tolle journalistische Leistung, einen Text eins-zu-eins aus der Pressemitteilung des Tiergartens abzuschreiben…

    Und keinerlei Hinweis darauf, dass Bianca aufgrund der jahrzehntelangen Haltung auf nacktem Betonboden – und nicht einfach „altersbeding“ – so schwere Gelenkprobleme hatte, dass sie sich trotz fortdauernder Gabe von Schmerzmedikamenten kaum mehr bewegen konnte und DESHALB eingeschläfert wurde.

    Mit Thomas geht die Qualhaltung von Gorillas auf nacktem Beton in die nächste Runde…

  2. Neuer Gorilla Thomas: Tiergarten klärt Sex-Gerücht auf

    Silberrücken muss sich an einen neuen Tagesrhythmus gewöhnen – vom 31.10.2018

    Ein neuer Silberrücken, der „Chef“ der vier Gorilladamen im Tiergarten werden und für Nachwuchs sorgen soll – ein gefundenes Fressen für jede Boulevardzeitung. Die letzte in Nürnberg noch erscheinende titelte am Dienstag denn auch in gewohnter Manier munter drauflos: „Gorilla hat keinen Bock auf Sex.“ Was steckt hinter der plakativen Schlagzeile?

    Der 15-jährige Gorillamann namens Thomas war vergangenen Freitag am Schmausenbuck angekommen. Nach der langen Reise von Spanien nach Franken war der neue Zoobewohner erst mal erschöpft. „Er hat bis in den frühen Nachmittag in seinem Schlafkäfig gepennt“, erzählt Tiergartendirektor Dag Encke. Sobald Thomas ausgeschlafen hatte, erkundete er sein neues Zuhause. „Er ist durch alle Schieber durchgerannt, weil er wohl damit gerechnet hat, dass irgendwo ein anderer Silberrücken hockt“, sagt Encke.

    Thomas hat die meiste Zeit seines Lebens in einer Junggesellengruppe verbracht. Dass er es am Schmausenbuck ausschließlich mit Weibchen zu tun hat, kam für ihn doch ziemlich überraschend. In Rotterdam, wo er das Licht der Welt erblickte, war er in einer großen Gruppe aufgewachsen. Dort lebten einige Gorillafamilien zusammen. „Deshalb ist er gut sozialisiert“, sagt Encke.

    „Hält Frauen ohne Gewalt in Schach“
    Weil Thomas seinen Vater und den Bruder als respekteinflößende Gruppenchefs kannte, geht der Zoochef davon aus, dass der Gorilla in Nürnberg auch ein guter Boss sein wird. Seinen „Harem“ lernte der Silberrücken zunächst durch Panzerglasscheiben kennen: die beiden über 40-jährigen – und damit bereits älteren – Damen Lena und Bianka, dazu die jungen Gorillafrauen Louna und Habibu.

    Dann kam der Moment des ersten persönlichen Kontakts. Laut Encke hat Thomas ihn „super souverän“ gemeistert. Wie er es als Jungtier gelernt habe, „hält er die Frauen ohne Gewalt in Schach, zu 90 Prozent nur durch Körperspannung“. Keine leichte Aufgabe, denn die vier Gorilladamen traten seit dem Tod ihres vorherigen Anführers Fritz als eingeschworene Weibergruppe auf, in der Lena als Stärkste im Quartett die Leitung innehatte.

    Doch es war mit Bianka die Gruppenälteste, die erst einmal einen Feldzug gegen Thomas führte, wie Encke beobachtet hat. Weil sie für Habibu und Louna eine Art Mutterrolle übernommen hat, habe sie die beiden gegen Thomas beschützen wollen. Als die Weibchen ihrem neuen Mann zu selbstbewusst und teils aggressiv gegenübertraten, biss der ein paar Mal zu. „Aber immer haben die Frauen angefangen“, betont der Tiergartenchef. Es habe nur „kleinere Blessuren“ gegeben. Insgesamt sei das erste Zusammentreffen eher harmlos verlaufen und entspreche „dem normalen sozialen Verhalten“ in freier Wildbahn. „Bei der Zusammenführung von Gorillas ist mit viel Blut zu rechnen“, so Encke, „das war hier aber nicht so.“

    Inzwischen haben sich die Tiere so weit aneinander gewöhnt, dass die Pfleger das Affenhaus zeitweise für Besucher öffnen. Sollte Thomas mal einen müden Eindruck machen, liege das an seinem bisherigen, typisch spanischen Tagesrhythmus: In Valencia hielt er über die Mittagsstunden Siesta, war dafür abends munter. Es könne auch keine Rede davon sein, dass er keine Lust auf Sex habe. „Gorillas sind sehr dezent und paaren sich fast nie in der Öffentlichkeit.“

    Ute Wolf

  3. Ein Gorilla namens Thomas

    King Kong wäre besser

    Heute mal eine Testfrage: Welcher Name passt gut zu einem Gorillamann, einem richtig kraftstrotzenden Silberrücken? Bitte nicht lange überlegen, sondern schnell aus dem Bauch raus antworten! Wetten, dass „King Kong“ unter den Vorschlägen ziemlich weit oben rangiert?

    Hand aufs Herz: Würde Ihnen „Thomas“ in den Sinn kommen?
    Wohl kaum. Und trotzdem heißt er so, der neue, durchaus imposante Anführer der vierköpfigen weiblichen Gorillagruppe im Tiergarten. Thomas – für einen Zoo in Franken denkbar ungeeignet!
    Ich höre die Besucher im Affenhaus schon „Domas, Domas! rufen.

    Selbst der Tiergartendirektor hat sich gefragt, wie aus einem Gorilla, der in Rotterdam das Licht der Welt erblickte, ausgerechnet ein Thomas wurde. Auf Holländisch heißt es Thom – keine Ahnung, wie man das ausspricht. Als Thom in eine Gorilla-Junggeselllen-Wohngemeinschaft bei Valencia umzog, haben ihn die Spanier angeblich Tomás genannt.

    Und jetzt also: Thomas. Gut, sein Vorgänger in Nürnberg wurde bekanntlich Fritz getauft, früher gab es einen Schorsch und ein Schorschla am Schmausenbuck – auch nicht unbedingt das, was man mit einem Gorillaboss assoziert. Aber wenigstens ging es dem Nürnberger ganz leicht über die Zunge.
    Einen Vorteil hat „Thomas“ immerhin: Man kann sich den Namen gut merken. Da hatten wir im Affenhaus – allerdings bei den weiblichen Gorillas – schon ganz andere Kaliber. Erinnert sei nur an „Hakuna Matata“. Das stammt aus der afrikanischen Sprache Swahili und bedeutet ungefähr: „Es gibt keine Schwierigkeiten.“ Das passte wie die Faust aufs Auge auf diese jung Dame. Denn sie machte so viele Probleme und Stress, dass sie Nürnberg schließlich verlassen musste. Dann schon lieber ein langweiliger Thomas!

    Ute Wolf, 3. November 2018 in der Nürnberger Zeitung unter der Rubrik „Waffel-Eck“

  4. @ Elke
    Sie scheinen ja seit Jahren mit Bianca eng auf eng auf nacktem Betonboden zusammengelebt zu haben – so genau, wie Sie das alles wissen.

  5. Meine liebe Frau Wolf,
    Elke hat wesentlich mehr Sachverstand als (DIESEN NAMEN HABE ICH GELÖSCHT, WEIL ICH IN MEINEM BLOG ANDERE PERSONEN SCHÜTZE, ANM. VON UWO) oder Sie (meine Gute).

    Am Besten Sie lesen sich mal auf dem GREAT APE PROJECT (https://www.greatapeproject.de) rein Weitere informative Seiten bei Ihren Recherchen sind PETA (https://www.peta.de) und PRO WAL (http://www.walschutzaktionen.de/655901.html) und der WDC (https://de.whales.org).

    Vielleicht klappt es dann mit informativen Journalismus in der NZ.

  6. @ Heike Arranz Rodriguez
    Vielleicht klappt es bei Ihnen mit dem richtigen Umgangston in Ihren Kommentaren besser, wenn sie sich mal mit den Grundsätzen der Netiquette befassen. Falls Sie diesen Begriff nicht kennen – wovon ich fast ausgehe: Darunter versteht man Regeln für soziales Kommunikationsverhalten im Internet.

  7. @Heike Arranz Rodriguez
    Welche Texte und Ideen meinen Sie eigentlich? Und warum haben Sie zwei meiner NZ-Artikel hier als Kommentare reingestellt? – Freut mich ja, dass die beiden Beiträge auf diesem Weg von Leuten gelesen werden, die nicht NZ-Abonnenten sind. Aber mir ist nicht klar, was Sie damit beabsichtigt haben. Wäre schön, wenn Sie mich aufklären könnten.

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