Der Wolf kommt bald nach Nürnberg

Auch in Nürnberg werden bald Wölfe erwartet. Foto: dpa

Die einen sind hocherfreut, die anderen zücken schon das Gewehr. Dass der Wolf in Deutschland wieder heimisch geworden ist, spaltet die Menschen in zwei Lager. Nun rücken diese wunderbaren Tiere auch in Bayern immer näher heran. Von Grafenwöhr und vom Veldensteiner Forst aus, wo nachweislich junge Wölfe leben, ist es für sie nicht mehr weit bis zum Reichswald. Und so gibt es in dessen nördlichem Teil, im Bereich Erlangen-Höchstadt, ebenso schon Wolfssichtungen wie im Hersbrucker Land. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Tiere vor den Toren Nürnbergs ankommen.

Vielleicht schon heuer, spätestens aber im nächsten Jahr, werden junge Wölfe auf der Suche nach neuen Quartieren hier unterwegs sein, erwartet man beim Bund Naturschutz, Kreisgruppe Nürnberg. Dass sich die scheuen Tiere dauerhaft in Stadtnähe ansiedeln, hält man beim BN eher für unwahrscheinlich. Aber zumindest auf der Durchreise werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit den Nürnberger Reichswald passieren. (Das wäre dann womöglich ganz in der Nähe des Tiergartens Nürnberg, in dem es ja leider keine Wölfe mehr gibt; in ihrem großen Gehege leben jetzt Luchse.) Der BN warnt vor Panikmache, fordert aber rechtzeitige Vorbereitungen.

 

 

Dazu gehört eine ausreichende Information der Bevölkerung. Die sollte vor allem eines wissen: Der Wolf ist nach EU-Recht streng geschützt. Besondere Schutzgebiete für diese Tiere sind deshalb ebenso Pflicht wie spezielle Management-Pläne. Der BN ist intern längst aktiv geworden und organisiert über seine Kreisgruppen in Bayern beispielsweise Seminare zum Thema Wildtier-Management.

Doch auch die verschiedenen staatlichen Naturschutzbehörden müssten eigentlich jetzt Öffentlichkeitsarbeit bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen leisten, die von der Rückkehr des Wolfes in seine angestammten Gebiete hauptsächlich betroffen sind – also Bauern, Schäfer, Touristen und Waldspaziergänger. In erster Linie müssen natürlich die Schafhalter über Maßnahmen aufgeklärt werden, die sie zum Schutz ihrer Tiere gegen den Wolf ergreifen können, beispielsweise ausreichend hohe, stabile Zäune und Herdenschutzhunde. Die Leute müssen außerdem erfahren, dass – und wo – sie dafür eine finanzielle Unterstützung erhalten.

Allzu begeisterte Freunde von Wölfen sollten davor gewarnt werden, die Tiere anzufüttern, in der Überzeugung, ihnen damit etwas Gutes zu tun. Denn wenn ihre Scheu vor den Menschen erst einmal schwindet, rücken uns Wölfe näher auf den Pelz, als es uns lieb sein kann. Dann könnte die gute Absicht sogar mit einem Angriff enden. In Europa ist bisher allerdings kein Wolfsangriff auf Personen bekannt; der Mensch gehört bekanntlich nicht zu seinem Beute-Spektrum. Das hat dieses Tier schon deshalb nicht nötig, weil es in unseren Wäldern jede Menge Futter findet: Es gibt genug Wild wie Rehe oder Wildschweine.

Sollte sich trotzdem ein einzelner Wolf zum Problem entwickeln, ist er nach geltenden Richtlinien aus einer Umgebung „zu entnehmen“. Das bedeutet jedoch nicht, dass er nach Gutdünken einzelner Jäger abgeschossen werden darf. Vielmehr haben die Naturschutzbehörden das Vorgehen genau abzuwägen. Sie müssen zum Beispiel überprüfen, ob der Wolf auf Menschen zugeht, ob eine Wölfin gerade Junge führt, oder ob die öffentliche Sicherheit gefährdet ist. Bei auffälligen Tieren können vor einem Abschuss zunächst Vergrämungsmaßnahmen ergriffen werden, unter anderem mit Elektroschock oder einer Schrotflinte. Weil die Diskussion um die Rückkehr des Wolfes höchst emotional geführt wird, sieht der BN die Gefahr, dass das Feld denen überlassen wird, die Panik machen. Deshalb ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und auf gute Informationspolitik zu setzen.